Klassiker importieren aus USA, Schweden, Italien: Was es wirklich kostet
Zoll, Einfuhrumsatzsteuer, Vollabnahme nach §21 StVZO und Logistik. Was den Import lohnenswert macht und wo die Stolperfallen sitzen.
Ein guter US-Mustang aus Arizona oder ein Alfa GT Junior aus Mailand kann günstiger sein als ein vergleichbares Angebot in Deutschland. Und schwedische Volvo-Amazonen sind so trocken aus dem Westküsten-Sommer, dass deutsche Vergleichsangebote dagegen wie Schweller-Wracks aussehen. Wer beim Klassiker-Kauf den Schritt über die Grenze geht, hat strukturelle Preisvorteile. Die Frage ist nur, wie viel davon nach Zoll, Einfuhrumsatzsteuer, Spedition und TÜV-Vollabnahme tatsächlich übrig bleibt.
Dieser Ratgeber zeigt, was beim Import aus den drei populärsten Klassik-Quellmärkten anders läuft, wann sich der Sammlerstück-Status nach Zolltarif 9705 lohnt, was eine Vollabnahme nach §21 StVZO bei TÜV-SÜD oder DEKRA realistisch kostet, welche Spediteure auf Klassik spezialisiert sind und wie eine ehrliche Vollkosten-Kalkulation für drei Beispiel-Fahrzeuge 2026 aussieht.
Drei Quellmärkte, drei Logiken
Der wichtigste Unterschied liegt nicht in den Modellen, sondern im rechtlichen Rahmen. Italien und Schweden gehören zur EU, USA sind Drittland. Das verändert alles, was hinter dem reinen Kaufpreis steht.
USA ist der einzige der drei Märkte, der eine echte Verzollung an der EU-Außengrenze auslöst. Hier entscheidet sich, ob das Fahrzeug als Sammlerstück (Position 9705 in der EU-Kombinierten Nomenklatur) oder als gewöhnlicher Gebraucht-Pkw (Position 8703) behandelt wird. Der Unterschied sind 10 Prozentpunkte Zoll und 12 Prozentpunkte Einfuhrumsatzsteuer. Bei einem Fahrzeugwert von 30.000 Euro reden wir über rund 7.170 Euro Abgaben-Differenz. Logistisch bedeutet USA-Import außerdem Seefracht, was Zeit (4 bis 8 Wochen) und Risiko (Salzwasser, Hafen-Handling) mitbringt.
Schweden ist EU-Binnenmarkt. Keine Zollanmeldung, keine Einfuhrumsatzsteuer beim Privatkauf von einer Privatperson, keine Grenzformalitäten. Das einzige zollrechtlich relevante Dokument ist ein sauberer Kaufvertrag plus Übergabe der schwedischen Fahrzeugpapiere. Schweden hat einen großen Pool gut erhaltener Klassiker, weil der trockene Sommer Karosserien deutlich weniger angreift als Wintersalz mitten in Deutschland. Allerdings: schwedische Autos bekommen im Winter ebenfalls Salz, der Markt unterschätzt das oft.
Italien ist ebenfalls EU, aber organisatorisch nochmal anders. Italien ist der mit Abstand größte Anbieter italienischer Sportwagen (Ferrari, Alfa, Lancia, Fiat-Sportmodelle), und es gibt viele kleine Händler, die Wagen aus Privatbesitz aufnehmen. Wie groß der Preisvorteil gegenüber Deutschland ist, hängt stark von Modell und Zustand ab. Wichtig: italienische Klassiker sind oft restauriert, aber nicht immer fachgerecht. Dass eine Alfa-Karosserie italienisch ausgespachtelt wurde, ist verbreitet, und ein deutscher TÜV-Prüfer sieht das schnell.
Die folgende Tabelle bringt die drei Märkte auf einen Blick zusammen.
| Quellmarkt | Zoll/EUSt-Aufwand | Logistik | Typischer Preisvorteil vs DE | Risiko-Profil |
|---|---|---|---|---|
| USA | 0 % Zoll + 7 % EUSt (bei 9705) oder 10 % + 19 % | Container 4–7 Wochen oder RoRo | je nach Modell, einzeln rechnen | Salzwasser, Pre-Sale-Schäden, FMVSS-Umbauten |
| Schweden | keiner | LKW-Trailer oder eigene Achse | je nach Modell, einzeln rechnen | Winter-Salz unterschätzt, Diesel-Vorgeschichte |
| Italien | keiner | LKW-Trailer oder eigene Achse | je nach Modell, einzeln rechnen | Verspachtelte Karosserien, Papiere-Lücken |
Zoll und Einfuhrumsatzsteuer: was Position 9705 wirklich bedeutet
Die wichtigste Stellschraube beim USA-Import ist die zolltarifliche Einstufung. Die EU unterscheidet bei Fahrzeugen zwischen Position 8703 (Personenkraftwagen, Gebraucht-Pkw normal) und Position 9705 (Sammlungsstücke von geschichtlichem oder völkerkundlichem Wert). Eine Pressemitteilung des Hauptzollamts Heilbronn vom Dezember 2025 zeigt, was bei fehlender Anmeldung droht: Für einen Jaguar E-Type von 1961 wurden 10.500 Euro Einfuhrabgaben (kein Zoll, 7 Prozent EUSt) nachträglich erhoben, gegen den Transporteur wurde ein Strafverfahren wegen Verdachts der Steuerhinterziehung eingeleitet.
Damit ein Klassiker nach Position 9705 als Sammlerstück gilt, müssen laut ADAC und Kombinierter Nomenklatur drei Kriterien erfüllt sein. Erstens muss das Fahrzeug mindestens 30 Jahre alt sein. Ausnahme: bei einem geschichtlichen Ereignis beteiligt oder als Rennfahrzeug erfolgreich gewesen. Zweitens muss es im Originalzustand sein, ohne wesentliche Modifikationen. Drittens darf das Modell nicht mehr hergestellt werden. Restaurierte Fahrzeuge gelten als original, wenn die Restauration sachgemäß und nachvollziehbar ist. Tuning-Umbauten (Großmotor-Swap, modernes Fahrwerk, LED-Scheinwerfer) zerstören den Sammlerstück-Status.
Die Abgabe-Berechnung läuft so: Zollwert ist Kaufpreis plus Seefracht plus Versicherung bis zur EU-Grenze. Bei Position 8703 fallen 10 Prozent Zoll auf diesen Wert an, danach 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer auf (Zollwert + Zoll). Bei Position 9705 fallen 0 Prozent Zoll an, danach 7 Prozent EUSt auf den Zollwert. Bei einem 30.000-Euro-Klassiker bedeutet das konkret: 8703 ergibt circa 39.270 Euro nach Steuern (3.000 Zoll + 6.270 EUSt + 30.000 Wert), 9705 ergibt circa 32.100 Euro (2.100 EUSt). Der Unterschied von 7.170 Euro entscheidet oft, ob der Import sich überhaupt lohnt.
Wichtig: die Einstufung als Sammlerstück muss der Einführer schon bei der Zollanmeldung beantragen, die Entscheidung trifft das zuständige Hauptzollamt. In der Praxis bedeutet das, vorab telefonisch mit dem Hauptzollamt sprechen, das die Anmeldung bearbeitet (oft das Hauptzollamt am Einfuhrhafen, also Bremen oder Hamburg). Fahrzeugspediteure wie Berlin Motors Logistics bieten Verzollung und Zulassung als Zusatzleistung an, SATS Group übernimmt See-, Luft- und Landfracht für Oldtimer.
USA-Import Schritt für Schritt
Der typische US-Klassiker-Import läuft in sechs Phasen ab. Wer das in Eigenregie macht, sollte mit acht bis zwölf Wochen Gesamtdauer rechnen.
Phase 1, Fahrzeug-Auswahl und Inspektion (1–4 Wochen): Bei US-Klassikern dominieren drei Online-Auktionsplattformen. Bring a Trailer (BaT) hat die niedrigste Käufer-Provision (5 Prozent, mindestens 250 USD, maximal 7.500 USD pro Wagen) und gilt als Plattform für ehrlich beschriebene Klassiker mit hochwertigen Fotos. Mecum Auctions und Barrett-Jackson sind klassische Saal-Auktionen mit 10 bis 12 Prozent Käufer-Provision und einer eher Show-orientierten Atmosphäre. Eine Übersicht der Auktions-Gebühren der Plattform classic.com zeigt die Unterschiede ausführlich. Ehrlich gesagt: für Vollerhaltungs-Klassiker ist BaT die ruhigere Wahl, für Concours-Restaurations-Bedarf eher die Live-Auktionen mit Probefahrt im Auktionssaal.
Ergänzend lohnen die Klassik-Händler-Datenbanken Hemmings.com und ClassicCars.com. Bei jedem Fahrzeug, das ernsthaft in Frage kommt, sollte ein unabhängiger Pre-Purchase-Inspector (PPI) das Auto sichten. Bekannte US-Inspector-Netzwerke sind Lemon Squad und CARCHEX, Kosten 250 bis 500 USD pro Fahrzeug. Ein PPI-Bericht ist auch für den deutschen TÜV-Prüfer später wertvoll.
Phase 2, Zoll-Voranfrage (1 Woche): Vor dem finalen Kauf hilft ein Anruf beim deutschen Hauptzollamt mit Fahrzeug-Eckdaten (Modell, Baujahr, VIN, Restaurations-Stand). Das Zollamt gibt eine unverbindliche Einschätzung, ob die Sammlerstück-Einstufung realistisch ist. Diese Vorbesprechung spart später Nerven, weil eine spätere Umdeklaration bei strittiger Einstufung lange dauert.
Phase 3, Bezahlung und Title-Transfer (1 Woche): US-Klassiker werden in der Regel per Wire Transfer bezahlt, nicht per PayPal oder Kreditkarte. Wichtig ist das US-Title-Dokument, eine Art Fahrzeugbrief, das den Eigentumsübergang dokumentiert. Ohne sauberes Title ist später keine deutsche Zulassung möglich. Salvage-Titles (Bergungs-Status nach Unfall) oder Rebuilt-Titles können die Zulassung in Deutschland erschweren, ein Clean Title ist deshalb klar vorzuziehen.
Phase 4, Verschiffung (4–7 Wochen): Klassiker werden meistens per Container verschifft, nicht per Roll-on-Roll-off (RoRo). Container heißt: das Auto wird in einen 20- oder 40-Fuß-Container gezurrt, kein Wind, kein Regen, kein Salzwasser, oft mit zwei oder vier Autos pro Container (Sammelcontainer senken die Kosten pro Auto). RoRo ist meist günstiger, dafür ist das Auto beim Verladen und an Bord weniger geschützt als im geschlossenen Container. Die Kosten hängen von Hafen, Transportart und Anbieter ab, die Klassik-Spediteure nennen Preise nur auf Anfrage. Hauptrouten: Los Angeles → Bremerhaven, New York/Baltimore → Bremerhaven oder Hamburg.
Phase 5, Verzollung in Bremerhaven oder Hamburg (1–2 Wochen): Bei der Einfuhrabwicklung sind drei Dinge wichtig: korrekte Deklaration als Position 9705 (mit Original-Title und Beweisdokumenten für Originalzustand), Bezahlung der EUSt, Abholung des Containers oder Zustellung des Fahrzeugs per Spedition zum Wohnort. Der Zollagent (entweder vom Spediteur gestellt oder eigener Zoll-Servicer wie Rapid-Zoll) erledigt die elektronische ATLAS-Anmeldung. Die Kosten der Zollagentur hängen vom Anbieter ab, Rapid-Zoll etwa berechnet für die Zollanmeldung pauschal 95 EUR zzgl. MwSt. (Stand September 2026).
Phase 6, Vollabnahme nach §21 StVZO und Zulassung (2–4 Wochen): Der US-Klassiker hat keine EG-Typgenehmigung. Bevor er in Deutschland zugelassen werden kann, braucht er eine Vollabnahme bei TÜV, DEKRA, KÜS oder GTÜ. Bei US-Fahrzeugen sind drei Umrüstungen typisch: Tagfahrlicht oder Standlicht-Umrüstung, Tachometer von Meilen auf Kilometer (auch via Aufkleber-Lösung möglich), Beleuchtungs-Korrektur (US-Heckleuchten mischen oft Bremslicht und Blinker auf einer Glühlampe, in Deutschland Pflicht-Trennung). Welche Umrüstungen nötig sind, legt der Sachverständige im Einzelfall fest, bei US-Fahrzeugen sind sie oft umfangreich. Die Kosten der Vollabnahme bei TÜV Rheinland variieren je nach Umfang und Zeitaufwand, dazu kommen die Umrüstungs-Arbeiten je nach Modell. Nach erfolgreichem §21-Gutachten dann normale Anmeldung in der Zulassungsstelle, dort ggf. direkt mit H-Kennzeichen-Antrag nach §23 StVZO (Details in unserem Ratgeber zur Oldtimer-TÜV-Hauptuntersuchung).
Schweden-Import: einfach, aber nicht ohne Tücken
Schweden ist der entspannteste der drei Märkte. EU-Binnenmarkt heißt: keine Zollanmeldung, keine Einfuhrumsatzsteuer beim Privatkauf von einer Privatperson, keine Grenzformalitäten. Der Import ist im Wesentlichen ein langer Transport plus deutsche Zulassung.
Bei der Mehrwertsteuer gilt nach ADAC-Faustregel folgendes: wenn das Fahrzeug beim Kauf mehr als 6.000 km zurückgelegt hat und die Erstzulassung mehr als 6 Monate her ist, gilt es als „Gebrauchtfahrzeug” und es fällt entweder die landesübliche Mehrwertsteuer (bei Händler-Kauf, in Schweden 25 Prozent) oder gar keine Mehrwertsteuer (Privatkauf von Privatperson) an. Bei Klassikern ist die zweite Variante die Norm, also Privatverkauf zwischen Endkunden. Bei Händler-Kauf sollte der Bruttopreis verglichen werden, weil die schwedische Mehrwertsteuer im Kaufpreis steckt und in Deutschland keine weitere fällig wird.
Logistik geht in der Regel auf zwei Wegen. Erste Variante: per LKW-Trailer durch einen spezialisierten Auto-Trailer-Anbieter, die Kosten hängen von Strecke und Anbieter ab. Hiscox nennt in einem Beispiel für einen EU-Import 1.200 bis 1.500 EUR Transportkosten. Zweite Variante: eigene Achse mit Ausfuhrkennzeichen Schweden plus deutscher Versicherung, Kosten Sprit plus Fähre Trelleborg–Rostock circa 250 bis 500 EUR. Die zweite Variante ist nur sinnvoll, wenn der Klassiker fahrbereit und nicht zu wertvoll ist.
Schwedische Verkäufer haben einen Ruf für solide Beschreibungen, aber auch für eine hohe Toleranz beim Karosseriezustand. Hiscox rät beim EU-Import zu einer persönlichen Besichtigung, idealerweise zu zweit. Was in Schweden als „inga rostskador” (kein Rost) verkauft wird, ist in Deutschland oft eine HU-Befund-Liste mit Schweller-Patch und Wagenheber-Aufnahme-Sanierung. Vor dem Kauf lohnt ein Vor-Ort-Besuch oder ein bezahlter Gutachter vor Ort.
Bei der deutschen Zulassung gilt: schwedische Klassiker haben in der Regel kein CoC-Dokument (zu alt). Die deutsche Zulassungsstelle verlangt dann entweder ein technisches Datenblatt vom Hersteller (DEKRA und TÜV bieten dafür einen Datenblatt-Service an) oder eine §21-Vollabnahme. In der Praxis akzeptieren viele Zulassungsstellen die schwedischen Originalpapiere plus eine deutsche HU als ausreichend, ohne explizite §21-Vollabnahme. Hier lohnt der Anruf bei der eigenen Zulassungsstelle vor dem Kauf, weil die Praxis von Stadt zu Stadt variiert.
Italien-Import: günstig kaufen, sorgfältig prüfen
Italien ist für Liebhaber italienischer Marken die natürliche Bezugsquelle. Alfa Romeo Giulia 105, Lancia Fulvia, Fiat Spider, Ferrari 308, Maserati Biturbo: in Italien ist das Angebot groß, einen pauschalen Preisvorteil gegenüber Deutschland solltest du aber nicht unterstellen. Auch Porsche, BMW und Mercedes finden sich in Italien (oft als Importe der 80er und 90er aus Deutschland), aber dort ohne Preisvorteil.
EU-Regeln vereinfachen den Import wie bei Schweden: keine Zollanmeldung, beim Privatkauf keine Mehrwertsteuer. Italienische Fahrzeugpapiere sind die Carta di circolazione (Libretto, Fahrzeugschein) plus Certificato di Proprietà (Eigentumsnachweis), seit 2020 werden beide schrittweise durch den Documento Unico (DU) ersetzt. Diese Papiere brauchst du für die deutsche Zulassung. Wichtig: laut Classic Trader gehört ein Nachweis der Abmeldung in Italien zu den nötigen Unterlagen.
Eine häufige Falle beim Kauf in Italien ist die Karosserie-Restauration. Ein verbreitetes Muster: das Auto wird gespachtelt, lackiert und als „komplett restauriert” angeboten. Der deutsche Käufer sieht eine glänzende Optik, der deutsche TÜV-Prüfer sieht beim Lichtspalt-Tippen mit dem Schraubenzieher dann die Wahrheit. Ein ASI-Zertifikat (Automotoclub Storico Italiano) ersetzt diese eigene Prüfung nicht. Vor dem Kauf in Italien gilt also: Hebebühne-Termin beim Verkäufer einfordern, dort persönlich oder durch einen unabhängigen Gutachter prüfen.
Logistik aus Italien ist günstiger als aus Schweden, weil die Distanzen kürzer sind. Was der LKW-Trailer von Mailand oder Modena nach Süddeutschland kostet, hängt vom Anbieter ab, hol mehrere Angebote ein. Große Fahrzeuglogistiker wie Mosolf arbeiten vor allem für die Automobilindustrie, für Privatkäufe lohnt der Vergleich mehrerer spezialisierter Klassik-Trailer-Anbieter. Bei Werten über 80.000 EUR sollte zusätzlich eine Transportversicherung mit „Klassik-Klausel” abgeschlossen werden, die Reparaturen nach Verkehrsunfall nach Originaltechnik kalkuliert (nicht nach Wiederbeschaffungswert).
Bei der deutschen Zulassung gilt das gleiche wie bei Schweden: kein CoC bei alten Klassikern, dafür §21-Vollabnahme oder Datenblatt-Erstellung durch DEKRA oder TÜV-SÜD. Eine Kosten-Aufschlüsselung von Heritage Supplies nennt neben der Besichtigungsreise vor allem die oft unterschätzten Zulassungskosten: Vollgutachten nach §21 StVZO, Oldtimer-Gutachten nach §23 StVZO, Umrüstungen sowie Verwaltungsgebühren.
Drei reale Beispiel-Kalkulationen 2026
Zahlen sind oft anschaulicher als Listen. Die folgende Tabelle zeigt drei reale Beispiel-Imports, kalkuliert für Mai 2026.
| Posten | Mustang Fox-Body 5.0 GT (USA, 1989) | Volvo 1800ES (Schweden, 1973) | Alfa Romeo Spider 2000 (Italien, 1985) |
|---|---|---|---|
| Kaufpreis | 22.000 USD ≈ 20.500 EUR | 22.000 EUR | 18.000 EUR |
| Käufer-Provision | 1.100 USD (5 % BaT) ≈ 1.030 EUR | entfällt (Privatkauf) | 500 EUR (Händler-Marge erhoben) |
| Pre-Purchase-Inspection | 350 USD ≈ 325 EUR | 200 EUR Vor-Ort-Termin Reise | 400 EUR Inspektor-Honorar |
| Transport USA-Westküste → Bremerhaven (Container, geteilt) | 2.200 EUR | – | – |
| LKW-Trailer Skandinavien → DE Süd | – | 1.500 EUR | – |
| LKW-Trailer Italien → DE Süd | – | – | 850 EUR |
| Transportversicherung | 250 EUR | 100 EUR | 100 EUR |
| Einfuhrzoll (Position 9705) | 0 EUR | entfällt | entfällt |
| Einfuhrumsatzsteuer 7 % | 1.610 EUR (auf 23.000 EUR Zollwert) | entfällt | entfällt |
| Zollagent | 250 EUR | – | – |
| Vollabnahme §21 StVZO | 500 EUR | 350 EUR (oft via Datenblatt günstiger) | 400 EUR |
| Umrüstungen (Beleuchtung, Tacho) | 1.800 EUR | 200 EUR (E-Prüfzeichen Scheinwerfer) | 100 EUR |
| Zulassung + H-Gutachten §23 | 280 EUR | 280 EUR | 280 EUR |
| Gesamt | 28.745 EUR | 24.630 EUR | 20.630 EUR |
| Deutscher Vergleichspreis 2026 | 24.000 EUR (Note 1), 15.000 EUR (Note 2) laut Chromradar-Marktwert | kein Chromradar-Marktwert | 35.000 EUR (Note 2), 22.000 EUR (Note 3) laut Chromradar-Marktwert |
| Ersparnis | keine: ca. 4.745 EUR Mehrkosten gegenüber Note 1 | nicht belegbar | ca. 1.370 EUR (Note 3) bis 14.370 EUR (Note 2) |
Die Zahlen sind konservativ kalkuliert (Vollabnahme im oberen Bereich, Transport mittlere Saison, kein Worst-Case-Schaden im Container). In der Realität schwanken die Endkosten je nach Dollarkurs, Container-Verfügbarkeit und §21-Aufwand um bis zu 15 Prozent nach oben. Ob sich ein Import lohnt, hängt stark von Zustand und deutschem Marktwert des konkreten Modells ab, rechne deshalb jeden Fall einzeln durch.
Spediteur-Auswahl: worauf es ankommt
Beim USA-Import macht der Spediteur 30 bis 40 Prozent der Komplexität aus. Eine Liste der etablierten Klassik-Spediteure 2026 mit Domain-Schwerpunkten.
| Spediteur | Schwerpunkt | Tür-zu-Tür möglich | 9705-Antrag |
|---|---|---|---|
| SATS Group | USA, China, Australien, Asien; See-, Luft- und Landfracht | auf Anfrage | auf Anfrage |
| Berlin Motors Logistics | USA, Dubai, Kanada, Container + Luftfracht | ja | Verzollung im Angebot |
| Pangaea Cargo | Überseetransporte, RoRo + Container | auf Anfrage | Zolldienstleistungen im Angebot |
| Mosolf | Automobillogistik, europaweites Standortnetz | auf Anfrage | entfällt |
Drei Auswahl-Kriterien sind in der Praxis entscheidend. Erstens: bietet der Spediteur den 9705-Antrag als Teil des Pakets an? Wer das selbst macht und mit dem Hauptzollamt nicht vorab sprechen will, riskiert Position-8703-Veranlagung mit rund 7.170 EUR Mehrkosten bei einem 30.000-EUR-Klassiker. Zweitens: ist die Versicherung „klassik-affin” formuliert, also Restaurations-Wert statt Wiederbeschaffungswert? Bei einem 35.000-EUR-Klassiker mit 50.000 EUR Vollrestaurations-Investment ist der Unterschied existenziell. Drittens: gibt es eine Tracking-Möglichkeit für den Container, idealerweise mit Foto-Beweis vor und nach der Verladung? Vertrauenswürdige Spediteure schicken vor der Container-Tür-Schließung Fotos mit Standort-GPS und Datum.
Was bei der Vollabnahme nach §21 StVZO schief gehen kann
Die größte Stolperfalle ist nicht der Zoll, sondern der TÜV-Termin nach der Verzollung. Vier typische Probleme aus der Klassik-Import-Praxis.
Beleuchtungs-Konflikte: US-Heckleuchten mischen Bremslicht und Blinker auf einer roten Glühbirne. Nach §54 Abs. 3 StVZO sind als Fahrtrichtungsanzeiger nur Blinkleuchten für gelbes Licht zulässig. Laut TÜV Rheinland dürfen Fahrzeuge mit Erstzulassung vor dem 1.1.1970 hinten aber weiterhin rot blinken, bei späteren ist die Umrüstung auf gelbes Licht nötig. Lösung: entweder Heckleuchten-Umbau auf europäische Variante (typisch 400 bis 1.200 EUR bei US-Klassikern mit verfügbarem Europa-Markt-Pendant, etwa beim BMW E30, beim Mustang Fox-Body schwieriger) oder amtliche Einzelgenehmigung über §70 StVZO mit Ausnahmegenehmigung.
Bumper-Standards FMVSS 215: Pre-1973-US-Klassiker haben oft schlanke Chrom-Stoßstangen, ab 1973 verlangte FMVSS 215 die berühmten 5-mph-Stoßstangen (massive Aluminiumblöcke, oft mit Hydraulik-Dämpfern). Für den deutschen TÜV sind diese US-Stoßstangen unproblematisch, weil sie zum Bauzustand der Erstzulassung gehören. Wer beim Import den US-Bumper gegen einen optisch attraktiveren Euro-Chrom-Bumper tauscht, muss diesen Umbau aber einzeln eintragen lassen.
Spurweiten und Bereifung: US-Felgen werden oft in Zoll angegeben (Lochkreis 5x4,5 Zoll, das entspricht 5x114,3 mm). Beim §21-Termin lässt sich das normalerweise ohne Aufwand belegen, aber bei späteren Rad-Wechseln muss man wissen, dass nicht jeder deutsche Reifenhändler passende Reifen vorrätig hat. Tipp: bei der Vollabnahme direkt zwei Felgen-Konfigurationen mit eintragen lassen (Original-US plus eine deutsche Alternative).
Tachometer-Skala: US-Tachos zeigen mph, der deutsche TÜV verlangt km/h. Welche Lösung der Prüfer akzeptiert, etwa eine zusätzliche km/h-Skala oder einen Umbau, klärst du am besten vorab mit ihm.
Wer die Vollabnahme selbst termintreu durchziehen will, sollte vor dem TÜV-Termin den Modell-spezialisierten Prüfer suchen. TÜV SÜD ClassiC bietet Oldtimer-Fachleute an den TÜV SÜD Service-Centern, DEKRA nennt rund 500 Sachverständige für Oldtimer und Youngtimer.
Haeufige Fragen
Lohnt sich der US-Import bei Oldtimern wirklich noch? +
Wie lange dauert ein typischer US-Klassiker-Import von Kauf bis Zulassung? +
Was passiert, wenn der Zoll meine 9705-Einstufung ablehnt? +
Brauche ich beim Import aus Italien oder Schweden eine §21-Vollabnahme? +
Welche Risiken hat der Container-Transport aus USA? +
Wie versichere ich einen Klassiker während des Imports? +
Was tun, wenn der importierte Klassiker am TÜV-Termin durchfällt? +
Quellen
- ADAC, Import und Export von Oldtimern
- Zoll, Pressemitteilung Sammlerstück-Nachversteuerung (Dez. 2025)
- EU-Kombinierte Nomenklatur 2026 (Durchführungsverordnung (EU) 2025/1926)
- DEKRA, Importfahrzeug-Zulassung
- TÜV-SÜD, Vollgutachten nach §21 / §19 StVZO
- TÜV-Rheinland, Vollabnahme bei Importfahrzeugen
- TÜV-Verband, Oldtimer-Import
- SATS Group, Internationaler Oldtimer-Import und -Export
- Berlin Motors Logistics, US-Fahrzeugimport und Verschiffung
- Pangaea Cargo Speditionsgesellschaft (Fahrzeug-Überseetransport)
- Bring a Trailer Auctions
- Mecum Auctions
- Barrett-Jackson Auctions
- Classic.com, Auction Fees Übersicht
- Hiscox, Oldtimer-Import aus EU-Ländern
- Classic-Trader, Tipps und Tricks zum Import aus Italien
- Limora, Oldtimer-Import aus EU
- Heritage Supplies, Kosten des Oldtimer-Imports aus EU-Ländern
- Rapid-Zoll, KFZ-Import aus Drittländern
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