Mercedes 500 E Kaufberatung 2026
Die Porsche-Mercedes-Kooperation, der Wolf im Schafspelz
Der Mercedes 500 E (Baumuster W 124.036) ist eines der ungewöhnlichsten Modelle der Mercedes-Geschichte: gemeinsam mit Porsche entwickelt und von 1990 bis 1995 im Wechsel zwischen dem Porsche-Werk in Zuffenhausen und dem Mercedes-Werk Sindelfingen gebaut, mit dem 5,0-Liter-V8 M 119 aus dem 500 SL (anfangs 326 PS), einer 56 mm breiteren Karosserie, 23 mm tiefergelegtem Fahrwerk und der Bremsanlage des SL. Insgesamt entstanden 10.479 Exemplare (einschließlich der wenigen E 60 AMG), heute eines der gesuchtesten W 124-Modelle. Diese Kaufberatung erklärt die Fertigung bei Porsche und die spezifischen Kaufkriterien des Modells.
- Modell-Historie und Bauzeitraum
- Karosserie-Varianten im Überblick
- Motorisierungen im Überblick
- Rost-Hotspots, die kritischen Zonen
- Allgemeine Schwachstellen
- H-Kennzeichen-Voraussetzungen
- Unterhaltskosten pro Jahr (Richtwerte)
- Kauf-Checkliste
- Welcher passt zu dir?
- Varianten im Wert-Vergleich
- Bezugsquellen
- Häufige Fragen
Modell-Historie und Bauzeitraum
Die Geschichte des 500 E ist ungewöhnlich: Daimler-Benz beauftragte 1988 Porsche mit der Entwicklung eines V8-W 124 (Porsche-Projekt 2758), weil die eigenen Ingenieure mit der neuen S-Klasse W 140 ausgelastet waren. Porsche übernahm den Großteil der Entwicklungsarbeit und auch die Montage, denn die 56 mm breitere Karosserie passte nicht durch die W 124-Fertigungsstraße in Sindelfingen. Für Porsche, das damals in einer Absatzkrise steckte, brachte der Auftrag Auslastung für das Werk in Zuffenhausen.
Der Ablauf: Mercedes lieferte die Karosserieteile aus Sindelfingen, Porsche baute im Werk 2 in Zuffenhausen die Rohkarosserie auf, mit selbst gefertigten Teilen wie den ausgestellten Vorderkotflügeln. Lackiert wurde in Sindelfingen, danach folgten Endmontage und Motoreinbau im Rössle-Bau in Zuffenhausen. Zur Endkontrolle und Auslieferung kamen die Wagen erneut nach Sindelfingen. Ein Fahrzeug brauchte so rund 18 Tage.
Das Ergebnis, vorgestellt im Oktober 1990 auf dem Pariser Autosalon: ein auf den ersten Blick unauffälliger W 124, erkennbar an den ausgestellten Kotflügeln, den geänderten Stoßfängerverkleidungen, der um 23 mm tiefergelegten Karosserie und den 16-Zoll-Achtloch-Rädern. Unter der Haube arbeitet der 5,0-Liter-V8 M 119 aus dem 500 SL mit 326 PS und 480 Nm, die Bremsanlage stammt ebenfalls aus dem SL.
Ab Oktober 1992 leistete der Motor 320 PS. Mit der Modellpflege Mitte 1993 wurde aus dem 500 E der E 500, erkennbar am Plakettenkühler und weißen Blinkern. 1994 folgte das Sondermodell E 500 Limited mit 500 Exemplaren. Die Produktion endete im April 1995. Insgesamt entstanden 10.479 Fahrzeuge einschließlich der wenigen E 60 AMG, 1.528 davon gingen offiziell in die USA. Heute gehört der 500 E / E 500 zu den gesuchtesten Mercedes-Limousinen der 1990er Jahre.
Karosserie-Varianten
Ursprüngliche Bezeichnung. M 119 mit 326 PS, ab Oktober 1992 320 PS. 56 mm breitere Karosserie, 16-Zoll-Achtloch-Leichtmetallräder.
Ab der Modellpflege Mitte 1993 als E 500 bezeichnet, mit Plakettenkühler und weißen Blinkern, 320 PS. Sondermodell E 500 Limited (1994, 500 Exemplare).
Motorisierungen im Überblick
Die wichtigsten Triebwerke der Baureihe. Für motorisierungsspezifische Schwachstellen und Marktwerte siehe die einzelnen Modell-Seiten unten.
4.973 cm³, Vierventil-V8 mit Saugrohreinspritzung. Bis September 1992 240 kW (326 PS) bei 5.700/min und 480 Nm bei 3.900/min, ab Oktober 1992 235 kW (320 PS) bei 5.600/min und 470 Nm. Grundmotor aus dem 500 SL (R 129). Viergang-Automatik serienmäßig, 0–100 km/h in rund 6 Sekunden (je nach Quelle 5,9 bis 6,1 s), Höchstgeschwindigkeit elektronisch auf 250 km/h begrenzt.
Rost-Hotspots, die kritischen Zonen
Rost ist der mit Abstand wichtigste Wertkiller. Diese Stellen vor dem Kauf zwingend prüfen. Der Schwere-Indikator zeigt den Reparatur-Aufwand.
Wagenheberaufnahmen und Schweller
KritischTypische W 124-Schwachstelle, jede Aufnahme einzeln prüfen.
Radläufe und Kotflügel
KritischAuch an den verbreiterten Kotflügeln möglich. Die ausgestellten vorderen Kotflügel fertigte Porsche selbst, normale W 124-Teile passen daher nicht.
Hinterachsaufnahmen
MittelLaut Kaufberatungen anfällig, auf Unterbodenbühne prüfen.
Fensterrahmen
MittelRost unter den Dichtungen, vor allem an Front- und Heckscheibe.
Allgemeine Schwachstellen
Diese Probleme treten unabhängig von der Motorisierung auf. Motorspezifische Schwachstellen findest du auf den einzelnen Modell-Seiten.
- !Steuerkette und Kettenführung (M 119) WerkstattDie Kunststoff-Gleitschienen verspröden, die Kette kann überspringen oder reißen, teils schon vor 200.000 km. Nachweis über einen Wechsel erfragen.
- !Motorkabelbaum WerkstattBei Mercedes-Modellen der Baujahre etwa 1993–1995 zerfällt die Isolierung des Motorkabelbaums. Folgen: Zündaussetzer, unrunder Leerlauf, im Extremfall Brandgefahr. Spezialisten bieten eine Instandsetzung für den M 119 an (z. B. 750 £ in Großbritannien, zuzüglich Aus- und Einbau).
- !Elektronik und Zündung WerkstattAusfälle von Steuergeräten und Zündungsprobleme sind bekannt, Fehlerspeicher und Leerlauf prüfen.
- !Vorderachse WerkstattDurch das hohe Gewicht des V8 verschleißen Traggelenke und Spurstangen schneller.
- !Bremsanlage WerkstattStammt aus dem SL (R 129), vorn 300-mm-Scheiben, ab 1993/94 320 mm. Teile sind teurer als beim normalen W 124.
- !Originale Räder (16 Zoll) selbst oder WerkstattOriginale Achtloch-Leichtmetallräder 8 x 16 sind für Sammler wichtig, Fremd- oder Nachbauräder mindern den Wert.
- !Umbauten und Tuning selbst oder WerkstattViele Achtzylinder-W 124 wurden umgebaut. Nachträgliche Tieferlegungen oder Leistungssteigerungen mindern den Wert deutlich, Originalzustand entscheidend.
H-Kennzeichen, was du wissen musst
500 E mit Erstzulassung 1990 sind seit 2020 H-Kennzeichen-fähig. Späteste E 500 (1995) seit 2025 H-fähig.
- ✓ Erstzulassung mindestens 30 Jahre zurück
- ✓ Weitgehend originaler Zustand der Karosserie und Technik
- ✓ Originale Motorisierung mit dokumentierter Historie
- ✓ Original-Auspuff oder zeitgenössische Alternative mit Eintragung
- ✓ Positives H-Gutachten durch TÜV, DEKRA oder GTÜ
Unterhaltskosten pro Jahr (Richtwerte)
Richtwerte, keine Einzelbelege: grobe Orientierung für die jährlichen Kosten bei Liebhaber-Nutzung mit wenigen tausend Kilometern. Die tatsächlichen Kosten hängen stark von Zustand, Variante, Werkstatt und Eigenleistung ab. Fest steht nur die Kfz-Steuer mit H-Kennzeichen (pauschal 191,73 € für Pkw).
| Versicherung (Klassik-Tarif) | 800–1.500 € (Wertklasse) |
| Kfz-Steuer | 191,73 € (H-Pauschale) |
| Wartung und Inspektion | 600–1.200 € |
| Verschleißteile (anteilig) | 300–600 € |
| Jährliche Schraubereien | 500–1.200 € |
| Summe pro Jahr (Richtwert) | ca. 2.400–4.700 € pro Jahr |
Versicherungs-Spanne über unseren Klassik-Versicherungs-Vergleicher konkretisierbar.
Kauf-Checkliste
Diese Punkte vor dem Kauf systematisch prüfen. Idealerweise mit einem Klassiker-Sachverständigen oder im Beisein eines erfahrenen Schraubers.
Authentizität, kritisch beim 500 E
- Fahrgestellnummer und Datenkarte prüfen: echte Fahrzeuge tragen das Baumuster 124.036 (bis Modelljahr 1993 in der Form WDB124036…), Optik-Umbauten auf Basis anderer W 124 nicht.
- Karosserie-Nummer mit Datenkarte abgleichen
- Originale 16-Zoll-Achtloch-Leichtmetallräder (8 x 16)
- Originale Abgasanlage
- Original-Innenausstattung mit zwei Einzelsitzen im Fond
- Mercedes-Classic-Datenkarte (kritisch zur Echtheits-Prüfung)
Karosserie, Rost-Check und Originalität
- Schweller und Wagenheber-Aufnahmen einzeln drücken
- Hinterachsaufnahmen und Fensterrahmen
- Hintere Radläufe / Bördelkanten
- Breite vordere Kotflügel, Übergang zur A-Säule
- Bodenblech, Querträger im Heck
- Lackdickenmessung über alle Karosserieteile
- Spaltmaße zwischen breit-gezogenen Kotflügeln und Türen
Motor & Antrieb
- Zustand des Motorkabelbaums (vor allem bei Baujahren ab 1993 Pflicht)
- Hydrostössel-Geräusch beim Kaltstart
- Steuerketten-Geräusche
- Ölverbrauchs-Historie erfragen
- Kompressionsmessung über alle 8 Zylinder
- Viergang-Automatik: kein Schlupf, saubere Schaltungen
- Probefahrt: alle Gänge sauber, kein Hinterachs-Geräusch
Sport-Komponenten
- Sportfahrwerk: Stoßdämpfer-Zustand
- Sport-Bremsen: Bremsscheiben-Dicke
- Original-Lenkrad und Sport-Schaltknauf
- Klima-Anlage: alle Funktionen?
- Bei späten E 500: Mopf-Anbauteile original?
Dokumentation und Herkunftsnachweis
- Mercedes-Scheckheft komplett mit MB-Stempeln
- Mercedes-Classic-Datenkarte vom Werk
- Rechnungen über Kabelbaum-Tausch (KRITISCH!)
- Steuerketten-Wechsel dokumentiert?
- Erstzulassungs-Nachweis und vollständige Halterhistorie
- Dokumentierte Herkunft (Erstbesitzer, prominente Vorbesitzer) als Wertfaktor
- TÜV-Bericht aktuell und nachvollziehbar
Welcher passt zu dir?
Entscheidungshilfe nach Käufer-Profil: finde die richtige Motorisierung und Karosserie-Variante für deinen Einsatzzweck.
Mercedes 500 E (1990–1993)
Originale Bezeichnung 500 E, bis September 1992 mit 326 PS. Markt in Note 2 rund 61.200–82.800 €. Unter Sammlern besonders begehrt.
Mercedes E 500 (Modellpflege, 1993–1995)
Spätere Bezeichnung E 500 ab Mitte 1993 mit 320 PS und Plakettenkühler. Deutlich weniger gebaut als der 500 E, besonders gesucht ist das E 500 Limited (500 Exemplare). Die Chromradar-Leiter für Note 2 liegt auch hier bei rund 61.200–82.800 €; späte E 500 erzielen laut CLASSIC.COM oft höhere Preise als frühe 500 E, Limited-Fahrzeuge und Exemplare mit geringer Laufleistung liegen darüber.
500 E mit lückenloser Erstbesitzer-Historie
Originale Kaufunterlagen, Erstbesitzer-Wartungsbuch, Datenkarte. Ausnahmefahrzeuge mit sehr geringer Laufleistung liegen deutlich über der Note-1-Notierung von 120.000 €: classic.com verzeichnet 2026 in den USA 190.400 US-Dollar für ein E 500 Limited und 357.000 US-Dollar für einen 500 E mit rund 2.000 Meilen.
Alle Varianten im Wert-Vergleich
Klick auf eine Variante für die detaillierte Marktwert-Analyse und motorisierungs-spezifische Schwachstellen.
| Variante | Motor | Leistung | Verbrauch | Eignung | Wert (Note 2) |
|---|---|---|---|---|---|
| Mercedes 500 E / E 500 | M 119 V8 5,0 l | 326 (ab 10/1992: 320) PS | 13–16 l/100km | Sammler | 61.200–82.800 € |
Bezugsquellen, wo du dieses Modell findest
Vier Wege zum Klassiker, jeweils mit typischer Preislage und Risiko. Welcher passt, hängt von Budget, Zeit und gewünschter Absicherung ab.
Gepflegte Exemplare beim Mercedes-Klassiker-Spezialisten bzw. im Markencenter mit Historie und Gewährleistung.
Großer Markt auf mobile.de, Classic Trader und Kleinanzeigen; Rost und Servicehistorie zwingend prüfen. Motorkabelbaum, Originalzustand (originale Achtloch-Räder 8 x 16, keine Tieferlegung) und Historie zwingend prüfen.
Für seltene und dokumentierte Exemplare wie E 500 Limited oder Fahrzeuge mit sehr geringer Laufleistung.
Teils aus dem Ausland (USA, trockene Klimazonen); Euro-Spec-Umbau und Vollabnahme nach §21 StVZO einplanen.
Häufige Fragen zur Mercedes-Benz-500E-Reihe
Was ist ein Mercedes 500 E wert? +
Wie funktionierte die Porsche-Mercedes-Kooperation? +
Warum ist die Porsche-Kooperation entstanden? +
Wie viele 500 E wurden gebaut? +
Was unterscheidet den 500 E vom normalen W 124? +
Was ist beim Kauf eines 500 E besonders wichtig? +
Worauf sollten Sammler beim 500 E achten? +
Was kostet die Wartung eines 500 E? +
Konkreten Wert berechnen
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Zum Marktwert-Check- Wikipedia: Mercedes-Benz Baureihe 124 (Abschnitt 500 E)
- Wikipedia: Mercedes-Benz 500 E
- Mercedes-Fans: Der Wolf im Schafspelz, Mercedes-Benz 500 E (W 124)
- Walter Magazin: Mercedes 500 E, das Porsche-Projekt 2758
- Motorsport-Total: Mercedes 500 E (W 124), der Porsche-Benz wird 30
- mobile.de Magazin: Mercedes 500 E Kaufberatung
- CLASSIC.COM: Mercedes-Benz 500E Marktdaten