Ersatzteile für Youngtimer und Klassiker: Wo man wirklich was findet
Markenarchive, Klubs, Spezialhändler, Online-Marktplätze. Die ehrlichen Bezugsquellen pro Teile-Kategorie.
Wer einen 30 Jahre alten BMW E30 fährt, hat ein Problem, das im Neuwagen-Forum niemand kennt: Wo bekommt man eigentlich das Querlenker-Lager, das es im Bosch-Online-Shop nicht mehr gibt? Wo den Heckklappen-Dichtgummi für einen Manta B? Wo eine intakte Mittelkonsole für einen 944 Turbo?
Die Antwort hängt davon ab, was du suchst, wie original es sein soll und wie viel du bereit bist auszugeben. Dieser Ratgeber sortiert die ehrlichen Bezugsquellen für Klassiker-Ersatzteile nach Teile-Kategorie, vergleicht Preisniveaus und nennt die Adressen, die in der Szene wirklich liefern.
Werbe-Hinweis: Der Abschnitt zu eBay enthält einen Affiliate-Link (Werbung nach Paragraf 6 DDG). Empfehlungen für alle anderen Anbieter sind redaktionell, ohne Provisions-Interesse.
Die fünf Teile-Kategorien und wo sie wirklich herkommen
Nicht jedes Ersatzteil hat dieselbe Beschaffungslogik. Wer einen Bremsklotz braucht, sucht woanders als jemand, der den Original-Schriftzug für die Heckklappe oder eine intakte Original-Sitzgarnitur sucht. Grob lassen sich Klassiker-Ersatzteile in fünf Kategorien einsortieren, jede mit eigener Bezugsquelle und eigenem Preisniveau.
Verschleißteile (Mechanik): Bremsen, Filter, Zündkerzen, Lager, Riemen, Dichtungen, Wasserpumpen, Lichtmaschinen-Regler. Für die meisten 80er- und 90er-Modelle gut über den freien Teilemarkt verfügbar. Hersteller wie Febi Bilstein, Meyle, Lemförder, SKF, Bosch oder NGK liefern in OEM-Qualität, oft zum halben Preis des Werks-Ersatzteils. Hauptkanäle: freie Werkstätten mit Klassiker-Erfahrung, die über Großhändler wie Stahlgruber bestellen, Online-Teilehändler und daparto.de als Preisvergleich.
Karosserie und Blech: Kotflügel, Schweller, Bodenbleche, Türen, Heckklappen. Hier wird es knifflig. Original-Bleche sind bei vielen Marken seit Jahren nicht mehr lieferbar. Reproduktionen aus Dänemark (Klokkerholm) oder Polen sind oft die einzige Quelle, Qualitäts-Streuung ist real. Für tragende Teile gilt: lieber Original-NOS oder ein Schlachtfahrzeug-Spenderteil als eine schlecht gepresste Reproduktion, die beim Einschweißen Nacharbeit verlangt.
Innenraum und Polster: Sitze, Türverkleidungen, Armaturenbrett-Abdeckungen, Dachhimmel. Selten neu lieferbar, oft Restbestände bei Spezialhändlern oder Schlachter-Inseraten. Für Premium-Marken (Mercedes, Porsche) gibt es spezialisierte Sattler, die Original-Stoffe nachweben oder Leder-Bezüge in Originalstärke nähen.
Elektrik: Zündspulen, Kabelbäume, Steckverbinder, Schalter, Steuergeräte. Eine Bauteil-Spezial-Kategorie, oft das Problem hinter “Auto springt nicht mehr an”. Es gibt spezialisierte Anbieter, etwa Bremi für Zündungs-Komponenten wie Zündspulen und Verteilerkappen.
Zierteile und NOS-Original: Embleme, Zierleisten, Schriftzüge, originale Felgen, Werks-Lackcodes. Das Sammler-Segment. Preise bewegen sich zwischen 30 € (für einen einfachen Schriftzug) und 800 € (für eine originalverpackte BMW-M-Felge der Achtziger). Hauptquellen: eBay, Klubs, Sammler-Sammlungen, Schlachter.
Bezugsquellen im Überblick
Die wichtigsten Kanäle, sortiert nach Preisniveau und Sortimentstiefe.
| Bezugsquelle | Beste für | Preisniveau | Liefer-Verlässlichkeit |
|---|---|---|---|
| Markenarchiv (BMW Classic etc.) | Werks-Original-Wartungsteile, Karosserie Premium | Hoch (Werks-Preis +20–40 %) | Sehr hoch, aber lange Lieferzeit |
| Spezialhändler (Niemöller, Walloth & Nesch) | Wartungsteile und Nachfertigungen für eine Marke | Mittel bis hoch | Sehr hoch, Klassiker-Erfahrung |
| Aftermarket-OEM (Febi, Meyle, Lemförder) | Verschleißteile aller Art | Niedrig bis mittel | Hoch |
| eBay Deutschland und international | NOS, Zierteile, Gebrauchtteile, Schlachter | Stark variabel | Mittel, Verkäufer-Bewertung prüfen |
| Kleinanzeigen | Sehr seltene Teile aus Privat-Sammlung | Niedrig bis mittel | Niedrig, viel Verhandlung |
| Klubs und IGs (Manta-Forum etc.) | Insider-Quellen, Originalteile aus Sammlerhand | Variabel | Sehr hoch im Klub-Kreis |
| Schlachtfahrzeuge (mobile.de) | Innenraum, Elektrik, komplette Baugruppen | Sehr niedrig | Niedrig, oft Selbstausbau |
| Daparto Preisvergleich | Verschleißteile-Preisvergleich Aftermarket | Niedrig | Hoch |
| Internationale Versender (UK, USA) | Britische, amerikanische Klassiker | Mittel | Mittel, Zoll beachten |
Jede dieser Quellen hat ihre Berechtigung. Wer alle Teile nur über das Markenarchiv kauft, zahlt drauf. Wer alle Teile nur bei eBay kauft, baut sich Risiken ein. Die Mischung macht den vernünftigen Klassiker-Halter aus.
Markenarchive: Was die Hersteller selbst noch liefern
Die deutschen Hersteller haben seit den 1990er-Jahren eigene Klassik-Abteilungen aufgebaut, die als Ersatzteil-Quellen oft unterschätzt werden. Hier die Stand-Übersicht 2026.
BMW Classic (München): In den beiden BMW-Classic-Ersatzteilkatalogen für Automobile und Motorräder findest du neu hergestellte oder wiederaufgelegte Originalteile, teils nach den originalen Spezifikationen nachgefertigt. Bestellung über BMW-Händler, BMW-Niederlassungen oder zertifizierte BMW Classic Partner. Für Teile, die nicht im Katalog stehen, gibt es bei BMW Classic ein Anfrageformular.
Mercedes-Benz Classic Center (Fellbach bei Stuttgart): Das Vorbild der Branche. Eigene Werkstatt, eigener Teile-Vertrieb, eigene Restaurations-Abteilung. Versorgt Mercedes-Benz-Klassiker, deren Produktion mindestens 15 Jahre zurückliegt, mit Original-Teilen, in der Online-Teilesuche etwa die Baureihen 198, 113, 107, 123, 124, 126 und 140. Dazu kommen neu aufgelegte Teile für ausgewählte Old- und Youngtimer. Preise sind selten günstig, dafür ist die Qualität werksoriginal. Für seltene Teile (etwa Heckklappe für W124 T-Modell oder Holz-Zierleiste für W126) ist das Classic Center oft die einzige zuverlässige Quelle.
Porsche Classic (Stuttgart): Laut Porsche sind rund 80.000 Teilepositionen für klassische Porsche dauerhaft ab Lager verfügbar. Für 911 luftgekühlt, 928, 944, 968 und Boxster der ersten Generation gut sortiert. Preise im Premium-Segment, dafür mit Werks-Garantie. Direkter Online-Teilefinder über den Porsche-Classic-Partsfinder, Bestellung über Porsche-Vertragspartner.
Volkswagen Classic Parts (Wolfsburg): Rund 60.000 Produkte in Originalqualität für Volkswagen ab 15 Jahren, vom Käfer und Karmann Ghia über Bulli, Golf, Polo, Passat, Scirocco und Corrado bis zu jüngeren Youngtimern wie Golf 5 oder Passat B6. Das Lager steht in Breuna in Nordhessen. Bestellung über VW-Werkstatt oder im VW-Classic-Parts-Shop.
Audi Tradition Parts (Ingolstadt): Eigener Online-Shop für Audi-Klassiker, fokussiert auf Ur-Quattro, 80/90, 100/200 und einige 80er-Modelle. Sortiment kleiner als bei BMW oder Mercedes, aber wachsend. Für seltene Teile ist es trotzdem die erste werks-eigene Adresse, ergänzend bleibt der freie Teilemarkt unverzichtbar.
Opel Classic Parts: Unabhängiger Online-Shop mit Sitz in den Niederlanden, kein Angebot von Opel selbst. Rund 26.000 neue und nachgefertigte Teile für Opel-Modelle der Baujahre 1938 bis 1986, darunter Manta, Ascona, Kadett, Rekord, Senator und Monza. Für Karosserie und Innenraum bleiben Klubs, eBay und tschechische Reproduktions-Hersteller die wichtigere Quelle.
Klassiker-Klubs als geheime Teilebörsen
Wer noch nie auf einem Markenklub-Stammtisch war, unterschätzt die Bedeutung dieser Strukturen für die Teile-Beschaffung. Viele Klubs haben eigene Teilevermittlungen, oft mit Mitgliedsrabatt, manchmal sogar mit eigenen Lagern aus aufgelösten Privat-Sammlungen.
Für den Manta sind die markenspezifischen Opel-Klassiker-Foren und Interessengemeinschaften die wichtigste Anlaufstelle. Hier laufen Teile-Anfragen, die niemand sonst beantworten kann (originaler Verdeck-Dichtgummi, originaler 1.9-Vergaser, Aufkleber-Originale). Bei Mercedes kümmert sich der Mercedes-Benz Veteranen Club von Deutschland um Fahrzeuge bis zum Produktionsende des 300 SL Roadsters 1963. Der Porsche Club Deutschland ist der Dachverband von rund 100 regionalen Porsche Clubs, in denen du Kontakte zu anderen Haltern findest.
Die Beiträge unterscheiden sich je nach Klub. Die Adressen findest du über die Webseiten der Dachverbände oder über die jeweilige Forum-Suche.
Spezialhändler: Die Profis für eine Marke
Neben den Klubs gibt es seit Jahrzehnten etablierte Händler, die sich auf eine Marke spezialisiert haben. Hier eine Auswahl der wichtigsten deutschen Adressen.
Niemöller (Mannheim): Mercedes-Spezialist mit rund 74.000 Artikeln, davon 14.000 ständig ab Lager, für Klassiker vom 170 V (W136) über Ponton, Heckflosse, Pagode und SL bis W123, W124 und W126. Nicht mehr lieferbare Teile lässt Niemöller teils selbst nachfertigen.
Walloth & Nesch (Arnsberg): Spezialist für Ersatzteile klassischer BMW, von 1502 bis 2002 turbo, E9, E3 und E21 über E12, E24 und E28 bis zum E30.
Stahlgruber: Großhändler für Fahrzeugteile, der Werkstätten und Handel beliefert, nicht direkt Privatkunden. Nicht klassiker-spezifisch, aber über deine freie Werkstatt eine Quelle für Aftermarket-Teile.
Spezialhändler kosten in der Regel 20 bis 40 Prozent mehr als ein Aftermarket-Teil aus dem Online-Großhandel, dafür bekommst du Beratung von Leuten, die das Auto kennen. Für tragende Teile (Bremsen, Lenkung, Aufhängung) lohnt sich der Aufpreis. Für Bagatell-Teile (Luftfilter, Zündkerzen) eher nicht.
eBay und Online-Marktplätze: Die Allzweckwaffe für Klassiker-Teile
Für Klassiker ab den 80ern führt kein Weg an eBay vorbei. Der deutsche eBay-Marktplatz hat ein sehr großes Angebot an Auto-Teilen, darunter viele Klassiker-Teile. Wer richtig sucht, findet hier alles vom Schraubenset bis zum NOS-Originalteil.
Drei Suchstrategien, die in der Praxis funktionieren:
Erstens, modell-spezifische Suche mit Bauteilbegriff. “BMW E30 Querlenker-Lager”, “Mercedes W124 Heckscheiben-Dichtung”, “Opel Manta B Heckklappenschloss”. Liefert oft sowohl Reproduktionen als auch NOS-Originale, Preise direkt vergleichbar.
Zweitens, Suche nach Verkäufer-Auflösungen. Wer einen kompletten Klassiker-Nachlass anbietet, hat oft seltene Teile zum Pauschalpreis. Suchbegriffe wie “Klassiker Konvolut”, “Mercedes-Teile Auflösung”, “BMW Werkstattauflösung”.
Drittens, internationale Suche. eBay UK und eBay USA haben Teile, die in Deutschland längst vergriffen sind. Bei britischen Klassikern wie MG, Triumph oder Jaguar oder bei amerikanischen Modellen ist das oft die einzige Quelle. Zoll bei Importen aus den USA beachten (Einfuhrumsatzsteuer 19 Prozent auf Warenwert plus Versand).
Wer regelmäßig auf eBay nach Auto-Teilen sucht, findet die Kategorie Auto- und Motorrad-Teile als Startpunkt am übersichtlichsten (Werbung, Affiliate-Link).
Worauf beim eBay-Kauf zu achten ist:
- Verkäufer-Bewertung mindestens 98 Prozent, mindestens 50 abgegebene Bewertungen.
- Detaillierte Fotos verlangen, bei NOS-Teilen Originalverpackung und Teilenummer-Sticker sichtbar.
- Bei Karosserieteilen Maßzeichnungen oder Vergleichsfotos mit Original abgleichen. Reproduktionen aus Polen haben oft Toleranzen, die beim Einbau Nacharbeit verlangen.
- Versandverpackung explizit ansprechen. Alte Blechteile kommen sonst beulig an.
- Bei höherpreisigen Teilen (Felgen, Sitze, Komplettmotoren) Abholung bevorzugen.
Schlachtfahrzeuge als Teile-Quelle
Eine unterschätzte Quelle, besonders für Innenraum-Teile, Elektrik und komplette Baugruppen: das Schlachtfahrzeug. Wer auf mobile.de oder Kleinanzeigen unter “Bastler” oder “Teileträger” sucht, findet regelmäßig komplette Klassiker zum Preis von 500 bis 2.500 Euro, aus denen sich systematisch ausschlachten lässt.
Rechenbeispiel für einen E34 525i als Teilespender bei 1.500 € Kaufpreis:
| Teil | Marktwert einzeln (gebraucht) |
|---|---|
| Komplettes Armaturenbrett ohne Risse | 250–400 € |
| Innenausstattung Leder (4 Türverkleidungen, Sitze) | 400–700 € |
| Komplettes Heckleuchten-Set | 80–150 € |
| Lenkrad mit Airbag | 150–250 € |
| Klima-Bedieneinheit | 80–120 € |
| Lichtmaschine, Anlasser | 100–180 € |
| Reststoff Karosserie, Auspuff, Motor-Anbauteile | 300–500 € |
| Summe Einzelteile-Wert | 1.360–2.300 € |
Wer den Aufwand für Ausbau und Lagerung nicht scheut, holt mit einem Schlachter laut dieser Beispielrechnung etwa den Kaufpreis bis zum 1,5-Fachen davon als Teile-Wert heraus, sofern sich alle Teile verkaufen lassen. Voraussetzung: eigene Halle mit Hebebühne oder Garage mit Werkbank, plus ein Werkstatt-Helfer für die Demontage. Den Restkadaver darfst du nach der Altfahrzeug-Verordnung nur einer anerkannten Annahmestelle, Rücknahmestelle oder einem anerkannten Demontagebetrieb überlassen, der die Überlassung mit einem Verwertungsnachweis bescheinigt.
Aftermarket-Hersteller mit Klassiker-Sortiment
Eine eigene Welt sind die Aftermarket-Spezialisten, die produzieren, was die Original-Hersteller eingestellt haben. Drei Adressen, die für 80er- und 90er-Klassiker wichtig sind.
Klokkerholm (Dänemark): Reproduziert Karosserie-Bleche für viele europäische Klassiker. Qualität liegt zwischen “gut für die Restauration” und “originalnah”, Streuung gibt es. Vertrieb in Deutschland über Karosserie-Spezialhändler.
Bilstein Classic: Stoßdämpfer für historische Fahrzeuge vieler Marken. BILSTEIN greift dafür auf dokumentierte Dämpfer-Abstimmungen aus den 60er-, 70er- und 80er-Jahren zurück.
Daparto.de: Kein Hersteller, sondern Preisvergleichsplattform für Aftermarket-Teile. Listet Febi Bilstein, Meyle, Lemförder, SKF, Bosch und vergleicht Preise im freien Markt. Sehr hilfreich, um zu prüfen, ob ein Werkstatt-Angebot fair ist.
Versand aus dem Ausland
Für viele Klassiker-Teile ist Deutschland nicht die beste Quelle. Britische Klassiker (MG, Triumph, Jaguar, Aston Martin, frühe Ford) werden in UK noch immer mit vollem Sortiment versorgt. Italienische Klassiker (Alfa, Fiat, Lancia) finden in Italien noch Reproduktionen, die hier längst vergriffen sind. Amerikanische Klassiker (Mustang, Camaro, Corvette) sind in den USA mit komplettem Aftermarket abgedeckt.
Wichtige internationale Adressen:
- Heritage Parts Centre (UK): Volkswagen (Käfer, Bulli, Golf 1 bis 4), Porsche (356 bis 997) und Land Rover. Betreibt auch eigene Shops für Deutschland und die EU.
- Rimmer Bros (UK): Triumph, MG, Land Rover. Eines der größten Sortimente in Europa.
- Moss Motors (USA): Britische Klassiker, US-basiert. Versand teurer, aber Sortiment einzigartig.
Bei Importen aus Nicht-EU-Ländern fallen 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer an, dazu Zoll. Seit 1. Juli 2026 ist die 150-Euro-Zollfreigrenze entfallen: Bei Sendungen bis 150 Euro werden pauschal 3 Euro Zoll je Warenkategorie erhoben, darüber gilt der tarifliche Zollsatz. Bei UK-Importen seit Brexit ebenfalls Einfuhrumsatzsteuer plus gegebenenfalls Zollgebühren. Der Aufwand lohnt sich nur bei wirklich besonderen Teilen oder bei klaren Preisvorteilen über 30 Prozent.
Original vs. Reproduktion vs. NOS vs. Gebraucht
Eine der wichtigsten Entscheidungen bei jedem Klassiker-Teile-Kauf: Welche Variante zu welchem Zweck.
| Variante | Definition | Preisniveau | Wert-Einfluss am Fahrzeug |
|---|---|---|---|
| Werks-Original (aktuell lieferbar) | Heute noch produziert vom Originalhersteller | Hoch | Sehr positiv, Originalitätsgrad bleibt |
| NOS (New Old Stock) | Originalteil, ungebraucht, oft in Originalverpackung | Sehr hoch (Faktor 3–5 gegenüber Reproduktion) | Maximal positiv, Sammler-relevant |
| Gebraucht-Original | Aus Schlachtfahrzeug oder Sammler-Hand | Niedrig bis mittel | Positiv bei gutem Zustand |
| Reproduktion (lizenziert) | Vom Originalhersteller autorisierte Nachfertigung | Mittel | Positiv, Reproduktions-Hinweis im Gutachten |
| Reproduktion (Aftermarket) | Nachfertigung ohne Werks-Lizenz | Niedrig | Neutral bis leicht negativ |
| Aftermarket-OEM-Qualität | Nicht original, aber von Original-Zulieferer | Niedrig | Neutral bei Verschleißteilen, negativ bei Sichtteilen |
Die Faustregel für werthaltige Klassiker (Marktwert über 30.000 Euro): bei sichtbaren Teilen (Karosserie, Innenraum, Felgen, Embleme) Original oder NOS verwenden, bei nicht sichtbaren Verschleißteilen (Bremsen, Lager, Filter) reicht Aftermarket-OEM-Qualität.
Für Future Classics und Daily-Driver-Klassiker (Marktwert unter 15.000 Euro) sieht die Gleichung anders aus: hier ist Aftermarket-Qualität die wirtschaftliche Standard-Wahl, NOS und Werks-Original werden zur Liebhaber-Investition, die sich erst beim Verkauf bezahlt machen kann.
Was du beim Ersatzteil-Kauf grundsätzlich prüfen solltest
Sechs Prüf-Punkte, bevor du das Teil in den Warenkorb legst.
Erstens, Teilenummer abgleichen. Original-Teilenummern stehen in der Werkstatt-Dokumentation oder in den marktüblichen Online-Katalogen (ETKA für VW-Konzern, ETK für BMW, EPC für Mercedes). Wer die Nummer nicht kennt, läuft Gefahr, ein optisch ähnliches Teil zu bekommen, das beim Einbau nicht passt.
Zweitens, Bauzeitraum berücksichtigen. Viele Klassiker hatten innerhalb einer Modellreihe mehrere Versionen. Ein E30-Türgriff von 1985 ist nicht identisch mit einem E30-Türgriff von 1991. Bei der Bestellung Baujahr und Karosserie-Variante (Cabrio, Limousine, Touring) angeben.
Drittens, Materialqualität bei Reproduktionen. Bei tragenden Teilen (Querlenker, Spurstangen, Bremsteile) niemals an Qualität sparen. Bei Sichtteilen Reproduktionen aus dem osteuropäischen Aftermarket nur mit Bedacht und nach Erfahrungs-Berichten im Forum.
Viertens, Garantie und Rückgaberecht. Werks-Original und Spezialhändler-Teile haben in der Regel Garantie. Aftermarket-OEM hat Hersteller-Garantie. eBay-Privatverkäufer bieten keine, Rückgabe nur per Vereinbarung.
Fünftens, Versandverpackung explizit klären. Alte Karosserieteile, Felgen und Verglasungen kommen oft beschädigt an, wenn der Verkäufer keine Verpackungs-Erfahrung hat. Bei höherpreisigen Teilen besser Abholung organisieren.
Sechstens, TÜV-Tauglichkeit prüfen. Bei sicherheitsrelevanten Bauteilen (Felgen, Bremsen, Stoßdämpfer, Aufhängungs-Teile) auf TÜV-Eintrag, ABE oder Teile-Gutachten achten. Reproduktionen ohne Zertifikat können den HU-Termin scheitern lassen.
Was eine Teile-Beschaffungs-Strategie kostet
Drei realistische Budget-Szenarien für ein Restaurations-Projekt.
Daily-Driver-Restauration eines 80er-Klassikers (Marktwert nach Restauration ca. 12.000 €):
- Verschleißteile aus Aftermarket-OEM: 800–1.500 €
- Karosserie-Bleche aus Reproduktion: 1.500–3.500 €
- Innenraum aus Schlachter: 500–1.200 €
- NOS und Sondersuche für Embleme, Zierteile: 200–600 €
- Summe Ersatzteile-Budget: 3.000–6.800 €
Liebhaber-Restauration mit Werks-Original-Anteil (Marktwert nach Restauration 25.000–40.000 €):
- Werks-Original-Verschleißteile aus dem Markenarchiv: 1.500–3.000 €
- Original-Bleche aus Markenarchiv plus Reproduktion gemischt: 3.000–6.000 €
- Innenraum komplett neu (NOS oder Spezialhändler-Nachfertigung): 2.500–5.000 €
- NOS-Original-Zierteile: 800–2.500 €
- Summe Ersatzteile-Budget: 7.800–16.500 €
Concours-Restauration für ein Sammlerstück (Marktwert über 80.000 €):
- Werks-Original-Komplettpaket Verschleiß und Karosserie: 5.000–12.000 €
- Innenraum komplett werksoriginal oder NOS: 5.000–15.000 €
- NOS-Sammler-Originale (Embleme, Felgen, Schriftzüge, originale Werkzeuge): 2.000–8.000 €
- Restaurations-Werkstatt-Aufschlag für Original-Verarbeitung: zusätzlich 30–50 Prozent Lohnkosten
- Summe Ersatzteile-Budget: 12.000–35.000 €
Wer die Budget-Klasse seines Projekts ehrlich einschätzt, vermeidet das häufigste Restaurations-Drama: in der ersten Hälfte Werks-Original kaufen und in der zweiten Hälfte feststellen, dass das Geld nicht reicht.
Haeufige Fragen
Lohnt sich der Aufpreis für Werks-Original-Teile beim normalen Klassiker? +
Wie erkenne ich seriöse Verkäufer auf eBay? +
Was sind NOS-Teile und wann lohnt sich der Aufpreis? +
Kann ich Original-Teile vom Hersteller über die normale Werkstatt bestellen? +
Wo finde ich seltene Teile für Manta, Calibra oder Senator? +
Lohnt sich der Import von Teilen aus den USA oder UK? +
Was kostet eine durchschnittliche Klassiker-Restauration nur an Ersatzteilen? +
Quellen
- BMW Classic (Klassik-Sektion)
- Mercedes-Benz Classic Center, Original-Ersatzteile
- Porsche Classic Partsfinder
- Volkswagen Classic Parts
- Audi Tradition Parts
- Opel Classic Parts
- Daparto Preisvergleich Aftermarket
- Klokkerholm Karosserie-Reproduktionen
- Niemöller Mercedes-Spezialist (Mannheim)
- Walloth & Nesch, Ersatzteile für klassische BMW
- Heritage Parts Centre (UK, VW, Porsche, Land Rover)
- Rimmer Bros (UK, britische Klassiker)
- Moss Motors (USA, britische Klassiker)
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