Klassiker-Kauf auf Auktion: Strategie und Praxis

Welches Auktionshaus passt zu welchem Budget, wie hoch die Provisionen wirklich sind, wie Online-Bidding und Saal-Auktion sich unterscheiden und wo Erstkäufer typische Fehler machen.

von Patrick Leiß · Stand: 23. September 2026 · Lesezeit ca. 14 Min
Klassiker auf dem Auktionspodium unter Scheinwerfern

Eine Auktion ist die schnellste Art, einen seltenen Klassiker zu kaufen, und gleichzeitig die mit dem höchsten Risiko, eine Fehlentscheidung zu treffen. Wer im richtigen Augenblick das richtige Auktionshaus für das richtige Auto wählt, kommt schneller zum Ziel als jeder Markthändler. Wer ohne Vorbereitung mitbietet, zahlt zu viel oder kauft ein Auto, das mehr Restauration braucht als geplant. Dieser Ratgeber sortiert die wichtigsten Auktionshäuser im DACH- und US-Raum, erklärt die Provisions-Strukturen, beschreibt die Unterschiede zwischen Online- und Saal-Auktion und gibt eine Pre-Auktions-Checkliste an die Hand.

Auktionshäuser im Vergleich, was zu welchem Budget passt

Die deutschsprachige Klassik-Auktionslandschaft ist überschaubar. Die Oldtimer Galerie Toffen in der Schweiz veranstaltet mehrere Auktionen pro Jahr, 2026 im März und Oktober auf dem eigenen Gelände in Toffen bei Bern, Ende Mai bei der Swiss Classic World in Luzern und im Dezember in Gstaad. Coys bleibt über seine Auktionen in Großbritannien für DACH-Käufer relevant. Dazu kommen mit RM Sotheby’s und Bonhams die internationalen Top-Häuser, die in München, Monaco oder Paris regelmäßig für DACH-Käufer interessante Lose anbieten.

Im US-Markt dominieren drei Player. Bring a Trailer (BaT) gehört seit 2020 zu Hearst und ist ein führender Anbieter reiner Online-Auktionen, 2025 mit 49.486 Auktionen, einer Verkaufsquote von 81 Prozent und über 1,7 Milliarden USD Umsatz. Mecum betreibt die größten Saal-Auktionen der USA mit Indianapolis, Kissimmee und Monterey als Pflichttermine im Klassiker-Kalender. RM Sotheby’s bedient das Top-Segment ab etwa 100.000 USD Hammerpreis mit Concours-Niveau und globaler Reichweite. Hagerty Marketplace ergänzt seit 2022 als zweiter Online-Player. Collecting Cars (UK) hat sich als europäisches BaT-Pendant etabliert und nimmt zunehmend DACH-Lose auf.

Welches Haus für welchen Klassiker passt, lässt sich grob nach Preisklasse sortieren. Bis etwa 25.000 EUR Marktwert lohnt sich eine Saal-Auktion meistens nicht, weil das Provisions-Verhältnis zu schlecht wird. Hier dominieren Privatverkäufe, Klassik-Händler und die Online-Plattformen mit niedrigem Buyer’s Premium. Zwischen 25.000 und 100.000 EUR überschneiden sich beide Welten, der Vergleich beider Vertriebs-Wege lohnt sich. Über 100.000 EUR rechtfertigt die Saal-Auktion ihre höhere Provision durch internationales Publikum und Garantie-Niveau, das einem reinen Online-Vertrieb meist überlegen ist.

Provisions-Strukturen, was Käufer und Verkäufer wirklich zahlen

Das wichtigste Verständnis bei jeder Auktion: Hammerpreis und Endpreis sind nicht das gleiche. Auf den Zuschlag kommt das Buyer’s Premium hinzu, also die Provision, die der Käufer zusätzlich an das Auktionshaus zahlt. Die Höhe variiert deutlich.

Im DACH-Raum sind 10 bis 18 Prozent auf den Hammerpreis üblich, je nach Haus und Preisstaffel. Die Oldtimer Galerie Toffen verlangt 12 Prozent Aufgeld, RM Sotheby’s in München 15 Prozent plus Mehrwertsteuer auf das Aufgeld (auf den Teil über 200.000 EUR 12,5 Prozent). Bei RM Sotheby’s in den USA wird ebenfalls gestaffelt, aber nach unten: 12 Prozent bis 250.000 USD Hammerpreis, 10 Prozent auf den Betrag darüber. Die deutlich günstigste Alternative ist Bring a Trailer mit 5 Prozent Premium, gedeckelt bei 7.500 USD pro Fahrzeug. Ein Hammerpreis von 50.000 USD kostet bei BaT also 2.500 USD Premium, bei RM Sotheby’s in den USA 6.000 USD.

Auch Verkäufer (Einlieferer) zahlen je nach Haus eine Provision. Bring a Trailer verlangt vom Verkäufer bei einem Classic-Inserat eine Gebühr von 99 USD, ohne Erfolgs-Anteil. Wer einen Klassiker zwischen 30.000 und 80.000 EUR verkauft, fährt mit BaT oder Collecting Cars in der Regel günstiger als mit einer Saal-Auktion, weil die Gesamtprovisionen niedriger ausfallen.

Zum Buyer’s Premium kommen in Deutschland je nach Steuerregelung weitere Posten. Bei Differenzbesteuerung nach §25a UStG wird auf die Marge des Auktionshauses Mehrwertsteuer fällig, der Käufer sieht davon einen Bruttobetrag. Bei Regelbesteuerung wird der volle Bruttopreis ausgewiesen und der gewerbliche Käufer kann die Vorsteuer ziehen, der Privatkäufer nicht. Bei grenzüberschreitenden Käufen aus dem EU-Ausland muss auf die innergemeinschaftliche Lieferung geachtet werden, bei Drittland-Käufen kommen Zoll und Einfuhrumsatzsteuer dazu (siehe dazu unser Ratgeber Klassiker importieren aus USA, Schweden, Italien).

Online vs. Saal-Auktion, zwei sehr unterschiedliche Welten

Eine BaT-Auktion und eine Saal-Auktion bei RM Sotheby’s haben außer dem Wort Auktion wenig gemeinsam. Wer beide Welten kennt, kauft strategischer.

Bei einer Online-Auktion läuft der Verkauf über sieben Tage. Die Plattform stellt den Wagen mit Fotos, Verkäufer-Beschreibung und Doku-Scans online. Interessenten registrieren sich, bieten in einem digitalen Bid-Increment-Schema und kommentieren öffentlich. Letzteres ist der entscheidende Vorteil: jeder Bieter sieht die Fragen anderer Käufer und die Verkäufer-Antworten und kann dadurch wesentlich mehr lernen als auf einem privaten Inserat. Klassische Fragen sind nach Rost im Hohlraum, nach kompletter Wartungshistorie, nach Originalitätsstatus von Lack und Innenraum und nach mitfahrenden Zubehör-Teilen. Wer nicht fragt, sieht später nur den finalen Preis und verpasst die wichtigsten Auto-Hintergründe.

Die Bid-Strategie unterscheidet sich auch fundamental. Bei BaT verlängert ein Gebot in den letzten zwei Minuten die Auktion erneut um zwei Minuten (Auto-Extend). Damit ist Last-Minute-Sniping wie bei eBay-Auktionen technisch unmöglich. Wer das höchste Limit hat und es geduldig erreicht, gewinnt am Ende. Das macht das Bieten weniger nervenraubend, aber auch weniger planbar: eine umkämpfte BaT-Auktion endet oft erst nach der planmäßigen Endzeit.

Bei einer Saal-Auktion ist alles physisch und schnell. Der Auktionator ruft das Los auf, der Saal beginnt zu bieten, telefonisches Bieten und Online-Live-Bieten laufen parallel mit. Eine typische Saal-Auktion verkauft 50 bis 150 Lots pro Veranstaltungstag, ein einzelnes Los braucht oft nur ein bis drei Minuten vom Aufruf bis zum Zuschlag. Die Vor-Ort-Besichtigung erfolgt in den ein bis zwei Tagen vor der Auktion, dann geht es Schlag auf Schlag. Wer vor Ort ist, muss sich vorher mit Bieter-Nummer registrieren, einen Liquiditätsnachweis vorlegen und sich an die Saal-Etikette halten (deutliches Heben der Nummer, kein versehentliches Zucken während fremder Lots, klare Reaktion auf Auktionator-Aufforderungen).

Vor der Auktion, die fünf Pflicht-Vorbereitungen

Egal ob Online oder Saal, vor jedem ernsthaften Gebot gehören fünf Schritte zur Pflicht-Vorbereitung. Erstens: Marktwert-Plausibilität prüfen. Die Marktwert-Schätzung des Auktionshauses ist ein Werbe-Schätzwert, nicht eine seriöse Bewertung. Vergleichbare Verkäufe bei classic-trader, classic.com, BaT-Auktionsarchiv oder Hagerty Price Guide geben den realistischen Korridor. Zweitens: Modell-spezifische Schwachstellen verstehen. Jeder Klassiker hat seine Achillesferse, von Hohlräumen beim E30 über Klima-Anlage beim 911 bis hin zu Verdeck-Mechanik beim R107. Eine modellspezifische Kaufberatung mit Schwerpunkt Risiko-Stellen ist Pflicht-Vorbereitung vor jedem Gebot.

Drittens: Pre-Purchase-Inspection beauftragen. Bei Online-Auktionen entweder über Anbieter wie Lemon Squad oder SGS Inspect, bei deutschen Saal-Auktionen über die Vor-Ort-Besichtigung mit einem mitgenommenen Klassik-Spezialisten der Marke. Bei einem 50.000-EUR-Klassiker rechtfertigt eine 500-EUR-Inspection sich vom ersten Lackfehler oder Hohlraum-Befund an. Viertens: Maximales Limit fixieren und schriftlich festhalten. Das ist die simpelste Regel und gleichzeitig die mit der höchsten Wirkung. Wer im Auktionsfieber sein vorab festgelegtes Limit überschreitet, zahlt schnell deutlich mehr als geplant. Das harte Stop-Wort vor der Auktion oder vor dem ersten Gebot ist Pflicht. Fünftens: Logistik vorab planen. Bei DACH-Käufen ist das oft trivial, bei US-Käufen plant man Spediteur, Zollagent und Hafenwahl deutlich vor dem Hammer-Fall. Sonst entsteht eine teure Lücke zwischen Zuschlag, Zahlung und Inbesitznahme.

Pre-Purchase-Inspection bei US-Online-Auktionen

Bei BaT, Hagerty Marketplace oder Collecting Cars ist die PPI das wichtigste Risiko-Management-Werkzeug. Ein etablierter Anbieter ist Lemon Squad mit standardisierten Inspections für 220 USD (Standard) bis 330 USD (Classic für Autos ab 20 Jahren), der Classic-Bericht enthält über 40 Fotos, eine Probefahrt und einen Schwerpunkt auf Rost und Reparaturspuren. Ein lokaler Klassik-Spezialist (oft über Marken-Foren oder Clubs zu finden) ist oft teurer, aber gründlicher, weil ein Marken-Experte die spezifischen Hohlraum-Stellen, die zeitgenössischen Schwachstellen und die nachträglichen Modifikationen wesentlich präziser einordnen kann als ein Generalist.

Plane einige Tage zwischen Beauftragung und Bericht ein, da Termine vom Verkäufer und vom Inspektor abhängen. Eine Auktion wird für deine Inspektion nicht verlängert, also rechtzeitig beauftragen. Auch wichtig: der Bericht ist eine Momentaufnahme, kein vollständiges Gutachten. Auch ein guter PPI-Bericht ersetzt nicht das eigene Marken-Verständnis, sondern liefert dir die Datenbasis für die finale Entscheidung.

Bezahlung und Logistik nach dem Zuschlag

Der Ablauf nach dem Zuschlag folgt den Bedingungen des jeweiligen Hauses. Die Zahlungsfristen sind kurz und je nach Haus verschieden: Die Oldtimer Galerie Toffen verlangt die Bezahlung innert 3 Tagen ab Auktionstag, RM Sotheby’s bei der Monterey-Auktion die Vollzahlung bis 17 Uhr am nächsten Werktag. Wer nicht zahlt, verliert die Anzahlung und wird in der Regel von zukünftigen Auktionen ausgeschlossen, bei größeren Beträgen auch rechtlich verfolgt. Plane die Zahlung also vor dem Gebot mit deiner Bank ab, gerade bei höheren Beträgen können tägliche Limits oder Compliance-Prüfungen Verzögerungen verursachen.

Bei US-Auktionen mit Transport nach Europa entsteht eine komplexere Logistik-Kette. Nach Vollzahlung organisiert entweder der Käufer selbst (üblich bei privaten Käufern, billiger) oder das Auktionshaus (teurer, aber bequemer) den Transport zum nächsten US-Hafen. Spezialisierte Spediteure und Importeure wie CFR Rinkens (Long Beach), Hansa Meyer Global, Pangaea Cargo oder art-classic-cars stellen Container, kümmern sich um das US-Export-Document und buchen die Container-Schifffahrt. Plane zwei bis drei Wochen US-Inland, fünf bis sechs Wochen Atlantik-Überquerung und ein bis zwei Wochen deutsche Zollabwicklung ein. Insgesamt acht bis zwölf Wochen von Hammerfall bis Übergabe in Deutschland sind realistisch.

Bei der deutschen Zollabwicklung ist die Zollposition 9705 (Sammlerstücke) gegenüber 8703 (normale Pkw) der finanzielle Schlüssel: 0 Prozent Zoll plus 7 Prozent EUSt statt 10 Prozent Zoll plus 19 Prozent EUSt. Bei einem 30.000-EUR-Klassiker (ohne Transportkosten gerechnet) spart das rund 7.200 EUR: 3.000 EUR Zoll plus 6.270 EUR EUSt gegenüber 2.100 EUR EUSt. Voraussetzung ist laut ADAC, dass das Fahrzeug mindestens 30 Jahre alt ist, sich im Originalzustand ohne wesentliche Änderungen befindet und das Modell nicht mehr hergestellt wird; das Fahrzeug muss bei der Zollanmeldung als Sammlungsstück angemeldet werden, das Hauptzollamt entscheidet. Erfahrene Importeure wie Berlin Motors oder art-classic-cars übernehmen die Abwicklung. Detaillierte Kosten-Beispiele für drei reale Fälle (Mustang Fox-Body, Volvo 1800ES, Alfa Spider) stehen im verlinkten Import-Ratgeber.

Wann eine Auktion sich nicht lohnt

Trotz aller Vorteile gibt es Situationen, in denen die Auktion nicht der richtige Vertriebs-Weg ist. Erstens: bei einem überhitzten Trend-Markt. Wenn ein Modell gerade einen Hype durchläuft , können Auktionspreise über dem liegen, was ein geduldiger Privatkauf kostet. Zweitens: bei sehr modellspezifischen Anforderungen, etwa der Wunsch nach genau einer Farbkombination, einem bestimmten Optionen-Paket oder einer dokumentierten Provenienz. Hier ist die direkte Suche bei Marken-Spezialisten und Clubs effizienter. Drittens: bei rein investorischen Käufen ohne emotionale Bindung. Ein BaT-Hochgebot ist öffentlich dokumentiert und macht den späteren Privatverkauf schwerer, weil jeder Käufer den damaligen Preis im Archiv findet.

Viertens: bei sehr kleinem Budget unter etwa 15.000 EUR. Hier reicht die Provision allein oft, um die Auktion gegenüber Privatkauf oder Klassik-Händler unattraktiv zu machen. Fünftens: bei reiner Restaurationsabsicht. Wer einen klassischen Wagen sucht, um ihn komplett zu restaurieren, fährt mit Foren, Marken-Clubs und Restaurations-Schrotthändlern oft besser, weil dort die Preise pro Substanz fairer sind. Auktions-Klassiker sind in der Regel nicht für Total-Restauration gepriced.

Drei Pre-Auktions-Checkfragen für den finalen Entscheid

Vor dem ersten ernsthaften Gebot sind drei Fragen zu beantworten. Erstens: kenne ich den wahren Marktwert des Modells in diesem Zustand, und liegt mein Maximalgebot innerhalb von 10 Prozent dieses Marktwerts? Wenn nicht, ist die Recherche-Phase nicht abgeschlossen. Zweitens: ist eine Pre-Purchase-Inspection durchgeführt oder beauftragt, und passt der Inhalt zu den Verkäufer-Behauptungen? Wenn die PPI Diskrepanzen zur Verkäufer-Beschreibung aufdeckt, ist das Gebot zwingend nach unten anzupassen oder ganz zurückzuziehen. Drittens: ist die komplette Folge-Logistik (Zahlung, Transport, Zollabwicklung, Versicherung, Zulassung) durchgeplant und im Budget? Wenn eine dieser Komponenten fehlt, fehlt am Ende auch das Geld.

Wer diese drei Fragen mit ja beantworten kann, bietet vorbereitet und mit guter Chance auf einen fairen Klassiker-Kauf. Wer eine der drei mit nein oder noch nicht beantwortet, sollte das Gebot zurückstellen. Eine Auktion kommt wieder, ein Fehlkauf bleibt.

Haeufige Fragen

Welche Auktionshäuser sind für Klassiker im DACH-Raum relevant? +
Eine feste Größe im deutschsprachigen Raum ist die Oldtimer Galerie Toffen in der Schweiz, die mehrere Auktionen pro Jahr veranstaltet, 2026 etwa in Toffen, bei der Swiss Classic World in Luzern und in Gstaad. Coys ist über seine Auktionen in Großbritannien für DACH-Käufer relevant. Dazu kommen mit Bonhams und RM Sotheby's die internationalen Top-Häuser, die regelmäßig in Monaco, München, Paris oder London für DACH-Käufer interessante Lose anbieten. Für günstigere Klassiker unter etwa 25.000 EUR sind die Saal-Auktionen meist zu teuer im Provisions-Verhältnis; hier dominieren Online-Plattformen wie Bring a Trailer (USA) und Collecting Cars (UK-DACH).
Wie hoch ist das Buyer's Premium und was muss ich draufrechnen? +
Das Buyer's Premium ist der Provisions-Aufschlag, den der Käufer zusätzlich zum Hammerpreis zahlt. Im DACH-Raum sind 10 bis 18 Prozent üblich, je nach Haus und Preisstaffel. Bei RM Sotheby's in den USA sind es 12 Prozent bis 250.000 USD Hammerpreis und 10 Prozent auf den Betrag darüber, bei der Münchner RM-Auktion 15 Prozent plus Mehrwertsteuer auf das Aufgeld. Bring a Trailer ist mit 5 Prozent und einem Deckel von 7.500 USD pro Fahrzeug die mit Abstand günstigste etablierte Plattform. Wichtig: je nach Haus und Steuerregelung kommt Mehrwertsteuer auf das Premium hinzu, plus eventuell Importabgaben bei grenzüberschreitenden Käufen. Aus einem Hammerpreis von 30.000 EUR werden so bei 12 Prozent Aufgeld 33.600 EUR, bei 15 Prozent Aufgeld plus 19 Prozent MwSt darauf 35.355 EUR.
Was passiert wenn ich Höchstbieter bin aber die Reserve nicht erreicht wurde? +
Bei einem Reserve-Lot bedeutet das, dass der Verkäufer eine versteckte Mindestschwelle gesetzt hat. Bleibt dein Höchstgebot darunter, kommt zunächst kein Vertrag zustande. Das Haus tritt in der Regel danach in die Nachverhandlung: dein Gebot wird dem Verkäufer mitgeteilt und entweder akzeptiert (dann läuft die Auktion als ob die Reserve erreicht wäre), abgelehnt oder mit einem Gegenvorschlag versehen. Bei No-Reserve-Lots gibt es diese Schwelle nicht und das höchste Gebot bekommt unabhängig vom Preis den Zuschlag. Bei BaT laufen viele Auktionen no-reserve, bei Saal-Auktionen wie RM Sotheby's sind Lose mit Mindestpreis verbreitet. Plane bei einem Reserve-Lot Geduld für die Nachverhandlung ein, mehrere Werktage sind üblich.
Soll ich besser bei Bring a Trailer oder bei einer Saal-Auktion bieten? +
BaT eignet sich besonders gut für US-Marken-Klassiker, japanische Modelle und europäische Modelle, die im US-Markt als reine Sammlerstücke gelten. Die transparenten Comment-Threads (jeder Bieter kann den Verkäufer öffentlich befragen) und das niedrige Buyer's Premium machen den Preis fair für beide Seiten. Saal-Auktionen wie RM Sotheby's Monaco oder München sind die richtige Anlaufstelle für seltene europäische Halo-Modelle (911 RS, Ferrari 250, Mercedes 300 SL), bei denen die Concours-Provenienz und die Saal-Atmosphäre höhere Preise rechtfertigen. Faustregel: unter 50.000 EUR Marktwert ist BaT meist günstiger, über 100.000 EUR rechtfertigt die Saal-Auktion ihre höhere Provision durch internationales Publikum und Garantie-Niveau. Im Bereich dazwischen lohnt der Vergleich beider Vertriebs-Wege.
Wie funktioniert die Pre-Purchase-Inspection bei einer US-Auktion? +
Bei US-Online-Auktionen kannst und solltest du vor deinem Höchstgebot eine PPI beauftragen. Etablierte Anbieter sind Lemon Squad (220 USD Standard, 330 USD Classic) oder ein lokaler Klassik-Spezialist (Marken-Erfahrung prüfen). Der Inspektor besucht den Verkäufer, fotografiert das Auto (bei Lemon Squad Classic über 40 Fotos), fährt es Probe und bewertet Rost, Reparaturspuren, Technik und Innenraum. Plane die Beauftragung rechtzeitig vor Auktionsende ein. Wer ohne PPI bei einem 50.000-USD-Klassiker mitbietet, riskiert Tausende an Restaurationskosten, die im Auktionstext nicht erwähnt waren. Verkäufer-Statements wie no rust oder fully restored sind Marketing, nicht garantierter Zustand.
Wie lange dauert der Transport von einer US-Auktion bis nach Deutschland? +
Bei klassischen Container-Transporten (40-Fuß-Container, ein bis zwei Fahrzeuge) sind acht bis zwölf Wochen typisch: zwei bis drei Wochen Inland-Transport in den US-Hafen, fünf bis sechs Wochen Atlantik-Überquerung plus deutsche Zollabwicklung, ein bis zwei Wochen Endverteilung. RoRo (Roll-on/Roll-off) ist meist eine Woche schneller, aber Sammlerwagen werden selten ohne Container transportiert wegen Diebstahl- und Wetterrisiko. Spezialisierte Spediteure wie CFR Rinkens, Hansa Meyer Global oder Pangaea Cargo bieten 9705-Sammlerstück-Zollabwicklung (0 Prozent Zoll plus 7 Prozent Einfuhrumsatzsteuer statt 10 plus 19 Prozent für moderne Pkw). Plane für die komplette Übernahme von Hammerfall bis deutsche Zulassung 14 bis 18 Wochen ein. Details und Kostenbeispiele stehen in unserem Ratgeber [Klassiker importieren aus USA, Schweden, Italien](https://chromradar.de/ratgeber/klassiker-importieren-usa-schweden-italien).
Kann ich einen Auktions-Kauf rückgängig machen wenn das Auto nicht stimmt? +
In der Regel nein, das ist der größte rechtliche Unterschied zur normalen Klassiker-Kaufabwicklung. Auktionen schließen die gewährleistungsrechtlichen Ansprüche nach §437 BGB überwiegend aus. Der Käufer kauft as is, also im besichtigten Zustand. Ausnahmen gibt es bei nachweisbar arglistiger Täuschung (zum Beispiel zurückgedrehter Tacho, gefälschte Papiere, versteckte Unfallschäden), aber der Nachweis ist mühsam und langwierig. Bei US-Online-Auktionen kommt erschwerend hinzu, dass der Gerichtsstand oft USA ist und eine deutsche Klage praktisch chancenlos bleibt. Konsequenz: die Pre-Purchase-Inspection und die Auswertung der Comment-Threads vor dem Gebot sind die einzige sinnvolle Absicherung. Wer die Inspection auslässt und im Nachgang feststellt, dass der Wagen mehr Restauration als gedacht braucht, kann das wirtschaftlich oft nur durch eigene Reparatur korrigieren.
Was sind die häufigsten Fehler bei Erstkäufern auf Auktionen? +
Erstens: das Maximalgebot wird im Auktionsfieber überschritten. Das Vorab-Limit auf einem Zettel und das harte Stop-Wort vor der Auktion sind Pflicht. Zweitens: das Buyer's Premium wird bei der Budgetplanung vergessen, der echte Endpreis liegt je nach Haus 5 bis 15 Prozent und mehr über dem Hammerpreis, zuzüglich eventueller Steuern. Drittens: die Verkäufer-Beschreibung wird unkritisch gelesen, jede Aussage muss durch eigene Recherche oder eine PPI verifiziert werden. Viertens: die Transport- und Zollkosten bei US-Auktionen werden unterschätzt, sie hängen von Spediteur, Route und Fahrzeug ab und kommen zu den Importabgaben hinzu. Fünftens: die Einzelgenehmigung nach §21 StVZO nach US-Import wird vergessen, die in Deutschland zusätzliche Kosten und Termine bei TÜV oder DEKRA verursacht. Sechstens: das Auto wird ohne Kenntnis der typischen Schwachstellen des Modells gekauft. Für gängige Klassiker gibt es Kaufberatungs-Pillars im Web mit den modell-spezifischen Risiko-Stellen, diese vor dem Bieten zu lesen ist Pflicht.

Quellen

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