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Klassiker im Wert-Check
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VW Scirocco vs Corrado, die Design-Ikone gegen den Technik-Nachfolger

Zwei VW-Coupés, eine Linie: Der Scirocco war ab 1974 der erste bezahlbare Volks-Sportwagen, gezeichnet von Giugiaro und gebaut bei Karmann. Der Corrado löste ihn 1988 ab, mit Golf-II-Technik, G-Lader, VR6 und automatischem Heckspoiler. Wir vergleichen Marktwerte, Charakter und Sammler-Logik des leichten Klassikers gegen den überkonstruierten Nachfolger.

von Patrick Leiß · Stand: 16. Juni 2026 · Lesezeit ca. 15 Min
Volkswagen
VW Scirocco I
Mk1 · 1974–1981 · Giugiaro-Design
Note 2: 15.000 EUR · Trend 3 Jahre: +17%
Volkswagen
VW Corrado VR6
2.9L Sechszylinder · 1991–1995
Note 2: 18.000 EUR · Trend 3 Jahre: +21%

Marktwert direkt verglichen

Zustand VW Scirocco I VW Corrado VR6 Differenz
Note 1 22.000 EUR 26.000 EUR -4.000 EUR
Note 2 15.000 EUR 18.000 EUR -3.000 EUR
Note 3 10.500 EUR 12.000 EUR -1.500 EUR
Note 4 6.500 EUR 7.000 EUR -500 EUR
Note 5 2.500 EUR 2.800 EUR -300 EUR

Marktwerte aus dem Chromradar-Index, Stand 16. Juni 2026. Differenz = Wert VW Scirocco I minus Wert VW Corrado VR6.

Kaum ein Duell erzählt die Geschichte der sportlichen VW-Coupés so direkt wie dieses: Der VW Scirocco eröffnete 1974 das Genre als erster bezahlbarer Volks-Sportwagen, der VW Corrado sollte ihn ab 1988 ablösen und tat das mit einem ganz anderen Ansatz. Der eine ist die leichte, zeitlose Design-Ikone aus der Feder von Giorgetto Giugiaro, der andere das überkonstruierte Hochtechnik-Coupé auf Golf-II-Basis, mit G-Lader, VR6 und automatischem Heckspoiler. Form gegen Technik, Leichtbau gegen Leistung. Wir klären mit aktuellen Marktdaten, welches der beiden Wolfsburger Coupés zu welchem Käufer passt.

Kurzfazit

Der Scirocco I ist die leichte Design-Ikone: 15.000 EUR in Note 2, +17 % über drei Jahre, ein von Giugiaro gezeichnetes Coupé mit gut 800 Kilogramm und der einfachen, robusten Technik des ersten Golf. Wer ihn kauft, kauft den Ursprung der Geschichte und reine Form, muss aber mit Rost und einer schwierigen Ersatzteillage leben. Der Corrado VR6 ist der technische Nachfolger: 18.000 EUR in Note 2, +21 % Trend, mit 190-PS-Sechszylinder, Golf-II-Plattform, ABS und elektronischer Differenzialsperre, dazu eine verzinkte und damit rostarme Karosserie. Die Faustregel: Wer Design, Leichtbau und das günstigere Original sucht, nimmt den Scirocco I. Wer Leistung, Alltagstauglichkeit und das stärkere Wert-Momentum will, nimmt den Corrado, idealerweise als VR6. Bei beiden zählt Originalität mehr als alles andere, denn beide waren in den wilden Jahren beliebte Tuning-Opfer.

Die beiden Modelle im Profil

VW Scirocco I (1974 bis 1981)

Der Scirocco war VWs erster Sportwagen und ein Meilenstein des Baukastenprinzips. Während der Arbeiten am Golf kam Italdesign-Chef Giorgetto Giugiaro auf die Idee eines 2+2-Coupés, das auf der Limousine aufbaut. Karmann in Osnabrück übernahm Konstruktion und Fertigung unter dem Projektnamen EA 398, alle wichtigen Komponenten stammten vom vier Monate später startenden Golf. Der Scirocco kam im Frühjahr 1974 auf den Markt, mit der niedrigen Gürtellinie, der scharfkantigen Keilform und dem knackigen Heck mit Bürzelspoiler. Das Einstiegsmodell mit 50 PS kostete 9.995 D-Mark, das Spitzenmodell TS mit 85 PS rund 11.745 D-Mark, ab 1976 kam der GTI mit 1,6 Litern und 110 PS. Mit etwas mehr als 800 Kilogramm ist er ein Leichtgewicht. Laut AUTO ZEITUNG liefen von der ersten Generation bis 1981 genau 504.153 Stück vom Band, von denen heute nur noch rund 1.000 in Deutschland zugelassen sind. Danach folgte der bis 1992 gebaute Scirocco II.

VW Corrado VR6 (1991 bis 1995)

Der Corrado trat 1988 an und war als Ablösung des Scirocco gedacht, geriet aber deutlich teurer als geplant. Laut auto motor und sport kostete der erste G60 rund 42.500 D-Mark, etwa 10.000 D-Mark mehr als der teuerste Scirocco, weshalb VW beide Coupés eine Zeit lang parallel anbot. Technisch war der unter den Codenamen Hurrikan und Taifun entwickelte Corrado moderner: Er stand auf der Golf-II-Plattform, hatte mehr Radstand, größere Bremsen, eine Servolenkung und ABS, dazu einen Heckspoiler, der bei 120 km/h aus- und bei 40 km/h wieder einfuhr. Mit einem cw-Wert von 0,32 unterbot er sogar den Porsche 924S. Den Anfang machte der G60 mit mechanischem Spirallader und 160 PS, im Herbst 1991 kam der VR6: ein schmal bauender Sechszylinder mit 15 Grad Bankwinkel, 2,9 Litern und 190 PS, der den Corrado über 240 km/h treibt. Von den rund 41.000 in Deutschland verkauften Corrado fahren heute noch etwa 15.000, etwas mehr als die Hälfte davon als G60.

AspektVW Scirocco IVW Corrado VR6
Bauzeit1974–19811991–1995 (Corrado ab 1988)
PlattformGolf IGolf II
DesignGiugiaro / ItaldesignHerbert Schäfer / VW
Gewichtab rund 775 kgrund 1.200 kg
TopmotorGTI 1.6, 110 PSVR6 2.9, 190 PS
Charakterleichte Design-Ikoneüberkonstruierter Technik-Nachfolger
Rostvorsorgeschwach (Scirosto)gut (verzinkte Bleche)
H-Kennzeichenkomplett im H-Statusrollt 2021 bis 2025 ins H-Fenster

Innerhalb beider Baureihen lohnt der Blick auf die Varianten, die jeweils eine eigene Charakterstufe markieren:

ModellMotorLeistungEinordnung
Scirocco I 1.1 / 1.5Vierzylinder Sauger50–85 PSleichter Einstieg, TS als frühes Spitzenmodell
Scirocco I GTI1.6 Einspritzer110 PSsportliche Spitze der ersten Generation, selten
Scirocco II 16V1.8 16Vbis 139 PSSport-Variante der zweiten Generation
Corrado G601.8 G-Lader160 PSKompressor-Klassiker, hoher Pflegebedarf
Corrado 2.0 16V2.0 16V136 PSsolider Mittelweg
Corrado VR62.9 Sechszylinder190 PSsouveränes Topmodell, gesucht

Marktwert und Wertentwicklung

Im Chromradar-Index (Stand Juni 2026) stehen sich der Scirocco I und der Corrado VR6 so gegenüber:

ZustandsnoteVW Scirocco IVW Corrado VR6Corrado-Aufpreis
Note 1 (Concours)22.000 €26.000 €+18 %
Note 2 (gut)15.000 €18.000 €+20 %
Note 3 (gebraucht)10.500 €12.000 €+14 %
Note 4 (verbraucht)6.500 €7.000 €+8 %
Note 5 (Projekt)2.500 €2.800 €+12 %

Der Corrado VR6 liegt durchgängig rund 8 bis 20 Prozent über dem Scirocco I, der Aufpreis ist also moderat und folgt der stärkeren Technik. Die externen Quellen stützen das Bild. Beim Corrado zeigt Classic Trader aktuelle Händler-Inserate von rund 12.900 EUR für einen gelaufenen G60 bis 19.490 EUR für einen VR6, gute und originale Exemplare sind wegen der geringen Restbestände gesucht. Die VR6-Notierungen in Note 2 bewegen sich im Bereich von etwa 16.000 bis 19.000 EUR, womit unser Wert von 18.000 EUR im oberen, aber realistischen Drittel liegt. Beim Scirocco I ist der Markt dünn: Sehr gute, originale und unverbastelte Exemplare sind selten und entsprechend gesucht, einfache Projekte und verbastelte GTI gibt es dagegen schon im niedrigen vierstelligen Bereich.

Bei den Trends hat der Corrado die Nase vorn: +21 % über drei Jahre gegen +17 % beim Scirocco I. Beide profitieren davon, dass eine ganze Käufergeneration die VW-Coupés ihrer Jugend nachfragt. Wie tief diese Modelle im deutschen Klassikermarkt verankert sind, zeigt der Hiscox Pocket Price Guide: Der VW Golf ist mit rund 108.700 Exemplaren der häufigste Oldtimer Deutschlands, und der Deutsche Oldtimer-Index notierte zuletzt bei 2.985 Punkten, 1,85 Prozent über dem Vorjahr. Die seltenen Coupé-Ableger Scirocco und Corrado spielen in einer eigenen, kleineren Liga, profitieren aber vom stabilen VW-Klassikermarkt drumherum.

Form gegen Technik

Der wichtigste inhaltliche Unterschied ist der Sprung von der Form zur Technik. Der Scirocco I ist die Design-Ikone: ein leichtes, klares Coupé, dessen Reiz im Weglassen liegt. Giugiaros Entwurf mit Keilform, kantigem Bug und stumpfem Heck wirkt bis heute funktional und zeitlos, und mit gut 800 Kilogramm fährt sich der Wagen agil und direkt. Laut AUTO BILD ist der erste Volks-Sportwagen von Haus aus viel zu schön, um ihn zu verschlimmbessern, ein Plädoyer für den Originalzustand.

Der Corrado ist der Ingenieur-Gegenentwurf. Er setzt nicht auf Leichtbau, sondern auf Hochtechnik: den mechanischen G-Lader, den schmal bauenden VR6, ABS, eine elektronische Differenzialsperre und den automatischen Heckspoiler. auto motor und sport beschreibt den G60 als willigen Lader-Motor, der über einen weiten Drehzahlbereich kräftig durchzieht, und den VR6 als das souveräne Topmodell mit charakteristischem Sechszylinder-Klang. Der Preis dieser Modernität ist ein höheres Gewicht und ein sachlicheres, weniger skulpturales Auftreten. Der Scirocco gewinnt mit Schönheit und Leichtigkeit, der Corrado mit Kraft und Können.

Echtheit, Schwachstellen und die Varianten

Bei den Schwachstellen trennen sich die Generationen klar. Der Scirocco I hat ein massives Rostproblem, das ihm den Spottnamen Scirosto einbrachte: Schweller, Reserveradmulde, Hinterachsaufnahmen, Endspitzen, hintere Radläufe, Windlauf und Türunterkanten sind die kritischen Zonen. Dazu kommt eine schwierige Ersatzteillage, weil viele Presswerkzeuge in den 90ern verschrottet wurden. Der Corrado ist dank verzinkter Bleche an Türen, Motorhaube und Heckklappe weitgehend rostfest, dafür liegen seine Themen in der Technik: der G-Lader, der schon ohne Tuning oft nach rund 80.000 Kilometern verraucht, die Steuerkette und der Steuerkettenspanner beim VR6, ein gern undichtes Thermostatgehäuse sowie kleinere Ärgernisse wie wackelnde Türgriffe, eine streikende Zentralverriegelung und hakelige Recaro-Tasten. Bei beiden sind tiefergelegte, verbreiterte oder totgetunte Exemplare die eigentliche Gefahr, Originalität ist Trumpf.

An der Spitze trennen sich die Welten. Beim Scirocco ist der GTI mit 110 PS die gesuchte Variante, beim Corrado sind es der G60 und vor allem der VR6. Wie sich die Coupés in die größere VW-Familie einordnen, zeigt der Blick auf die Technik-Spender: Der Scirocco teilte seine Basis mit dem Golf I GTI, dem Urvater aller Hot Hatches, und der VR6-Motor des Corrado fand sich später auch im Golf III VR6. Eine vollständige Übersicht der Varianten und ihrer typischen Schwachstellen liefern unsere Kaufberatungen zum Scirocco und zum Corrado.

Markt, Verfügbarkeit und Versicherung

Die Marktlagen unterscheiden sich im Niveau. Der Scirocco I ist mit nur noch rund 1.000 zugelassenen Exemplaren in Deutschland selten, gute Originale sind gesucht, das Gros der Angebote besteht aus Projekten und verbastelten Autos, die erst zurückgerüstet werden müssen. Der Corrado ist mit etwa 15.000 verbliebenen Exemplaren breiter verfügbar, eine rührige Fan-Gemeinde hilft bei Teilen und Problemen, gute VR6 und G60 sind aber ebenfalls gefragt. Bei beiden gilt: Vor dem Kauf gehört eine Durchsicht oder ein Wertgutachten zum Pflichtprogramm, gerade weil viele Exemplare durch die Tuning-Jahre gegangen sind.

Versicherungsseitig sind beide als gepflegte Klassiker günstig, der H-Status hilft. Der Scirocco I ist längst Oldtimer, der Corrado VR6 rollt gerade ins H-Fenster und wird damit zunehmend attraktiv. Ob H-Kennzeichen oder Youngtimer-Police, den genauen Status klären wir im Ratgeber Youngtimer vs Oldtimer. Unser Klassik-Versicherungs-Vergleich rechnet die Prämie für beide Modelle anbieter-spezifisch durch, die Detail-Unterschiede der Anbieter haben wir im Versicherer-Vergleich aufgeschlüsselt.

Fazit

Scirocco oder Corrado ist eine Frage von Form gegen Technik. Der Scirocco I ist die leichte Design-Ikone: ein von Giugiaro gezeichneter Klassiker mit gut 800 Kilogramm, einfacher Golf-I-Technik und dem Charme des Originals. Er ist mit 15.000 EUR in Note 2 der günstigere Einstieg und sogar das seltenere Auto, verlangt aber Respekt vor Rost und Ersatzteillage. Der Corrado VR6 ist der überkonstruierte Nachfolger: 190 PS, Golf-II-Plattform, ABS, verzinkte Karosserie und das stärkere Wert-Momentum von +21 %. Er kostet rund 20 Prozent mehr und ist das modernere, alltagstauglichere Coupé. Wer Schönheit, Leichtbau und das preiswertere Original sucht, kauft den besten unverbastelten Scirocco I, den das Budget hergibt. Wer Leistung, Ganzjahrestauglichkeit und Sammler-Dynamik will, kauft einen gepflegten Corrado VR6 oder den charaktervollen G60. Falsch macht man mit keinem der beiden etwas, solange das Exemplar ehrlich und original ist.

Empfehlung nach Einsatzzweck

Design-Ikone und leichtes, puristisches Fahrerlebnis
VW Scirocco I

Wer die reine Form und ein leichtes Klassiker-Gefühl sucht, ist beim Scirocco I richtig. Das von Giorgetto Giugiaro gezeichnete Coupé ist mit seiner Keilform, den scharfen Kanten und der niedrigen Gürtellinie bis heute ein zeitloser Entwurf, der laut AUTO BILD viel zu schön ist, um ihn zu verschlimmbessern. Mit etwas mehr als 800 Kilogramm ist er ein echtes Leichtgewicht, das nicht auf Leistung, sondern auf Agilität und Direktheit setzt. Der Corrado ist technisch überlegen, aber auch deutlich schwerer und sachlicher gezeichnet, ein Kraftpaket statt einer Skulptur. Für den Liebhaber von Design, Leichtbau und dem Reiz des Originals ist der Ur-Scirocco die emotionalere Wahl.

Fahrleistung, Alltag und Wintertauglichkeit
VW Corrado VR6

Hier spielt der Corrado seine moderne Technik aus. Auf der Golf-II-Plattform bietet er mehr Radstand, größere Bremsen, eine Servolenkung und ABS, dazu spürbar mehr Platz auf den Rücksitzen. Der VR6 mit 190 PS schiebt den Corrado über 240 km/h und ist laut auto motor und sport mit seiner elektronischen Differenzialsperre sogar wintertauglich, ein vollwertiger Daily Driver, der mit Schnee und Eis zurechtkommt. Der Scirocco I dagegen ist mit 50 bis 110 PS eher spritzig als schnell und durch die schwierige Ersatzteillage als Alltagsauto heikel. Wer ein Coupé sucht, das auch heute noch souverän und ganzjährig mitschwimmt, fährt mit dem Corrado klar entspannter.

Wertentwicklung und Sammler-Momentum
VW Corrado VR6

Beide steigen, doch der Corrado hat den stärkeren Schub: +21 % über drei Jahre gegen +17 % beim Scirocco I. Der Grund ist seine Sonderstellung. Sowohl der G-Lader-Vierzylinder als auch der VR6-Sechszylinder sind technische Solitäre, die es in keinem späteren VW-Coupé mehr gab, was den Corrado laut auto motor und sport höchst sammlungswürdig macht. Bei nur noch rund 15.000 Exemplaren in Deutschland ist gutes, originales Material gesucht, und der VR6 ist die begehrteste Variante. Der Scirocco I ist als Design-Ikone ebenfalls fest etabliert und sogar noch seltener, sein Wertzuwachs verläuft aber ruhiger. Wer auf das frischere Momentum setzt, hat mit einem originalen Corrado VR6 die dynamischere Karte.

Günstiger Einstieg und Charakter-Original
VW Scirocco I

Wer den preiswertesten Weg in diese VW-Coupé-Linie sucht und das Original schätzt, landet beim Scirocco. In Note 2 stehen 15.000 EUR gegen 18.000 EUR beim Corrado VR6, und nach unten wird der Abstand kaum kleiner. Der Scirocco ist zudem der Ursprung der ganzen Geschichte: das erste bezahlbare VW-Sportcoupé, ein leichtes, ehrliches Auto mit Golf-I-Technik, die einfach und gut zu warten ist. Wer kein Hochleistungstriebwerk braucht, sondern den Charme des leichten Keils und einen verträglichen Einstandspreis sucht, bekommt im Scirocco I das günstigere und originellere Auto. Wichtig ist bei beiden nur ein unverbasteltes, originales Exemplar, denn beide waren beliebte Tuning-Opfer.

Haeufige Fragen zum Vergleich

Was unterscheidet VW Scirocco und Corrado grundsätzlich? +
Beide sind sportliche VW-Coupés auf Golf-Basis, stammen aber aus zwei Epochen. Der Scirocco I kam 1974 als erster bezahlbarer Volks-Sportwagen, gezeichnet von Giorgetto Giugiaro und gebaut bei Karmann in Osnabrück, technisch komplett vom ersten Golf abgeleitet und mit gut 800 Kilogramm ein Leichtgewicht. Der Corrado folgte 1988 als überkonstruierter Nachfolger auf der moderneren Golf-II-Plattform, mit mehr Radstand, größeren Bremsen, ABS, einem automatisch ausfahrenden Heckspoiler und Hochleistungsmotoren wie dem G60-Kompressor und dem VR6-Sechszylinder. Der Scirocco ist also die leichte Design-Ikone, der Corrado das technisch aufwendigere, schwerere und schnellere Coupé. Interessant: VW hatte den Corrado eigentlich als Scirocco-Ablösung geplant, doch weil er deutlich teurer wurde, liefen beide eine Zeit lang parallel, der Scirocco II bis 1992. Genau dieser Sprung von der Form zur Technik prägt den Vergleich.
Warum ist der Corrado VR6 teurer als der Scirocco I? +
Im Chromradar-Index stehen in Note 2 rund 18.000 EUR für den Corrado VR6 gegen 15.000 EUR für den Scirocco I, ein Aufschlag von etwa 20 Prozent. Dafür gibt es mehrere Gründe. Erstens die Technik: Der VR6 ist ein 190 PS starker Sechszylinder in einem modernen Coupé, während der Ur-Scirocco mit 50 bis 110 PS deutlich schlichter motorisiert ist. Zweitens die Sonderstellung: Sowohl G-Lader als auch VR6 sind technische Einzelstücke, die VW später nie wiederholte, was den Corrado bei Sammlern aufwertet. Drittens das Momentum: Der Corrado steigt mit +21 % über drei Jahre etwas schneller als der Scirocco mit +17 %. Allerdings ist der Abstand moderat, und der Scirocco I ist als Design-Ikone und mit nur noch rund 1.000 in Deutschland zugelassenen Exemplaren sogar das seltenere Auto. Wer den günstigeren Einstieg sucht, findet ihn beim Scirocco, wer die stärkere Maschine will, beim Corrado.
Wie zuverlässig ist der G-Lader im Corrado G60? +
Der G-Lader ist die größte technische Eigenheit des Corrado G60 und braucht Aufmerksamkeit. Es handelt sich um einen mechanisch angetriebenen Spirallader mit 60 Millimetern Spiralbreite, der dem 1,8-Liter-Motor 160 PS und 225 Nm verschafft. Laut auto motor und sport verraucht der Lader schon ohne Tuning nicht selten nach rund 80.000 Kilometern und wurde so zum gefragten Ersatzteil. Fachleute empfehlen, den Spirallader alle 50.000 bis 70.000 Kilometer überholen oder zumindest prüfen zu lassen und den Antriebsriemen regelmäßig zu erneuern. Besonders heikel sind getunte G60, bei denen über kleinere Riemenscheiben die Laderdrehzahl erhöht wurde, was die Lebensdauer drastisch verkürzt. Mittlerweile gibt es verbesserte Ladereinheiten auf dem Markt. Wer einen G60 kauft, sollte sich den Lader-Service unbedingt nachweisen lassen, denn eine Überholung ist teuer. Der VR6 umgeht dieses Thema, hat dafür aber eigene Schwachstellen an der Steuerkette.
Welche Motoren sind bei Scirocco und Corrado empfehlenswert? +
Beim Scirocco I hängt es vom Anspruch ab. Die Einstiegsmotoren mit 50 und 70 PS sind genügsam und passen zum Leichtgewicht-Charakter, der gesuchte GTI mit 1,6 Litern und 110 PS (ab 1976) ist die sportliche Spitze, aber selten und oft verbastelt. Das alltagstaugliche Spitzenmodell der frühen Jahre ist der TS mit 85 PS. Beim Corrado ist die Auswahl größer: Der G60 mit seinem 160-PS-Kompressor ist der charaktervolle Klassiker mit dem höchsten Pflegebedarf, der 2,0-16V mit 136 PS ein solider Mittelweg und der VR6 mit 190 PS das souveräne Topmodell mit unverwechselbarem Sechszylinder-Klang. Der schlichte Zweiliter-Zweiventiler mit 115 PS ab 1993 war die Grundversorgung, fährt aber immer noch 200 km/h. Für maximale Emotion sind GTI (Scirocco) und VR6 oder G60 (Corrado) die gesuchten Varianten, bei allen gilt: Wartungshistorie und Originalität schlagen den reinen Kilometerstand.
Rosten Scirocco und Corrado? +
Hier trennen sich die Generationen deutlich. Der Scirocco I hat ein massives Rostproblem, das ihm schon in den 80ern den Spottnamen Scirosto einbrachte. Laut AUTO BILD gammelt es praktisch überall: an den Schwellern, in der Reserveradmulde, an den Hinterachsaufnahmen, den Endspitzen, den hinteren Radläufen, am Windlauf unter der Frontscheibe und an den Türunterkanten. Dazu kommt eine schwierige Ersatzteillage, weil viele Presswerkzeuge in den 90ern verschrottet wurden. Der Corrado dagegen ist dank guter Rostvorsorge mit verzinkten Blechen an Türen, Motorhaube und Heckklappe weitgehend gesund, Rost ist laut auto motor und sport kein echtes Thema. Die überlebenden Corrado fassen sich auch nach Jahrzehnten noch fest an, solange sie nicht totgetunt oder tiefergelegt wurden. Beim Scirocco ist also die Karosserie der Knackpunkt, beim Corrado eher die Technik und die Elektrik. Originalität ist bei beiden Trumpf, denn beide waren beliebte Tuning-Opfer.
Haben Scirocco und Corrado ein H-Kennzeichen? +
Der Scirocco I ist mit den Baujahren 1974 bis 1981 längst komplett im H-Status und gilt als waschechter Oldtimer. Der Corrado VR6 lief von 1991 bis 1995, seine Baujahre werden 2021 bis 2025 dreißig Jahre alt, er rollt also gerade vollständig ins H-Fenster, was ihn aktuell besonders interessant macht. Die früheren Corrado G60 von 1988 an sind schon länger H-fähig. Das H-Kennzeichen bringt eine pauschale Kfz-Steuer von 191,73 EUR nach Paragraf 23 StVZO und günstige Versicherungskonditionen, setzt aber einen weitgehend originalen, gepflegten Zustand voraus. Gerade bei diesen beiden Tuning-Lieblingen lohnt sich der Blick auf die Originalität, denn tiefergelegte, verbreiterte oder mit Fremdteilen versehene Autos brauchen vor der H-Abnahme Rückrüstaufwand. Den genauen Unterschied zwischen Oldtimer und Youngtimer schlüsseln wir in einem eigenen Ratgeber auf. Wer früh ein originales Exemplar sichert, fährt es bald oder schon jetzt mit H-Status.
Corrado G60 oder VR6: was ist die bessere Wahl? +
Das hängt vom gewünschten Charakter ab. Der G60 ist der frühe Held mit dem mechanischen G-Lader, einem 160-PS-Kompressor-Vierzylinder, der willig wie ein großer Sauger anpackt und über einen weiten Drehzahlbereich kräftig durchzieht. Sein Reiz ist die technische Eigenheit, sein Preis der hohe Pflegebedarf am Lader (Überholung rund alle 50.000 bis 70.000 Kilometer). Der VR6 ab Herbst 1991 ist das souveränere Auto: 190 PS aus 2,9 Litern, ein schmal bauender Sechszylinder mit 15 Grad Bankwinkel, charakteristischem Klang und über 240 km/h Spitze, dazu eine elektronische Differenzialsperre. Er ist im Marktwert höher und gilt als das begehrtere Topmodell, hat aber mit Steuerketten und Steuerkettenspanner seine eigene Achillesferse. Wer den unverwechselbaren Kompressor-Klassiker und die Geschichte des G-Laders sucht, nimmt den G60, wer das alltagstauglichere, schnellere und wertstärkere Coupé will, den VR6. Beide sind heute eigenständige Sammlerstücke.
Welcher der beiden ist die bessere Alltagswahl? +
Für den modernen Alltag ist der Corrado die klügere Wahl, vor allem als VR6. Er steht auf der Golf-II-Plattform, hat ABS, eine Servolenkung, größere Bremsen, mehr Platz und genug Leistung, um im heutigen Verkehr souverän mitzuschwimmen. Mit elektronischer Differenzialsperre kommt der VR6 laut auto motor und sport sogar mit Schnee und Eis zurecht, taugt also als Ganzjahresauto. Die Karosserie ist dank Verzinkung robust, und die Fan-Gemeinde hilft bei Ersatzteilen. Der Scirocco I dagegen ist als Alltagsauto heikel: Er rostet gern, viele Karosserie- und Zierteile sind kaum noch zu bekommen, und seine Technik ist zwar einfach, aber eben 70er-Jahre-Stand. Er glänzt als leichtes, charmantes Schönwetter-Coupé und Sammlerstück, nicht als Daily Driver. Wer ein klassisches VW-Coupé für jeden Tag und jede Jahreszeit will, nimmt den Corrado, wer ein leichtes Liebhaberstück für die schöne Strecke sucht, den Scirocco.

Quellen

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