Audi Ur-quattro & Sport quattro Kaufberatung 2026
Der Allrad-Pionier der 80er: 10V oder 20V, und worauf es beim Sport quattro ankommt
Der Audi quattro, heute meist Ur-quattro genannt, brachte 1980 den permanenten Allradantrieb in ein sportliches Seriencoupé und prägte mit seinen Rallye-Erfolgen die frühen 80er-Jahre. Diese Kaufberatung deckt die ganze Familie ab: den Ur-quattro mit seinen drei Hauptmotoren (WR, MB und RR) und den laut Audi auf 214 Exemplare limitierten Sport quattro (je nach Quelle bis 224) mit verkürztem Radstand, der für die Homologation in der Rallye-Gruppe B entstand. Im Mittelpunkt stehen Rost an der nur teilweise verzinkten Karosserie, Zahnriemen und Turbolader am Fünfzylinder, die Differenzialsperren und beim Sport quattro die lückenlose Herkunft.
- Modell-Historie und Bauzeitraum
- Karosserie-Varianten im Überblick
- Motorisierungen im Überblick
- Rost-Hotspots, die kritischen Zonen
- Allgemeine Schwachstellen
- H-Kennzeichen-Voraussetzungen
- Unterhaltskosten pro Jahr (Richtwerte)
- Kauf-Checkliste
- Welcher passt zu dir?
- Varianten im Wert-Vergleich
- Bezugsquellen
- Häufige Fragen
Modell-Historie und Bauzeitraum
Den Anstoß gaben Testfahrten in Skandinavien 1977: Danach überzeugte Fahrwerksingenieur Jörg Bensinger Entwicklungsvorstand Ferdinand Piëch, einen Allrad-Prototyp bauen zu lassen; Walter Treser arbeitete als Entwicklungsingenieur maßgeblich mit. Audi stellte den quattro im März 1980 auf dem Genfer Automobilsalon vor; gebaut wurde er im Werk Ingolstadt bis Mai 1991, insgesamt entstanden 11.452 Exemplare. In der Rallye-WM gewann Hannu Mikkola 1981 die Schwedische Rallye als ersten WM-Lauf für den quattro, Michèle Mouton siegte im selben Jahr in San Remo als erste Frau bei einem WM-Lauf. Audi holte 1982 und 1984 den Markentitel, Mikkola wurde 1983 und Stig Blomqvist 1984 Fahrerweltmeister.
Die Karosserie basiert auf dem Audi Coupé (B2), erhielt aber breitere Kotflügel, größere Stoßfänger und Schweller sowie einen größeren Heckspoiler. Unter der Haube saß zunächst der 2,1-l-Fünfzylinder-Turbo WR mit Ladeluftkühlung und 200 PS, abgeleitet vom Motor des Audi 200 5T. Ab August 1987 folgte der 2,2-l-Motor MB, ebenfalls mit 200 PS und wassergekühltem Turbolader; ebenfalls ab August 1987 ersetzte ein Torsen-Mitteldifferenzial das bis dahin von Hand sperrbare Mitteldifferenzial. Ab August 1989 kam der 2,2-l-Fünfzylinder RR mit vier Ventilen je Zylinder, Bosch-Motronic, Katalysator und 220 PS. Bis Mai 1991 entstanden nach einer Aufstellung von Supercar Nostalgia 934 dieser 20V-Modelle; eine Audi-Angabe dazu haben wir nicht gefunden. Daneben gab es für Märkte mit strengeren Abgasvorschriften Varianten wie den WX mit Katalysator und 162 PS.
Der Sport quattro wurde auf der IAA 1983 gezeigt und 1984/85 als Homologationsmodell für die Rallye-Gruppe B gebaut; Audi nennt eine auf 214 Fahrzeuge limitierte Serie, andere Quellen kommen auf bis zu 224. Sein Radstand ist rund 30 cm kürzer als beim Ur-quattro (2.524 mm): Der ADAC nennt 2.224 mm, Audi selbst 2.204 mm. Kotflügel, Dach, Hauben und Schürzen bestehen aus aramidfaserverstärktem Kunststoff, die Heckklappe aus GFK. Der 2,1-l-Fünfzylinder (2.133 cm³) mit Aluminiumblock, vier Ventilen je Zylinder und KKK-K27-Lader leistet 306 PS und 350 Nm. Der Neupreis lag zunächst bei 195.000 DM, ab Januar 1985 bei 203.850 DM. Die Rallye-Ableger S1 und S1 E2 waren reine Wettbewerbsfahrzeuge; Walter Röhrl gewann 1987 mit einem S1 E2 das Bergrennen am Pikes Peak.
Karosserie-Varianten
2,1-l-Fünfzylinder-Turbo mit 200 PS, ab Modelljahr 1983 mit Digitalinstrumenten. Werteleiter rund 45.000–100.000 € (Note 3 bis 1).
2,2-l-Motor mit 200 PS und wassergekühltem Turbolader, Torsen-Mitteldifferenzial. Preislich auf dem Niveau des WR.
2,2-l-Vierventiler mit 220 PS und Katalysator, nur von August 1989 bis Mai 1991 gebaut. Im Markt über den WR/MB-Werten, laut Hiscox Pocket Price Guide 2026 etwa 85.000 € in Note 2.
Laut Audi 214 Exemplare, 306 PS, verkürzter Radstand. Werteleiter rund 370.000–700.000 € (Note 3 bis 1).
Motorisierungen im Überblick
Die wichtigsten Triebwerke der Baureihe. Für motorisierungsspezifische Schwachstellen und Marktwerte siehe die einzelnen Modell-Seiten unten.
2.144 cm³, 285 Nm bei 3.500/min, KKK-K26-Lader mit Ladeluftkühler, Zahnriemen. Den Turbolader nach scharfer Fahrt vor dem Abstellen kurz im Leerlauf laufen lassen.
2.226 cm³, Bauzeit August 1987 bis Juli 1989, wassergekühlter Turbolader. Kein Katalysatormotor; die Kat-Variante dieser Zeit war der WX mit 162 PS.
2.226 cm³, vier Ventile je Zylinder, 309 Nm bei 1.950/min, Bosch-Motronic, KKK-K24-Lader, zwei Katalysatoren. 0–100 km/h in 6,3 s laut Werksangabe. Ersatzkatalysatoren sind teuer, daher prüfen, ob die originalen noch verbaut sind.
2.133 cm³ mit Aluminiumblock, 350 Nm bei 3.700/min, KKK-K27-Lader. Ersatzteile sind sehr selten, Revisionen gehören zu erfahrenen Spezialisten.
Rost-Hotspots, die kritischen Zonen
Rost ist der mit Abstand wichtigste Wertkiller. Diese Stellen vor dem Kauf zwingend prüfen. Der Schwere-Indikator zeigt den Reparatur-Aufwand.
Schweller
KritischTypische Roststelle vor allem bei frühen Fahrzeugen; verzinkte Bleche gab es erst ab 1985.
Radläufe und Kotflügelnähte
KritischRadläufe rosten bei frühen Autos; bei Fahrzeugen ab 1988 zeigen sich Probleme vor allem an den Nähten der vorderen Kotflügel, meist nach Unfallreparaturen.
Heckabschluss / Kofferraumboden
KritischÜbergang vom Heckabschlussblech zum Kofferraumboden und Nähte unter den Rückleuchten prüfen; bei späten Autos auch das Blech mit den Heckklappenscharnieren.
Türunterkanten
MittelRost an den Türunterkanten ist bei frühen Fahrzeugen verbreitet.
Frontscheibenecken
MittelRost in den Scheibenecken kann Wasser bis zum Motorsteuergerät durchlassen.
Kunststoff-Karosserieteile Sport quattro
NiedrigBeim Sport quattro sind Kotflügel, Dach, Hauben und Schürzen aus Aramid-Verbundwerkstoff, die Heckklappe aus GFK. Kein Rost, aber Schäden sind aufwendig zu reparieren.
Allgemeine Schwachstellen
Diese Probleme treten unabhängig von der Motorisierung auf. Motorspezifische Schwachstellen findest du auf den einzelnen Modell-Seiten.
- !Zahnriemen WerkstattDie Fünfzylinder haben einen Zahnriemen (beim 20V RR treibt zusätzlich eine kurze Kette die zweite Nockenwelle an). Isham Research empfiehlt den Wechsel alle 60.000 km (besser 45.000 km) oder spätestens nach fünf Jahren; ohne Nachweis vor der ersten Ausfahrt erneuern.
- !Turbolader (WR-Motor) WerkstattFrühe, nicht wassergekühlte Lader neigen zu Lager- und Dichtungsschäden; typisches Anzeichen ist Rauch durch Öl, das an den Dichtungen vorbeidringt. Spätere Lader (laut Classic & Sports Car ab dem MB) sind wassergekühlt und weniger empfindlich.
- !Digitalinstrumente (ab Modelljahr 1983) WerkstattAlle Anzeigen und Warnleuchten prüfen; auch die Sprachausgabe testen.
- !Differenzialsperren selbst oder WerkstattDie pneumatisch betätigten Sperren können festgehen; Schalter betätigen und Kontrollleuchte prüfen. Gängig machen und schmieren hilft oft.
- !Ladedruck- und Ansaugtrakt selbst oder WerkstattEin defekter Saugrohrdrucksensor und rissige Ladeluftschläuche (10V) führen zu schlechtem Motorlauf.
- !Bremsdruckspeicher und Fahrschemel WerkstattDie Bremskraftunterstützung arbeitet hydraulisch mit Druckspeicher statt mit Unterdruck-Bremskraftverstärker (beim WR laut Isham Research gemeinsam mit der Servolenkung von einer Pumpe versorgt); der Speicher kann ausfallen. Bei hart gefahrenen 20V-Autos auf Risse am hinteren Fahrschemel achten, Ersatz ist teuer.
- !Getriebe und Kupplung WerkstattDas Fünfganggetriebe gilt als robust, aber nicht unverwüstlich: auf rutschende Kupplung und herausspringende Gänge achten.
- !Sport quattro Sonderteile WerkstattMotor, Karosserieteile aus Verbundwerkstoff und viele Anbauteile sind Sport-quattro-spezifisch und kaum zu beschaffen.
H-Kennzeichen, was du wissen musst
Der Ur-quattro wurde von 1980 bis Mai 1991 gebaut, damit haben alle Fahrzeuge die 30-Jahre-Grenze inzwischen erreicht (die ersten 2010, die letzten 2021). Der Sport quattro (Auslieferung 1984/85) ist seit 2014 bzw. 2015 H-fähig.
- ✓ Erstzulassung mindestens 30 Jahre zurück
- ✓ Weitgehend originaler oder zeitgenössisch veränderter Zustand
- ✓ Guter Pflege- und Erhaltungszustand
- ✓ Oldtimer-Gutachten durch einen amtlich anerkannten Prüfer (z. B. TÜV, DEKRA, GTÜ, KÜS)
Unterhaltskosten pro Jahr (Richtwerte)
Richtwerte, keine Einzelbelege: grobe Orientierung für die jährlichen Kosten bei Liebhaber-Nutzung mit wenigen tausend Kilometern. Die tatsächlichen Kosten hängen stark von Zustand, Variante, Werkstatt und Eigenleistung ab. Fest steht nur die Kfz-Steuer mit H-Kennzeichen (pauschal 191,73 € für Pkw).
| Versicherung (Klassik-Tarif) | 480–1.500 € (Sport quattro deutlich höher) |
| Kfz-Steuer | 191,73 € (H-Pauschale) |
| Wartung und Inspektion | 500–1.000 € |
| Verschleißteile (anteilig) | 300–600 € |
| Jährliche Schraubereien | 500–1.200 € |
| Summe pro Jahr (Richtwert) | ca. 2.000–4.500 € pro Jahr (Sport quattro deutlich höher) |
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Kauf-Checkliste
Diese Punkte vor dem Kauf systematisch prüfen. Idealerweise mit einem Klassiker-Sachverständigen oder im Beisein eines erfahrenen Schraubers.
Herkunft und Echtheit (kritisch beim Sport quattro)
- Fahrgestellnummer mit Papieren abgleichen; Ur-quattro tragen den Typcode 85 (z. B. WAUZZZ85Z…)
- Motorkennbuchstaben (WR, MB, RR bzw. KW beim Sport quattro) und Motornummer mit Baujahr und Dokumentation abgleichen
- Sport quattro: rund 30 cm kürzerer Radstand, 2,1-l-Motor mit Aluminiumblock, Karosserieteile aus Aramid-Verbundwerkstoff, laut Classic & Sports Car alle als Linkslenker gebaut
- Lückenlose Besitz- und Servicehistorie, bei Sport quattro unabhängig gegenprüfen lassen
Karosserie
- Schweller, Radläufe, Türunterkanten und Heckabschluss auf Rost prüfen
- Frontscheibenecken prüfen, eindringendes Wasser kann das Steuergerät schädigen
- Auf Unfallschäden achten, besonders an den Nähten der vorderen Kotflügel
- Schichtdickenmessung, um Nachlackierungen und Spachtel zu finden
Fünfzylinder-Motor
- Nachweis über den letzten Zahnriemenwechsel (spätestens alle fünf Jahre)
- Kompressionstest über alle fünf Zylinder
- Im Leerlauf Gas geben: grauer Rauch deutet auf Ventilführungen/-schaftdichtungen, weißer auf Turbolader oder Kopfriss
- Ladeluftschläuche, Saugrohrdrucksensor und Ölkühleranschlüsse prüfen
- Beim 20V: Sind die Katalysatoren noch verbaut?
Antrieb und Fahrwerk
- Differenzialsperren betätigen, Kontrollleuchte muss angehen
- Kupplung auf Rutschen prüfen, Gänge dürfen nicht herausspringen
- Hydraulischen Bremsdruckspeicher prüfen (bei allen Ur-quattro verbaut)
- Bei 20V den hinteren Fahrschemel auf Risse kontrollieren
Innenraum und Elektrik
- Digitalinstrumente (ab Modelljahr 1983): alle Anzeigen und Warnleuchten prüfen
- Sprachausgabe testen
- Sport quattro: Recaro-Sportsitze und Sitzheizung prüfen
Dokumentation
- Scheckheft und Rechnungen, besonders über Zahnriemen, Turbolader und Differenziale
- Erstzulassung und Halterhistorie
- Bei Importen Herkunftsland und Lenkung (Rechtslenker aus Großbritannien) dokumentieren
Welcher passt zu dir?
Entscheidungshilfe nach Käufer-Profil: finde die richtige Motorisierung und Karosserie-Variante für deinen Einsatzzweck.
Audi Sport quattro (Note 2 oder besser)
Laut Audi 214 Exemplare, 306 PS, Karosserieteile aus Aramid-Verbundwerkstoff. Werteleiter rund 520.000 € (Note 2) bis 700.000 € (Note 1). Herkunft unabhängig prüfen lassen.
Audi Ur-quattro 20V (Motor RR, 1989–1991)
220 PS, Vierventiltechnik, Torsen-Mitteldifferenzial, nur von August 1989 bis Mai 1991 gebaut. Liegt über den WR/MB-Werten, laut Hiscox 2026 etwa 85.000 € in Note 2.
Audi Ur-quattro 10V (Motor WR oder MB, 1980–1989)
200 PS, ab Modelljahr 1983 mit Digitalinstrumenten. Werteleiter rund 45.000 € (Note 3) bis 100.000 € (Note 1), Note 2 rund 68.000 €.
Alle Varianten im Wert-Vergleich
Klick auf eine Variante für die detaillierte Marktwert-Analyse und motorisierungs-spezifische Schwachstellen.
| Variante | Motor | Leistung | Verbrauch | Eignung | Wert (Note 2) |
|---|---|---|---|---|---|
| Audi Ur-quattro | 2,1-/2,2-l-Fünfzylinder-Turbo (WR, MB, RR) | 200–220 PS | rund 11 l/100 km (Werksangabe 20V), in der Stadt deutlich mehr | Sammler, Wochenendfahrzeug | rund 68.000 € (20V höher) |
| Audi Sport quattro | 2,1-l-Fünfzylinder-Turbo 20V (KW) | 306 PS | rund 11 l/100 km (Werksangabe Drittelmix) | Sammlerstück | rund 520.000 € |
Bezugsquellen, wo du dieses Modell findest
Vier Wege zum Klassiker, jeweils mit typischer Preislage und Risiko. Welcher passt, hängt von Budget, Zeit und gewünschter Absicherung ab.
Gepflegte Exemplare bei freien Audi- und quattro-Spezialisten mit nachvollziehbarer Historie.
Auf mobile.de, Classic Trader und in der Community; Zahnriemen-Historie, Turbolader, Differenzialsperren und Rost prüfen, beim Sport quattro die lückenlose Herkunft.
Für seltene und dokumentierte Exemplare, vor allem Sport quattro und 20V (z. B. RM Sotheby’s, Iconic Auctioneers).
Teils aus dem Ausland; ohne deutsche Zulassungspapiere eine Vollabnahme nach § 21 StVZO einplanen. Großbritannien war ein wichtiger Markt, dort gibt es viele Rechtslenker.
Häufige Fragen zur Audi-UR-QUATTRO-Reihe
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Zum Marktwert-Check- Wikipedia: Audi quattro
- Wikipedia: Audi Sport quattro
- Audi.com Fotoarchiv: Audi quattro (B2), Genfer Automobilsalon 1980
- Audi.com Fotoarchiv: Audi Sport quattro (B2), Modelljahr 1984
- ADAC Autokatalog: Audi Sport quattro
- ADAC Autokatalog: Audi quattro 2.2 20V
- Classic & Sports Car: Buyer’s guide Audi quattro
- Petrolicious: Audi Quattro Buying Guide
- Hiscox Pocket Price Guide 2026 (PDF)
- Classic Trader: Audi quattro Angebote