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Ford Escort RS Cosworth vs Sierra RS Cosworth, der Allrad-Rallye-Erbe gegen den Tourenwagen-Urvater

Zwei Ford-Legenden mit demselben Cosworth-Herzen: Der Sierra RS Cosworth begründete 1986 die Dynastie und dominierte mit dem RS500 die Tourenwagen-Szene, der Escort RS Cosworth setzte sie 1992 als allradgetriebenes Rallye-Geschoss fort, gebaut auf der Technik des Sierra. Wir vergleichen Marktwerte, Charakter und Sammler-Logik der beiden Cossie-Ikonen.

von Patrick Leiß · Stand: 16. Juni 2026 · Lesezeit ca. 16 Min
Ford
Ford Escort RS Cosworth
227 PS · Allrad · WRC-Homologation · 1992–1996
Note 2: 62.000 EUR · Trend 3 Jahre: +25%
Ford
Ford Sierra RS Cosworth
204 PS · Whaletail / Sapphire · 1986–1992
Note 2: 46.000 EUR · Trend 3 Jahre: +24%

Marktwert direkt verglichen

Zustand Ford Escort RS Cosworth Ford Sierra RS Cosworth Differenz
Note 1 98.000 EUR 70.000 EUR +28.000 EUR
Note 2 62.000 EUR 46.000 EUR +16.000 EUR
Note 3 40.000 EUR 29.000 EUR +11.000 EUR
Note 4 24.000 EUR 16.000 EUR +8.000 EUR
Note 5 10.000 EUR 7.000 EUR +3.000 EUR

Marktwerte aus dem Chromradar-Index, Stand 16. Juni 2026. Differenz = Wert Ford Escort RS Cosworth minus Wert Ford Sierra RS Cosworth.

Kaum ein Duell vereint so viel Ford-Motorsport-Mythos wie dieses: Der Ford Escort RS Cosworth und der Ford Sierra RS Cosworth teilen sich dasselbe legendäre Cosworth-Herz, stehen aber für zwei verschiedene Epochen des Rennsports. Der Sierra begründete 1986 die Dynastie, dominierte als Tourenwagen die Rennstrecken und brachte mit dem RS500 eine der begehrtesten Homologations-Ikonen überhaupt hervor. Der Escort setzte sie 1992 als allradgetriebenes Rallye-Geschoss fort, gebaut auf der Technik genau dieses Sierra. Heckantrieb gegen Allrad, Tourenwagen gegen Rallye, Urvater gegen Nachfolger. Wir klären mit aktuellen Daten, welcher der beiden Cossies zu welchem Käufer passt.

Kurzfazit

Der Escort RS Cosworth ist der allradgetriebene Rallye-Erbe: 62.000 EUR in Note 2, +25 % über drei Jahre, mit permanentem Allrad (34/66), 227 PS und einer Fabelbeschleunigung von 5,7 Sekunden auf 100 km/h. Mit nur 7.145 Exemplaren ist er rar und der Jugendtraum der 90er-Generation. Der Sierra RS Cosworth ist der Tourenwagen-Urvater: 46.000 EUR in Note 2, +24 % Trend, 204 PS, Heckantrieb und der Mythos der Rennstrecke, gekrönt vom sechsstelligen RS500. Die Faustregel: Wer Allrad-Traktion, Rallye-Gene und das höher gehandelte 90er-Sammlerstück sucht, nimmt den Escort. Wer Tourenwagen-Historie, den günstigeren Einstieg und die Aussicht auf das ultimative RS500-Sammlerstück will, nimmt den Sierra. Bei beiden ist das A und O eine wasserdichte Echtheits- und Historienprüfung, denn der Cosworth-Markt ist voller Replicas und getunter Autos.

Die beiden Modelle im Profil

Ford Sierra RS Cosworth (ab 1986)

Der Sierra RS Cosworth begründete 1986 die Cosworth-Legende bei Ford. Sein turbogeladener Zweiliter-Vierzylinder mit 16 Ventilen und rot lackiertem Cosworth-Zylinderkopf leistet 204 PS und beschleunigt den heckgetriebenen Dreitürer laut AUTO BILD auf 240 km/h. Damit spielte er in einer Liga mit dem BMW M3 E30 und dem Mercedes 190 E 2.5-16 Evo II. Sein gigantischer Whale-Tail-Heckflügel ist legendär und sorgt für Abtrieb an der Hinterachse. Nur rund 6.000 der Dreitürer entstanden, dazu kam die alltagstauglichere viertürige Sapphire-Limousine, später auch mit Allrad. Über allem thront der RS500: 1987 baute Tickford genau 500 Stück mit größerem Garrett-Turbo, überarbeitetem Ladeluftkühler und 224 PS, um die Gruppe-A-Homologation zu erfüllen. In dieser Klasse wurde der RS500 zur dominierenden Tourenwagen-Waffe, heute ist er ein sechsstelliges Sammlerstück.

Ford Escort RS Cosworth (1992 bis 1996)

Der Escort RS Cosworth war Fords Antwort auf die Rallye-WM, als der Sierra Cosworth Ende der 80er überholt war. Statt einer Neukonstruktion stülpte Ford laut AUTO BILD die Karosserie des Escort MK V über die technische Basis des Sierra Cosworth, mit einem normalen Escort hat er nur noch das Dach und ein paar Details gemein. Breit ausgestellte Kotflügel, Lufthutzen auf der Haube und der gewaltige Whale-Tail-Doppelflügel (gezeichnet von Frank Stephenson, später Designer des McLaren P1) machen ihn unverkennbar. Sein Cosworth-YBT-Motor leistet in den frühen Modellen bis zu 227 PS, der permanente Allrad mit 34/66-Verteilung und das geringe Gewicht von 1.275 Kilogramm ermöglichen 5,7 Sekunden auf 100 km/h und 232 km/h Spitze. Nur 7.145 Exemplare entstanden bis 1996, von denen die ersten 2.500 bis Mai 1994 als Homologationsmodelle mit dem großen Garrett-Turbo gelten, danach kam mit dem Facelift ein kleinerer, fahrbarerer T25-Lader.

AspektFord Escort RS CosworthFord Sierra RS Cosworth
RolleAllrad-Rallye-NachfolgerTourenwagen-Urvater
Bauzeit1992–1996ab 1986
Antriebpermanenter Allrad (34/66)Heckantrieb (Sapphire auch Allrad)
MotorCosworth YBT, bis 227 PSCosworth YBB, 204 PS
Beschleunigung 0–1005,7 s6,8 s
Stückzahl7.145 (erste 2.500 Homologation)rund 6.000 Dreitürer (plus Sapphire)
Halodas Auto selbst (Rallye-Homologation)RS500 (500 Stück, Gruppe A)
GemeinsamCosworth-2,0-Turbo-16V, Whale-TailCosworth-2,0-Turbo-16V, Whale-Tail

Wie sich die beiden in die größere Cosworth- und RS-Welt einordnen, zeigt diese Übersicht:

ModellAntriebLeistungEinordnung
Sierra RS CosworthHeck (Sapphire 4x4)204 PSTourenwagen-Urvater, günstigster Einstieg
Sierra RS500Heck224 PSGruppe-A-Halo, 500 Stück, sechsstellig
Escort RS CosworthAllrad 34/66bis 227 PSRallye-Nachfolger, das gesuchte 90er-Auto
Escort RS2000Heck110 PSklassische RS-Ikone der 70er, eigene Liga

Marktwert und Wertentwicklung

Im Chromradar-Index (Stand Juni 2026) stehen sich der Escort RS Cosworth und der Sierra RS Cosworth so gegenüber:

ZustandsnoteFord Escort RS CosworthFord Sierra RS CosworthEscort-Aufpreis
Note 1 (Concours)98.000 €70.000 €+40 %
Note 2 (gut)62.000 €46.000 €+35 %
Note 3 (gebraucht)40.000 €29.000 €+38 %
Note 4 (verbraucht)24.000 €16.000 €+50 %
Note 5 (Projekt)10.000 €7.000 €+43 %

Der Escort liegt durchgängig rund 35 bis 50 Prozent über dem Standard-Sierra, der Aufpreis folgt seiner Seltenheit (7.145 Stück), der Allradtechnik und der starken 90er-Nachfrage. Die externen Quellen stützen das hohe Niveau: Beim Escort werden laut AUTO BILD selbst stark modifizierte Modelle für 40.000 bis 60.000 EUR gehandelt, während ein Exemplar im Neuzustand für umgerechnet über 175.000 EUR angeboten wurde. Beim Sierra ist der Preis laut AUTO BILD seit 2012 um knapp 80 Prozent gestiegen, und gute Exemplare verließen das Schnäppchen-Niveau gegenüber einem BMW M3 E30 längst.

Eine eigene Liga ist der RS500: Als auf 500 Stück limitierte Gruppe-A-Homologation ist er das mit Abstand wertvollste Auto dieser Familie, Spitzenexemplare erzielten bei Auktionen mehrere hunderttausend Pfund. Bei den Trends ist es ein Kopf-an-Kopf-Rennen: Escort +25 %, Sierra +24 % über drei Jahre, beide steigen also kräftig. Wie fest diese Autos im Klassikermarkt verankert sind, zeigt der Hiscox Pocket Price Guide: Der Deutsche Oldtimer-Index notierte zuletzt bei 2.985 Punkten, 1,85 Prozent über dem Vorjahr, und gerade die Motorsport-Homologationsautos der 80er und 90er gehören zu den gefragtesten Youngtimern.

Allrad-Rallye gegen Heckantriebs-Tourenwagen

Der wichtigste inhaltliche Unterschied ist der Antrieb und der damit verbundene Motorsport-Auftrag. Der Sierra ist der Tourenwagen: Heckantrieb, 204 PS, ein Turbo, der laut AUTO BILD erst ab etwa 3.000 Touren richtig anschiebt und bei 6.000 Umdrehungen seine volle Kraft entfaltet. Er ist ein rohes, forderndes Fahrerauto, dessen Fahrwerk bei schnellem Spurwechsel ein wenig schwimmt und das Respekt verlangt. Sein RS500 wurde zur dominierenden Waffe der Gruppe A, das ist sein Mythos.

Der Escort ist der Rallye-Allradler. Sein permanenter Allrad mit 34/66-Verteilung bringt die Kraft des Cosworth-Turbos bei jedem Wetter sicher auf die Straße und macht ihn zum souveränen, beherrschbaren Geschoss, das in 5,7 Sekunden auf 100 km/h stürmt. Wo der Sierra mit klassischem Hecktriebler-Charakter und Tourenwagen-Historie punktet, gewinnt der Escort mit Traktion, Allwetter-Tauglichkeit und Rallye-Genen. Genau diese Differenz, Heckantriebs-Purismus gegen Allrad-Sicherheit, prägt bis heute, wer welchen kauft.

Echtheit, Schwachstellen und das Replica-Risiko

Bei diesen Autos ist die Echtheitsprüfung das zentrale Thema. Weil die Cosworth-Modelle hohe Preise erzielen und auf Großserien-Fords basieren, ist der Markt voller nachträglich aufgebauter Replicas und Autos mit zweifelhafter Identität. Nicht jeder als Cosworth angebotene Escort oder Sierra ist echt, die Prüfung läuft über Fahrgestellnummer, originales Cosworth-Build-Sheet und die Register der RS-Owners-Clubs. Wie man Sondermodelle systematisch authentifiziert, zeigt unser Ratgeber Sondermodelle und Echtheit prüfen.

Technisch teilen sich beide die Schwachstellen des Cosworth-YB: Die Garrett-Turbolader sind nach 80.000 bis 120.000 Kilometern ein Verschleißteil, die Zylinderkopfdichtung versagt bei dauerhaftem Tuning über 300 PS, und originale, ungetunte Serienmotoren sind selten und wertvoll. Beim Allrad-Escort kommt die Visko-Kupplung des Ferguson-Verteilergetriebes als Verschleißpunkt hinzu. Rost ist bei beiden ein Thema: beim Sierra an Schlossträger, Innenkotflügeln und rund um den Heckspoiler, beim Escort am Heckabschlussblech, den Schwellern und den breiten Kotflügeln. Dazu kommen brüchige Recaro-Sitze und alternde Elektronik. Originalität, eine rostfreie Karosserie und ein dokumentierter Serienmotor schlagen bei beiden alles andere. Eine vollständige Übersicht der Varianten und Schwachstellen liefern unsere Kaufberatungen zum Escort Cosworth und zum Sierra Cosworth.

Markt, Verfügbarkeit und Versicherung

Beide Cosworths sind selten und gesucht. Vom Sierra RS Cosworth sind laut AUTO BILD nur noch einige Dutzend in Deutschland unterwegs, der Escort ist hierzulande noch dünner gesät. Gute, echte und originale Exemplare sind bei beiden rar und werden entsprechend gehandelt, während getunte oder zweifelhafte Autos zwar günstiger, aber riskant sind. Bei beiden gilt: Vor dem Kauf gehört neben der Echtheitsprüfung eine technische Durchsicht oder ein Wertgutachten zum Pflichtprogramm. Wer die DTM- und Tourenwagen-Rivalen der Ära reizvoll findet, liest unseren Vergleich BMW E30 M3 vs Mercedes 190E 2.3-16, denn in genau dieser Liga spielte der Sierra Cosworth 1986.

Versicherungsseitig sind beide als wertvolle Klassiker mit H-Kennzeichen interessant, die Prämie richtet sich nach Wert und Leistung, die bei diesen Turbo-Sportlern höher ausfällt als bei Brot-und-Butter-Klassikern. Ob H-Kennzeichen oder Youngtimer-Police, den genauen Status klären wir im Ratgeber Youngtimer vs Oldtimer. Unser Klassik-Versicherungs-Vergleich rechnet die Prämie für beide Modelle anbieter-spezifisch durch, die Detail-Unterschiede der Anbieter haben wir im Versicherer-Vergleich aufgeschlüsselt. Gerade bei hochwertigen Cosworth-Modellen lohnt der genaue Blick auf Allgefahrendeckung und Wertgutachten-Anforderungen.

Fazit

Escort oder Sierra Cosworth ist eine Frage von Allrad-Rallye gegen Heckantriebs-Tourenwagen. Der Ford Escort RS Cosworth ist der allradgetriebene Nachfolger: permanenter Allrad, bis 227 PS, 5,7 Sekunden auf 100 km/h und mit nur 7.145 Exemplaren das rarere und teurere der beiden Hauptmodelle, gebaut auf der Technik des Sierra. Der Ford Sierra RS Cosworth ist der Urvater: Heckantrieb, 204 PS, der Tourenwagen-Mythos und der günstigere Einstieg, über allem das sechsstellige RS500-Sammlerstück. In der reinen Wertentwicklung liegt der Escort knapp vorn, in Sachen Motorsport-Historie und Top-Sammlerpotenzial der Sierra. Wer Traktion, Allwetter-Fahrdynamik und das gesuchte 90er-Auto will, kauft den besten echten Escort RS Cosworth, den das Budget hergibt. Wer Tourenwagen-Geschichte, den preiswerteren Einstieg oder die RS500-Krone sucht, kauft einen dokumentierten Sierra. Bei beiden entscheidet die wasserdichte Echtheit über alles, denn ein zweifelhafter Cosworth ist kein Schnäppchen, sondern ein Risiko.

Empfehlung nach Einsatzzweck

Allrad-Traktion und Fahrdynamik bei jedem Wetter
Ford Escort RS Cosworth

Hier spielt der Escort seine Rallye-Gene aus. Sein permanenter Allradantrieb mit 34/66-Verteilung bringt die Kraft des Cosworth-Turbos bei jedem Wetter sicher auf die Straße, und mit nur 1.275 Kilogramm sprintet der handgeschaltete RS laut AUTO BILD in 5,7 Sekunden auf 100 km/h, eine Fabelzeit für 1992 und noch heute ein Topwert. Damit ist der Escort das souveränere, schlechtwettertauglichere Fahrzeug, das Traktion und Beherrschbarkeit über alles stellt. Der Sierra RS Cosworth ist in seiner ursprünglichen Form ein reiner Hecktriebler, der mit 204 PS und Turbo durchaus Respekt verlangt und dessen Fahrwerk bei schnellem Spurwechsel ein wenig schwimmt. Wer maximale Traktion, Allwetter-Fahrdynamik und das rohe Rallye-Erlebnis sucht, ist beim Escort klar besser aufgehoben.

Tourenwagen-Legende und das ultimative Sammlerstück
Ford Sierra RS Cosworth

Der Sierra ist der Urvater der Cosworth-Dynastie und der Star der Tourenwagen-Szene. 1986 spielte er laut AUTO BILD in einer Liga mit dem BMW M3 E30 und dem Mercedes 190 E 2.5-16 Evo II, und über ihm thront das ultimative Sammlerstück: der RS500. Nur 500 von Tickford gebaute Exemplare mit größerem Turbo und 224 PS machten ihn zur Homologationsbasis für die Gruppe A, in der er die Tourenwagen-Meisterschaften dominierte. Heute ist ein RS500 ein sechsstelliges Investment, Spitzenexemplare wechselten für mehrere hunderttausend Pfund den Besitzer. Diese Motorsport-Historie und die RS500-Krone geben dem Sierra eine Sammler-Hierarchie und einen Mythos, den der Escort trotz eigener Rallye-Erfolge nicht ganz erreicht. Wer Tourenwagen-Geschichte und das absolute Top-Sammlerstück sucht, kommt am Sierra nicht vorbei.

Wertentwicklung und 90er-Sammlernachfrage
Ford Escort RS Cosworth

Bei der reinen Wertentwicklung der beiden Hauptmodelle hat der Escort die Nase leicht vorn: +25 % über drei Jahre gegen +24 % beim Sierra, und in absoluten Zahlen liegt er durchgängig rund 35 bis 50 Prozent höher (62.000 gegen 46.000 EUR in Note 2). Der Escort RS Cosworth ist der Jugendtraum der 90er-Generation, die heute kauft, und mit nur 7.145 gebauten Exemplaren rar. Besonders die ersten 2.500 Homologationsmodelle bis Mai 1994 mit dem großen Garrett-Turbo sind gesucht. Ein Exemplar im Neuzustand wurde laut AUTO BILD sogar für umgerechnet über 175.000 EUR angeboten. Der Sierra steigt mit knapp 80 Prozent seit 2012 ebenfalls stark, doch der Escort ist aktuell das dynamischere, höher gehandelte Auto der beiden Standardmodelle. Wer auf die frische 90er-Nachfrage und das höhere Preisniveau setzt, hat mit dem Escort die etwas heißere Karte, sofern man Echtheit und Historie wasserdicht prüft.

Günstigster Einstieg in die Cosworth-Welt
Ford Sierra RS Cosworth

Wer in die Cosworth-Welt einsteigen will, ohne sechsstellig zu investieren, landet beim Sierra. Der Standard-Sierra-RS-Cosworth ist mit 46.000 EUR in Note 2 spürbar günstiger als der Escort mit 62.000 EUR, und die viertürige Sapphire-Variante macht ihn zusätzlich alltagstauglicher und oft noch einen Tick erschwinglicher. Damit ist der Sierra der zugänglichere Weg zum legendären Cosworth-YB-Motor und zum Whale-Tail-Mythos. Laut AUTO BILD galt der Cossie lange als Schnäppchen gegenüber einem BMW M3 E30, und obwohl die Preise kräftig gestiegen sind, bleibt er der preiswertere Einstieg. Der Escort ist das teurere, exklusivere Auto. Wer das Cosworth-Erlebnis zum bestmöglichen Preis sucht und mit Heckantrieb statt Allrad leben kann, fährt mit einem gepflegten, echten Sierra RS Cosworth günstiger in die Liga ein. Bei beiden ist eine lückenlose, geprüfte Historie Pflicht.

Haeufige Fragen zum Vergleich

Was unterscheidet Ford Escort RS Cosworth und Sierra RS Cosworth grundsätzlich? +
Beide sind Ford-Sportikonen mit demselben Cosworth-YB-Motor, einem 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbo mit 16 Ventilen, stammen aber aus zwei Motorsport-Epochen. Der Sierra RS Cosworth kam 1986 als Tourenwagen-Homologationsmodell mit 204 PS und Heckantrieb, später ergänzt durch die viertürige Sapphire-Limousine und eine Allradversion. Seine Krone ist der RS500, von dem nur 500 Stück für die Gruppe-A-Homologation gebaut wurden und der die Tourenwagen-Meisterschaften dominierte. Der Escort RS Cosworth folgte 1992 und wurde gezielt für die Rallye-WM gebaut: Ford stülpte die Escort-MK-V-Karosserie über die technische Basis des Sierra Cosworth und gab ihm permanenten Allradantrieb. Der Sierra ist also der Tourenwagen-Urvater mit Heckantrieb, der Escort der allradgetriebene Rallye-Nachfolger. Optisch verbindet beide der riesige Whale-Tail-Heckflügel, technisch das Cosworth-Herz, im Charakter trennt sie der Antrieb.
Welcher ist heute mehr wert, Escort oder Sierra Cosworth? +
Bei den beiden Standardmodellen ist der Escort RS Cosworth durchgängig teurer. Im Chromradar-Index stehen in Note 2 rund 62.000 EUR für den Escort gegen 46.000 EUR für den Sierra, ein Aufschlag von etwa 35 Prozent, der sich über alle Zustandsnoten hält. Der Grund ist die Kombination aus Seltenheit (nur 7.145 Escort), Allradtechnik und der starken Nachfrage der 90er-Generation. Allerdings gibt es eine wichtige Ausnahme: den Sierra RS500. Dieses auf 500 Stück limitierte Homologationsmodell steht in einer eigenen, sechsstelligen Liga und ist das mit Abstand wertvollste Auto dieser Familie, Spitzenexemplare erzielten mehrere hunderttausend Pfund. Rechnet man den RS500 heraus, ist der Escort das teurere der beiden Hauptmodelle, der Sierra der günstigere Einstieg. Bei den Dreijahres-Trends liegen beide mit +25 und +24 Prozent praktisch gleichauf, beide steigen also kräftig.
Was ist der Cosworth-YB-Motor und wie zuverlässig ist er? +
Der Cosworth YB ist das gemeinsame Herz beider Autos: ein 2,0-Liter-Vierzylinder mit 16 Ventilen, Turbolader und Ladeluftkühler, erkennbar am rot lackierten Cosworth-Zylinderkopf. Im Sierra leistet er als YBB 204 PS, im RS500 mit größerem Turbo 224 PS, im Escort als YBT bis zu 227 PS. Der Motor gilt als grundsolide und enorm tuningfähig, viele wurden auf 300, 400 oder mehr PS gebracht. Genau hier liegt das Risiko: Originale, ungetunte Serienmotoren sind heute selten und entsprechend wertvoll, während die Zylinderkopfdichtung bei dauerhaftem Tuning über 300 PS versagen kann. Die Garrett-Turbolader (T3/T04 früh, T25 oder T3/T4 später) verschleißen nach etwa 80.000 bis 120.000 Kilometern und sind als Verschleißteil einzuplanen. Wichtig ist beim Kauf, sich nach dem Zustand von Turbo, Kopfdichtung und etwaigen Tuning-Maßnahmen zu erkundigen. Ein dokumentierter Serienmotor ohne Leistungssteigerung ist heute ein klares Wertmerkmal.
Wie groß ist das Replica- und Echtheitsrisiko bei den Cosworth-Modellen? +
Sehr groß, und das ist bei diesen Autos das zentrale Kaufthema. Weil die Cosworth-Modelle hohe Preise erzielen und technisch auf Großserien-Fords basieren, ist der Markt anfällig für nachträglich aufgebaute Replicas und für Autos mit unklarer oder gefälschter Identität. Nicht jeder als Cosworth angebotene Escort oder Sierra ist echt. Die Identifikation läuft über die Fahrgestellnummer (VIN), das originale Cosworth-Build-Sheet und die Register der RS-Owners-Clubs, die hier essenziell sind. Beim Escort kommt hinzu, dass nur die ersten 2.500 Exemplare bis Mai 1994 als Homologationsmodelle gelten, beim Sierra ist der RS500 das am häufigsten gefälschte Objekt. Vor jedem Kauf gehört die lückenlose Provenienz geprüft, am besten mit einem Markenspezialisten und Abgleich der Build-Number. Wie man Sondermodelle und ihre Echtheit systematisch prüft, schlüsseln wir in einem eigenen Ratgeber auf. Ein echtes, dokumentiertes Auto ist jeden Aufpreis wert, ein zweifelhaftes ist ein finanzielles Risiko.
Rosten Escort und Sierra Cosworth? +
Ja, wie die meisten Fords ihrer Zeit. Beim Sierra RS Cosworth blüht der Rost an Schwellern, Radhäusern und vor allem am Schlossträger und den Innenkotflügeln, der Bereich um den Whale-Tail-Heckspoiler ist besonders kritisch. Beim Escort RS Cosworth sind das Heckabschlussblech um die Doppelspoiler-Befestigung, die Schweller und vor allem die charakteristischen breit ausgestellten Kotflügel die typischen Rostzonen. Bei beiden gilt: Eine gründliche Karosserie-Untersuchung beim Markenspezialisten ist vor dem Kauf Pflicht, denn die Instandsetzung der spezifischen Cosworth-Karosserieteile ist aufwendig und teuer, viele Teile wurden gegenüber dem Serienmodell geändert (beim Sierra in 92 Punkten). Dazu kommen bei beiden brüchige Recaro-Sitze im Wangenbereich und alternde Elektronik (Bosch-Motronic beim Sierra, ABS-Modulator beim Escort). Die Technik ist beherrschbar, aber Rost und Originalität sind die entscheidenden Wertfaktoren. Eine dokumentierte Hohlraumkonservierung und ein rostfreier Unterboden sind bares Geld wert.
Haben Escort und Sierra Cosworth ein H-Kennzeichen? +
Beide sind inzwischen H-fähig oder rollen gerade vollständig ins H-Fenster. Der Sierra RS Cosworth (ab 1986) ist längst über 30 Jahre alt und komplett im H-Status, ebenso der RS500 von 1987. Der Escort RS Cosworth lief von 1992 bis 1996, seine Baujahre werden 2022 bis 2026 dreißig Jahre alt, er ist also gerade durchweg H-fähig geworden. Das H-Kennzeichen bringt eine pauschale Kfz-Steuer von 191,73 EUR nach Paragraf 23 StVZO und günstige Versicherungskonditionen, setzt aber einen weitgehend originalen Zustand voraus. Gerade bei diesen Cosworth-Modellen ist das ein zweischneidiges Thema: Viele Autos wurden über die Jahre leistungsgesteigert und umgebaut, was vor der H-Abnahme Rückrüstaufwand bedeutet. Ein originaler, unverbastelter Serienzustand ist hier doppelt wertvoll, weil er sowohl das H-Kennzeichen als auch den Sammlerwert sichert. Wer ein dokumentiertes Originalauto sichert, fährt es mit niedrigen laufenden Kosten und steigendem Wert.
Sierra RS500 oder normaler Sierra Cosworth: lohnt sich der Aufpreis? +
Das hängt davon ab, ob man fährt oder investiert. Der normale Sierra RS Cosworth bietet das volle Cosworth-Erlebnis: 204 PS, Whale-Tail, Heckantrieb und den unverwechselbaren YB-Motor, für rund 46.000 EUR in Note 2. Der RS500 ist eine andere Welt: Nur 500 Exemplare baute Tickford 1987 mit größerem Garrett-Turbo, überarbeitetem Ladeluftkühler und 224 PS, gezielt als Homologationsbasis für die Gruppe A, in der er zur dominierenden Tourenwagen-Waffe wurde. Diese Kombination aus extremer Seltenheit, Motorsport-Bedeutung und Mythos macht ihn zum sechsstelligen Blue-Chip, dessen Spitzenexemplare ein Vielfaches eines normalen Cosworth kosten. Für den Fahrer und Enthusiasten ist der normale Cosworth die vernünftigere, immer noch hochemotionale Wahl. Für den Sammler und Investor mit tiefen Taschen ist der RS500 das Sahnestück mit dem größten Wertpotenzial und der klarsten Geschichte. Beide brauchen wasserdichte Provenienz, beim RS500 ist die Echtheitsprüfung wegen der vielen Replicas besonders kritisch.
Welcher der beiden ist die bessere Wahl für den gelegentlichen Fahrspaß? +
Das hängt vom gewünschten Charakter ab. Der Escort RS Cosworth ist mit permanentem Allrad das sicherere, leichter zu fahrende Auto, das seine Kraft bei jedem Wetter beherrschbar auf die Straße bringt und sich fast wie ein moderner Rallye-Homologationswagen anfühlt. Er ist die Wahl für alle, die das Cosworth-Erlebnis ohne den Respekt vor einem heckgetriebenen Turbo genießen wollen. Der Sierra RS Cosworth ist in seiner Dreitürer-Urform der rohere, klassischere Sportwagen: Heckantrieb, ein Turbo, der erst ab etwa 3.000 Touren richtig anschiebt und bei 6.000 Umdrehungen seine volle Power entfaltet, dazu ein Fahrwerk, das bei schnellem Spurwechsel etwas schwimmt und Respekt verlangt. Das macht ihn für viele zum aufregenderen, ehrlicheren Fahrerauto, das man bewusst und mit Können bewegt. Wer Sicherheit und Allwetter-Traktion will, nimmt den Escort, wer das pure, fordernde Hecktriebler-Gefühl der 80er sucht, den Sierra. Beide sind heute zu wertvoll für den harten Alltag und eher Schönwetter-Liebhaberstücke.

Quellen

Tiefer in die Modelle

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