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Mercedes W123 vs W124, der Klassiker gegen den letzten echten Benz

Zwei Mittelklasse-Legenden aus Stuttgart, gegensätzlicher kaum: der barocke W123 mit Chrom und Taxi-Mythos, der sachliche W124 mit Sacco-Design und Over-Engineering. Kurios ist die Preislogik: Der ältere W123 kostet heute mehr als sein technisch überlegener Nachfolger. Wir vergleichen Marktwerte, Technik und Sammler-Logik.

von Patrick Leiß · Stand: 1. Oktober 2026 · Lesezeit ca. 15 Min
Mercedes W123 und W124 vor einer Gründerzeitvilla
Mercedes-Benz
Mercedes W123 Limousine
200 bis 280 E · 1976–1986
Note 2: 14.000 EUR
Mercedes-Benz
Mercedes W124 Limousine
200 D bis E 420 · 1984–1995
Note 2: 10.500 EUR

Marktwert direkt verglichen

Zustand Mercedes W123 Limousine Mercedes W124 Limousine Differenz
Note 1 23.000 EUR 16.000 EUR +7.000 EUR
Note 2 14.000 EUR 10.500 EUR +3.500 EUR
Note 3 7.500 EUR 6.500 EUR +1.000 EUR
Note 4 3.500 EUR 3.500 EUR gleich
Note 5 1.500 EUR 1.200 EUR +300 EUR

Marktwerte aus dem Chromradar-Index, Stand 1. Oktober 2026. Differenz = Wert Mercedes W123 Limousine minus Wert Mercedes W124 Limousine.

Kaum ein Duell zeigt den Wandel der Mercedes-Mittelklasse so direkt wie dieses: Der W123 und der W124 stehen für zwei Generationen, die zusammen über zwanzig Jahre das Straßenbild prägten und beide als grundsolide Dauerläufer in die Geschichte eingingen. Der W123 ist der barocke Klassiker mit Chrom und Taxi-Mythos, der W124 der sachliche Reisewagen, den viele den letzten echten Mercedes nennen. Kurios ist die Preislogik: Der ältere W123 kostet heute mehr als sein technisch überlegener Nachfolger. Wir klären mit aktuellen Marktdaten, welcher Stuttgarter zu welchem Käufer passt.

Kurzfazit

Der W123 ist der etablierte Oldtimer: 14.000 EUR in Note 2, komplett H-fähig und mit dem unverwechselbaren Charakter der 70er. Wer ihn kauft, kauft ein Stück Vintage-Mercedes mit knapper werdendem Angebot, muss aber Rost penibel prüfen, denn unter dem dicken Unterbodenschutz lauert oft Schweizer Käse. Der W124 ist die rationale Gegenwette: 10.500 EUR in Note 2, technisch eine Generation weiter (Mehrlenkerachse, 4MATIC), und günstiger im Einstieg. Die Faustregel: Vintage-Liebhaber und Sicherheitsorientierte nehmen den W123, Pragmatiker und Nachholpotenzial-Sucher den W124. Bei beiden schlägt dokumentierte Rostfreiheit jede Motor- und Ausstattungsfrage, und in beiden Fällen zählt nur ein ehrliches Auto mit lückenloser Historie.

Die beiden Modelle im Profil

Mercedes W123 (1976 bis 1986)

Der W123 gehört zu den meistgebauten Modellen von Mercedes-Benz: 2.696.915 Fahrzeuge, knapp 2,7 Millionen, liefen vom Band, wie auch die oldtimer-4you-Kaufberatung betont. Er ist der letzte Mercedes der barocken Linie, mit reichlich Chrom, aufrechter Haltung und einer Anmutung, die heute unverkennbar nach Klassiker aussieht. Sein Ruf gründet auf Unzerstörbarkeit: Der OM617-Diesel im 300D läuft bei regelmäßigem Ölwechsel 500.000 Kilometer und mehr, weshalb der W123 zur Taxi-Legende wurde. Die Motorenpalette reicht vom genügsamen 200D mit 55 PS über den 240D und 300D bis zum kraftvollen 280E mit 185 PS. Angeboten wurde er als Limousine, als T-Modell (der erste Kombi, den Mercedes-Benz komplett selbst baute) und als elegantes Coupé C123. Die große Schwäche ist der Rost, der sich unter dem werkseitig dick aufgetragenen Unterbodenschutz versteckt.

Mercedes W124 (1984 bis 1995)

Der W124 trat 1984 das schwere Erbe an und setzte technisch neue Maßstäbe. Das Design von Bruno Sacco war elegant, sachlich und aerodynamisch, laut Nau Automobile verkörperte er eine Ära, in der Ingenieurskunst und kompromisslose Qualität bei Mercedes über allem standen. Mehrlenker-Hinterachse und Einarmwischer übernahm er vom kleineren 190er, ABS wurde 1988 und der Fahrer-Airbag im Oktober 1992 serienmäßig, ab 1987 gab es das 4MATIC-Allradsystem. Die Motorenpalette spannte sich vom sparsamen Vierzylinder bis zum 500E mit 326 PS, der in Zusammenarbeit mit Porsche in Zuffenhausen praktisch in Handarbeit endmontiert wurde. 1993 erhielt die Baureihe im Zuge einer Modellpflege den neuen Namen E-Klasse. Auch der W124 rostet, wenn auch etwas weniger berüchtigt als der Vorgänger. Heute trägt er das Etikett des letzten echten Mercedes und wird gerade zum gesuchten Klassiker.

AspektW123 LimousineW124 Limousine
Bauzeit1976–19861984–1995
Design-Ärabarock, viel ChromSacco, sachlich-aerodynamisch
Stückzahl-Ligaknapp 2,7 Mio (2.696.915)rund 2,74 Mio (2.737.860, alle Karosserien)
Motoren55–185 PS (Diesel und Benziner)72–326 PS (200 D bis 500 E)
Technik-Highlightsrobuste Mechanik, OM617-Diesel, ABS ab 1980 und Airbag ab 1982 gegen AufpreisMehrlenkerachse, Einarmwischer, 4MATIC
KarosserienLimousine, T-Modell, CoupéLimousine, T-Modell, Coupé, Cabrio
H-Kennzeichenkomplett H-fähigFenster läuft 2014 bis 2025 durch
Top-Variante280 CE Coupé500 E (Porsche-Endmontage)

Marktwert und Wertentwicklung

Im Chromradar-Index (Stand Oktober 2026) stehen sich die beiden Limousinen so gegenüber:

ZustandsnoteW123W124W123-Aufpreis
Note 1 (Concours)23.000 €16.000 €+44 %
Note 2 (gut)14.000 €10.500 €+33 %
Note 3 (gebraucht)7.500 €6.500 €+15 %
Note 4 (verbraucht)3.500 €3.500 €±0 %
Note 5 (Projekt)1.500 €1.200 €+25 %

Der ältere W123 liegt in den Noten 1, 2, 3 und 5 zwischen 15 und 44 Prozent über dem W124, nur in Note 4 gleichauf. Das ist die typische Oldtimer-Umkehrung: Das ältere, länger als Klassiker etablierte Modell schlägt den jüngeren, technisch überlegenen Nachfolger. Die externen Quellen stützen das Bild. oldtimer-4you nennt für den W123 reale Marktpreise von 8.950 EUR (200D mit hoher Laufleistung) bis 33.800 EUR (sehr gepflegter 300D) und stellt klar: Unter 10.000 EUR ist kaum noch ein wirklich guter W123 zu bekommen. Beim W124 handelt Classic Trader solide Vierzylinder ab rund 6.000 bis 10.000 EUR, Sechszylinder darüber, während Spitzenmodelle wie der 500 E in eigene Sphären (in unserem Index 32.000 EUR in Note 4 bis 120.000 EUR in Note 1) vorstoßen. Der internationale Markt bestätigt das günstigere W124-Limousinen-Niveau: classic.com weist für den 300E einen Markt-Benchmark von rund 9.300 US-Dollar aus, mit einem Spitzenverkauf von 32.000 US-Dollar für ein Top-Exemplar.

Wie tief beide Baureihen im deutschen Klassikerbestand verankert sind, zeigt der Hiscox Pocket Price Guide: W123 und W124 stellen zusammen mit rund 100.900 H-zugelassenen Fahrzeugen den zweithäufigsten Oldtimer Deutschlands, nur der VW Golf liegt davor.

Bauqualität und der Mythos vom letzten echten Mercedes

Der wichtigste inhaltliche Unterschied liegt in der Generationen-Philosophie. Der W123 steht für robuste, mechanische Einfachheit: Seine Stärke ist nicht Hightech, sondern Haltbarkeit. Die Lenkung ist schwergängig, ABS gab es erst ab 1980 gegen hohen Aufpreis, die Heizung braucht im Winter Geduld, dafür hält die Mechanik nahezu ewig, und genau dieser ehrliche, analoge Charakter macht ihn laut oldtimer-4you zum Auto, das Geschichten erzählt statt Fehlermeldungen anzuzeigen.

Der W124 dagegen ist der Höhepunkt der Over-Engineering-Ära. Nau Automobile beschreibt ihn als Inbegriff eines soliden, zuverlässigen Automobils, das mit hochwertigen Materialien, akribischer Detailarbeit und Innovationen wie der Mehrlenker-Hinterachse Maßstäbe setzte. Classic Trader führt ihn ausdrücklich als den letzten echten Mercedes und verweist auf Laufleistungen über 400.000 Kilometer. Ob man diesen Titel teilt oder nicht: Der Mythos ist ein realer Werttreiber, weil er die Nachfrage einer ganzen Generation von Enthusiasten bündelt, die in den 80er- und 90er-Jahren mit diesen Autos aufwuchsen. Der W123 hat seinen eigenen, älteren Mythos, den des unverwüstlichen Taxis mit hohen Laufleistungen. Beide Legenden sind verdient, sie zielen nur auf unterschiedliche Käufergenerationen.

Echtheit und Schwachstellen

Bei beiden Baureihen ist die Technik selten das Problem, der Rost dagegen immer. Beim W123 warnt oldtimer-4you eindringlich vor dem werkseitig dick aufgetragenen Unterbodenschutz, der Durchrostungen verbirgt. Die neuralgischen Punkte sind die Schweller (rosten von innen nach außen, oft auf fünf Zentimeter komplett durch), die A-Säulen unter den Kotflügeln, die Haubenscharniertaschen, alle vier Türunterkanten und die Wagenheberaufnahmen. Sind Letztere weich, ist meist der ganze Unterboden hinüber. Die Händlerregel lautet: einen W123 immer von unten kaufen, ein Auto mit perfektem Unterboden und mattem Lack schlägt eines mit Hochglanz und gammeligen Schwellern.

Beim W124 sind laut Classic Trader die Radläufe, Schweller, Türunterseiten, Hinterachsaufnahmen und die Bereiche um Front- und Heckscheibe die kritischen Zonen. Besonders gefährlich ist Rost, der aus den seitlichen Sacco-Brettern quillt, dann ist Vorsicht geboten. Bei den Sechszylindern und beim 500E lohnt zusätzlich der Blick auf die Elektronik, die bei vernachlässigten Exemplaren zicken kann. Für beide gilt: Vor dem Kauf gehört ein Wertgutachten oder eine Spezialisten-Durchsicht auf der Hebebühne zum Pflichtprogramm, denn eine vernünftige Restauration kostet schnell 25.000 EUR aufwärts und übersteigt damit den Wert vieler Autos.

Markt, Verfügbarkeit und Versicherung

Die Marktlagen ähneln sich, unterscheiden sich aber in der Substanzfrage. Vom W123 gibt es trotz hoher Stückzahl immer weniger gute Autos, weil vier Jahrzehnte Rost und Verschleiß die Bestände ausgedünnt haben, rostfreie Exemplare sind gesucht und entsprechend teuer. Beim W124 ist das Angebot noch breiter und die Substanz im Schnitt besser, weil die Autos jünger sind, gleichzeitig sind viele als Alltagswagen heruntergewirtschaftet worden. Wie sich beide in die größere Mercedes-Klassik einordnen, zeigt der Blick auf die Familien-Spitzen: Das 500E-Spitzenmodell der W124-Reihe spielt preislich in einer eigenen Liga, und der Nachfolger W210 steht noch ganz am Anfang seiner Klassiker-Karriere. Den Sportableger der Ära, den ersten echten Sport-Benz, beleuchten wir im Duell E30 vs 190E.

Versicherungsseitig sind beide unkompliziert: Als gewöhnliche, nicht hochmotorisierte Klassiker liegen die Prämien niedrig, der H-Status hilft beim W123 vollständig und beim W124 zunehmend. Ob H-Kennzeichen oder Youngtimer-Police, den genauen Status klären wir im Ratgeber Youngtimer vs Oldtimer. Unser Klassik-Versicherungs-Vergleich rechnet die Prämie für beide Modelle anbieter-spezifisch durch, die Detail-Unterschiede der Anbieter haben wir im Versicherer-Vergleich aufgeschlüsselt.

Fazit

W123 oder W124 ist keine Frage von besser oder schlechter, sondern von Charakter und Generation. Der W123 ist der etablierte Vintage-Klassiker: barocke Optik, komplett H-fähig, mit knapper werdendem Angebot und einem Wert, der durch dokumentierte Preishistorie abgesichert ist. Er kostet trotz höheren Alters mehr, weil er länger als Klassiker anerkannt ist und gute Autos selten geworden sind. Der W124 ist der rationale Gegenentwurf: technisch eine Generation weiter, sicherer, günstiger im Einstieg und mit dem Kult des letzten echten Mercedes im Rücken. Die klügste Lesart verbindet beide Welten: Wer das echte Oldtimer-Gefühl und maximale Wertsicherheit will, kauft den besten rostfreien W123. Wer mehr Auto fürs Geld, Alltagstauglichkeit und Nachholpotenzial sucht, kauft einen top gepflegten W124-Sechszylinder. Falsch macht man mit keinem der beiden etwas, solange der Unterboden stimmt.

Empfehlung nach Einsatzzweck

Klassiker-Charakter und Oldtimer-Gefühl
Mercedes W123 Limousine

Wer den echten Oldtimer-Look sucht, ist beim W123 richtig. Er trägt noch das barocke Design der 70er mit reichlich Chrom, runden Scheinwerfern und dem markanten Kühlergrill, während der W124 mit den nüchternen Sacco-Brettern und reduziertem Zierrat schon spürbar moderner wirkt. Der W123 ist zudem komplett H-fähig und fest als Klassiker etabliert, sein mechanisches Rasseln beim Start und das satte Türschloss-Geräusch beschreibt die oldtimer-4you-Kaufberatung treffend als Charakter, den kein modernes Auto bietet. Die Lenkung ist schwergängig, ABS gab es erst ab 1980 gegen hohen Aufpreis, dafür erzählt er Geschichten statt Fehlermeldungen. Für Liebhaber, die bewusst in eine ältere Ära eintauchen wollen und Patina als Wert begreifen, ist der W123 die emotionalere Wahl.

Bestes Auto fürs Geld, Alltag und Langstrecke
Mercedes W124 Limousine

Rational betrachtet bekommt man im W124 mehr Auto für weniger Geld. Er ist mit Mehrlenker-Hinterachse und teils 4MATIC-Allrad technisch eine Generation weiter, laut Nau Automobile war Mercedes damals Sicherheits-Vorreiter. In Note 2 stehen 10.500 EUR gegen 14.000 EUR beim W123, fahrbereite Vierzylinder gibt es laut Classic Trader schon ab rund 6.000 bis 10.000 EUR. Die Motoren erreichen Laufleistungen über 400.000 Kilometer, das Fahrwerk ist langstreckentauglich, der Komfort höher. Wer seinen Klassiker täglich oder für lange Reisen bewegen will und nicht auf maximale Vintage-Optik aus ist, fährt mit dem W124 günstiger, sicherer und entspannter.

Wertanlage und Sammler-Sicherheit
Mercedes W123 Limousine

Als etablierte Wertanlage ist der W123 die sicherere Bank. Gute, rostfreie Exemplare sind heute laut oldtimer-4you unter 10.000 EUR kaum noch zu finden. Der W123 ist als Klassiker abschließend anerkannt, das Angebot guter Autos versiegt, weil viele in vier Jahrzehnten verrostet sind. Er startet von einem etablierteren Niveau als der W124. Wer Wertsicherheit über Renditefantasie stellt, kauft den besten W123, den Budget und Substanz hergeben.

Nachhol-Potenzial und kommender Klassiker
Mercedes W124 Limousine

Für die Aufhol-Wette spricht der W124. Er ist gerade erst zum Oldtimer geworden: Die letzten Limousinen liefen 1995 vom Band und haben 2025 die 30-Jahres-Grenze überschritten. Gleichzeitig wächst der Kult um den letzten echten Mercedes, Classic Trader führt ihn genau unter diesem Etikett. Viele unverbastelte Sechszylinder mit lückenloser Historie sind noch erschwinglich. Wer früh in einen Klassiker einsteigen will, dessen Sammler-Anerkennung gerade erst Fahrt aufnimmt, hat beim W124 das größere Nachholpotenzial bei geringerem Einstiegspreis.

Haeufige Fragen zum Vergleich

Was unterscheidet Mercedes W123 und W124 grundsätzlich? +
Es sind zwei aufeinanderfolgende Generationen der Mercedes-Mittelklasse, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Der W123 von 1976 ist der letzte Mercedes der barocken Ära: viel Chrom, runde Doppelscheinwerfer oder breite Streuscheiben, eine aufrechte, repräsentative Linie und ein Innenraum mit dem typischen Geruch der 70er. Der W124 von 1984 trägt das sachliche, aerodynamische Design von Bruno Sacco mit den charakteristischen seitlichen Kunststoff-Brettern (Sacco-Brettern) und gilt laut Nau Automobile als Höhepunkt der Stuttgarter Ingenieurskunst. Technisch liegen Welten dazwischen: Der W124 brachte Mehrlenker-Hinterachse, Einarmwischer und sogar 4MATIC-Allrad; ABS und Airbag gab es gegen Aufpreis schon beim W123. Der W123 ist der charaktervolle, mechanische Klassiker, der W124 der moderne, sichere Reisewagen. Genau dieser Generationssprung erklärt, warum die beiden so verschiedene Käufer ansprechen.
Warum ist der ältere W123 teurer als der neuere W124? +
Das wirkt zunächst paradox, folgt aber der Oldtimer-Logik. Im Chromradar-Index stehen in Note 2 rund 14.000 EUR für den W123 gegen 10.500 EUR für den W124, ein Aufschlag von etwa einem Drittel. Drei Gründe stecken dahinter. Erstens das Alter: Der W123 ist zehn Jahre älter, komplett H-fähig und länger als anerkannter Klassiker etabliert, während der W124 gerade erst aus dem Youngtimer-Status herauswächst. Zweitens das knappere Angebot guter Autos: Vom W123 haben vier Jahrzehnte Rost viele Exemplare dahingerafft, fahrbare Substanz ist selten geworden. Drittens das Vintage-Design: Die barocke Optik der 70er wird heute stärker als Klassiker wahrgenommen als die nüchterne 80er-Form.
Welcher von beiden ist die bessere Wertanlage? +
Beide sind gefragt, aber mit unterschiedlichem Profil. Der W123 ist die sichere Bank: etabliert und mit einem Angebot guter Autos, das stetig knapper wird. Sein Wert ist breit abgesichert, das Risiko gering, die Luft nach oben aber begrenzter. Der W124 ist die Aufhol-Wette: Er wird gerade erst zum Oldtimer, und der Kult um den letzten echten Mercedes nimmt Fahrt auf. Bei beiden gilt jedoch dieselbe eiserne Regel: Nur rostfreie, unverbastelte Exemplare mit lückenloser Historie sind echte Anlagen, verbastelte oder durchgerostete Autos verlieren immer. Für maximale Sicherheit nimmt man den besten W123, für mehr Nachholpotenzial einen top erhaltenen W124-Sechszylinder.
Wo rosten W123 und W124, und worauf muss ich achten? +
Rost ist bei beiden das alles entscheidende Thema, denn die Technik hält fast ewig. Beim W123 warnt oldtimer-4you ausdrücklich vor dem dicken Unterbodenschutz, unter dem sich Durchrostungen verstecken: Die Schweller rosten von innen nach außen, dazu die A-Säulen unter den Kotflügeln, die Haubenscharniertaschen, alle vier Türunterkanten und die Wagenheberaufnahmen. Sind die weich, ist meist der ganze Unterboden hinüber. Beim W124 sind laut Classic Trader die Radläufe, Schweller, Türunterseiten, Hinterachsaufnahmen und die Bereiche um Front- und Heckscheibe kritisch, gefährlich wird Rost, der aus den Sacco-Brettern quillt. Bei beiden gilt: mit Taschenlampe auf die Hebebühne, Schweller abklopfen, und im Zweifel ein Exemplar mit perfektem Unterboden und mattem Lack einem hochglänzenden mit gammeligen Schwellern vorziehen. Lack lässt sich erneuern, eine neue Bodengruppe einschweißen kostet ein Vermögen.
Welche Motoren sind bei W123 und W124 empfehlenswert? +
Beide Baureihen sind für ihre unverwüstlichen Motoren berühmt. Beim W123 gilt der OM617-Diesel im 300D als nahezu unkaputtbar, 500.000 Kilometer sind bei regelmäßigem Ölwechsel kein Problem, dafür ist er mit 88 PS gemütlich. Wer mehr Temperament will, greift laut oldtimer-4you zum 280E mit 185 PS, der kultiviert läuft und auf der Autobahn Spaß macht, sich aber rund 12 Liter genehmigt. Beim W124 reicht die Palette vom sparsamen Vierzylinder (200E/E200, 122 bis 136 PS) über den ausgewogenen Sechszylinder (300 E, 180 bis 188 PS) bis zum Spitzenmodell 500E mit 326 PS. Der 300E gilt als ideale Mischung aus Laufkultur und Alltagstauglichkeit. Die Sechszylinder beider Baureihen erreichen problemlos sechsstellige Laufleistungen, entscheidend ist immer eine gepflegte Wartungshistorie, nicht der Kilometerstand.
Haben W123 und W124 ein H-Kennzeichen? +
Der W123 ist komplett durch: Gebaut von 1976 bis 1986, hat jedes Exemplar die 30-Jahres-Grenze nach Paragraf 23 StVZO längst überschritten und kann das H-Kennzeichen mit pauschaler Kfz-Steuer von 191,73 EUR führen. Beim W124 ist das Fenster für die Limousinen inzwischen durchgelaufen: Sie liefen von 1984 bis 1995, die letzten wurden 2025 dreißig Jahre alt. Bei T-Modell und Coupé (bis 1996) ist es 2026 so weit, späte Cabrios (bis Juli 1997) folgen ab 2027. Genau dieser Übergang macht den W124 derzeit interessant, weil er vom Youngtimer zum echten Oldtimer wird, was Steuer und Versicherung verbilligt und den Klassiker-Status amtlich macht. Voraussetzung ist bei beiden ein weitgehend originaler Zustand, verbastelte Autos brauchen vor der H-Abnahme Rückrüstungsaufwand. Den genauen Unterschied zwischen Oldtimer und Youngtimer schlüsseln wir in einem eigenen Ratgeber auf.
Ist der W124 wirklich der letzte echte Mercedes? +
Das ist Ansichtssache, aber das Etikett hält sich hartnäckig, und Classic Trader führt den W124 ausdrücklich unter dieser Bezeichnung. Dahinter steht die Over-Engineering-Philosophie: Mercedes verbaute laut Nau Automobile besonders hochwertige Materialien, legte größten Wert auf Langlebigkeit und entwickelte Innovationen wie die Mehrlenker-Hinterachse, die später Standard wurden. Viele Kenner sehen im W124 das Sinnbild einer Ära, in der Ingenieurskunst und kompromisslose Qualität bei Mercedes über Kostendruck standen, bevor der Fokus stärker auf Design und Modernität wanderte. Der Ruf wird durch reale Haltbarkeit gestützt: Laufleistungen über 400.000 Kilometer sind dokumentiert. Ob man den Titel teilt oder nicht, der Mythos treibt die Nachfrage und ist ein Grund, warum der W124 als Klassiker an Fahrt gewinnt. Der W123 hat seinen eigenen Mythos: den des unverwüstlichen Taxis mit hohen Laufleistungen.
Limousine, T-Modell oder Coupé: welche Karosserie soll ich wählen? +
Beide Baureihen gibt es als Limousine, Kombi (T-Modell) und Coupé, beim W124 zusätzlich als Cabriolet. Die Limousine ist jeweils der günstige Einstieg und die häufigste Form, ideal für Alltag und Langstrecke. Die T-Modelle ziehen preislich an, weil viele Käufer die Praktikabilität eines klassischen Kombis schätzen, in unserem Index notieren sie über den Limousinen (W123-T und W124-T jeweils rund 20.000 beziehungsweise 14.500 EUR in Note 2). Die Coupés (C123 und C124) sind die emotionale Spitze ohne B-Säule und kosten deutlich mehr, ein W123-Coupé liegt in unserem Index in Note 2 bei 22.000 EUR, oldtimer-4you nennt für gute Exemplare 25.000 bis 30.000 EUR. Ganz oben thront beim W124 das in Zusammenarbeit mit Porsche gebaute 500E-Spitzenmodell als eigene Liga. Für diesen Vergleich nehmen wir bewusst die Limousinen, weil sie das Volumen und die direkte Generationen-Frage am klarsten abbilden. Wer mehr will, findet die Sonderformen über unsere Marktwert-Seiten.

Quellen

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