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Porsche 964 vs 993, welcher luftgekühlte Elfer passt zu dir

Das Luftkühler-Finale unter sich: der unterschätzte Modernisierer gegen den vermeintlich perfekten Letzten seiner Art. Wir vergleichen Marktwerte, Schwachstellen und Charakter und sagen, welcher der beiden letzten luftgekühlten 911 zu welchem Käufer passt.

von Patrick Leiß · Stand: 23. Oktober 2026 · Lesezeit ca. 15 Min
Porsche 964 und 993 auf Alpenstraße
Porsche
Porsche 964 Carrera
Carrera 2/4 · 1989–1994
Note 2: 78.000 EUR
Porsche
Porsche 993 Carrera
Carrera 2/4 · 1993–1998 · letzter luftgekühlter 911
Note 2: 88.000 EUR

Marktwert direkt verglichen

Zustand Porsche 964 Carrera Porsche 993 Carrera Differenz
Note 1 115.000 EUR 130.000 EUR -15.000 EUR
Note 2 78.000 EUR 88.000 EUR -10.000 EUR
Note 3 52.000 EUR 66.000 EUR -14.000 EUR
Note 4 30.000 EUR 42.000 EUR -12.000 EUR
Note 5 15.000 EUR 22.000 EUR -7.000 EUR

Marktwerte aus dem Chromradar-Index, Stand 23. Oktober 2026. Differenz = Wert Porsche 964 Carrera minus Wert Porsche 993 Carrera.

Mit diesem Duell endet eine Ära: Der 964 und der 993 sind die letzten beiden luftgekühlten 911, danach kam die Wasserkühlung und mit ihr eine andere Welt. Der eine modernisierte den Elfer 1989 mit fast 85 Prozent Neuteilen und wurde dafür jahrelang als Übergangsmodell verkannt. Der andere perfektionierte das Konzept ab 1993 und trägt seither den Titel des letzten luftgekühlten 911. Dieser Vergleich klärt mit aktuellen Marktdaten, welcher Luftgekühlte zu welchem Käufer passt.

Kurzfazit

Die beiden liegen preislich näher beieinander, als ihr Ruf vermuten lässt: Im Chromradar-Index steht der 964 Carrera in Note 2 bei 78.000 EUR, der 993 Carrera bei 88.000 EUR. Der Abstand kommt vor allem von den Tiptronic- und Cabrio-Fahrzeugen in der 964-Leiter, bei Schalter-Coupés liegt der 964 Carrera 2 am Markt gleichauf oder leicht über dem 993. Der 964 bietet die klassische Elfer-Silhouette und das rohere Fahrgefühl, der 993 die ausgereiftere Technik, das gefälligere Design und den Status als letzter luftgekühlter 911. Die Faustregel dieses Vergleichs: Wer das analoge, rohere Erlebnis und den maximalen Gegenwert sucht, kauft einen gepflegten 964 Carrera 2 mit Handschaltung und lückenloser Historie. Wer den abgeklärten Touren-Klassiker und den Blue Chip will, kauft einen 993, gern mit Varioram ab Modelljahr 1996. Und bei beiden schlägt der Wartungszustand jede Baureihen-Frage, denn billig ist der Unterhalt in keinem der beiden Fälle.

Die beiden Modelle im Profil

Porsche 964 Carrera (1989 bis 1994)

Der 964 erschien zum 25. Geburtstag des 911 und war trotz vertrauter Optik laut Porsche zu fast 85 Prozent ein neues Auto. Porsche holte nach, was der Markt verlangte: Servolenkung, ABS, Schraubenfedern statt Drehstäbe, verkleideter Unterboden, elektrisch ausfahrender Heckspoiler, in Deutschland ab Februar 1991 serienmäßig Fahrer- und Beifahrer-Airbag. Zwei Premieren prägten die Baureihe: Zum Start im August 1988 (Modelljahr 1989) gab es den 964 ausschließlich als Carrera 4, den ersten allradgetriebenen 911 mit vom Supersportwagen 959 abgeleiteter Technik. Und mit dem Carrera 2 kam 1990 die Tiptronic, die erste Automatik im Elfer. Der 3,6-Liter-Boxer mit Doppelzündung leistete 250 PS, genug für 5,7 Sekunden auf 100 und 260 km/h. Auf 964-Basis startete 1990 zudem der Porsche Carrera Cup. Insgesamt entstanden laut Porsche 63.762 Exemplare aller Varianten einschließlich Turbo, etwas weniger als vom Nachfolger 993.

Porsche 993 Carrera (1993 bis 1998)

Vier Jahre Entwicklungszeit und 400 Millionen D-Mark steckte Porsche laut auto motor und sport in den 993, und außer der Dachlinie blieb praktisch nichts unangetastet. Der unter Chefdesigner Harm Lagaay von Tony Hatter gezeichnete Entwurf mit flacheren Kotflügeln und Ellipsoid-Scheinwerfern gilt vielen bis heute als schönster Elfer. Technisch brachte der 993 die LSA-Mehrlenker-Hinterachse aus Aluminium, die das nervöse Heck beruhigte, ein neues 6-Gang-Schaltgetriebe und 272 PS aus dem weiterentwickelten 3,6-Liter (M64/05). Ab Modelljahr 1996 hob die Varioram-Ansauganlage die Leistung auf 285 PS. Neu hinzu kamen ab Modelljahr 1996 der Targa mit elektrischem Glasdach, der breite Carrera 4S mit Turbo-Karosserie und Turbo-Bremsen (6.948 Stück) und 1997 der heckgetriebene Carrera S (3.714 Stück). Bis zum Produktionsende im Frühjahr 1998 entstanden laut Porsche 68.881 Exemplare aller 993-Versionen, dann war die luftgekühlte Ära nach 34 Jahren vorbei.

Aspekt964 Carrera993 Carrera
Bauzeit1989–19941993–1998
Stückzahl gesamt (alle Varianten)63.76268.881
Leistung250 PS (3,6 l)272 PS, ab MJ 1996: 285 PS (Varioram)
Getriebe5-Gang oder 4-Gang-Tiptronic (nur Carrera 2)6-Gang oder Tiptronic (S) (nur Carrera)
HinterachseSchräglenker mit SchraubenfedernLSA-Mehrlenkerachse aus Aluminium
Design-Signaturklassische Silhouette, neue Stoßfängerflache Kotflügel, Ellipsoid-Scheinwerfer
Top-VariantenCarrera RS, Speedster (930), 30 Jahre 911 (911)Carrera 4S (6.948), Carrera S (3.714)
H-Kennzeichenkomplett H-fähigrollierend bis 2028

Marktwert und Wertentwicklung

Im Chromradar-Index (Stand Oktober 2026) stehen sich die beiden so gegenüber:

Zustandsnote964 Carrera993 Carrera993-Aufpreis
Note 1 (Concours)115.000 €130.000 €+13 %
Note 2 (gut)78.000 €88.000 €+13 %
Note 3 (gebraucht)52.000 €66.000 €+27 %
Note 4 (verbraucht)30.000 €42.000 €+40 %
Note 5 (Projekt)15.000 €22.000 €+47 %

Der Abstand ist in den oberen Noten klein und wächst nach unten. Wichtig für die Einordnung: Die 964-Leiter mischt Carrera 2 und 4, Coupé und Cabrio, Schalter und Tiptronic, die 993-Leiter bildet Carrera und Carrera 4 Coupé ab. Vergleicht man gleiche Konfigurationen, liegt der 964 sogar leicht vorn: Classic Data notiert laut world-of-911 (April 2026) den 964 Carrera 2 Coupé in Note 2 mit 75.500 EUR, den 993 Carrera 2 mit 66.200 EUR. Der classic.com-Benchmark für Schalter-Coupés liegt beim 964 Carrera 2 bei 112.136 US-Dollar, beim 993 Carrera bei 100.593 US-Dollar. Die Classic-Trader-Marktanalyse sieht 964 Carrera 2 und 4 realistisch bei 60.000 bis 110.000 EUR.

Bei beiden Baureihen bestimmen Getriebe und Karosserie den Preis stärker als die Generation: Tiptronic-Fahrzeuge und Cabriolets liegen klar unter den Schalter-Coupés, beim 993 etwa notiert classic.com das Coupé mit Automatik bei 69.145 US-Dollar und das Cabriolet mit Handschaltung bei 70.402 US-Dollar.

Die feineren Trennlinien: Jahrgänge und Untergenerationen

Wie schon beim 996-vs-997-Vergleich lohnt der Blick eine Ebene tiefer, denn innerhalb beider Baureihen gibt es klare Sweet Spots:

GenerationBauzeitKennzeichenEinordnung
964 früh1989–1991unbelüftetes Verteilergehäuse, frühes Zweimassenschwungrad, frühe Motoren ohne Kopfdichtunggünstigster Einstieg, Technik-Updates prüfen
964 spät1992–1994überarbeitete Details, Carrera 2 ab MJ 1993 mit LuK-Schwungradder gesuchte 964
993 ohne Varioram1994–1995272 PS, Motorkabelbaum prüfensolider Einstieg in die 993-Welt
993 Varioram1996–1998285 PS, Targa mit Glasdach, Carrera S und 4Sbeliebt, bei US-Autos Sekundärluft prüfen

Beim 964 konzentrieren sich die bekannten Schwächen auf die frühen Jahrgänge: Der Verteilerriemen der Doppelzündung sitzt anfangs in einem unbelüfteten Gehäuse, das frühe Zweimassenschwungrad verschleißt vorzeitig, und frühe Motoren ohne Zylinderkopfdichtung verlieren gern Öl am Kopf. Ein später oder nachgerüsteter 964 mit dokumentierten Updates ist deshalb spürbar entspannter. Beim 993 ist die Varioram-Frage weniger eine Risiko- als eine Charakterfrage: mehr Leistung und besseres Ansprechverhalten; zu prüfen sind die alternden Unterdruckleitungen und Stellglieder. Unsere 964-Kaufberatung und 993-Kaufberatung schlüsseln beide Baureihen im Detail auf.

Schwachstellen und Unterhalt

Das Wichtigste vorweg: Die IMS-Debatte der wassergekühlten Nachfolger spielt hier praktisch keine Rolle, die luftgekühlten M64-Motoren gelten bei Pflege als langlebig. Dafür haben beide ihre eigenen Themen. Familienerbe sind die Rostnester an Front- und Heckscheibenrahmen nach unsachgemäßem Scheibentausch (Elferspot empfiehlt, die Dichtungsecken anzuheben), anfällige und teure Klimaanlagen, altersschwache Haubenlifter und die notorische Ölfeuchte an Dichtringen, Ventildeckeln und Ölleitungen, die erst bei echtem Ölverlust zum Alarmsignal wird.

Spezifisch beim 964: teure Steuergeräte für ABS und Allrad-Kraftverteilung (laut 911finder schnell über 1.000 EUR, ein ABS-Steuergerät bis zu 4.000 EUR) und das aufwendige Allradsystem des Carrera 4. Und vor allem die Geschichte seiner günstigen Jahre: Damals landeten viele Exemplare bei Haltern, die sich den Unterhalt nicht leisten konnten, Wartungsstau ist deshalb das größte Einzelrisiko. Spezifisch beim 993: das Sekundärluftsystem bei US-Fahrzeugen ab Modelljahr 1996 (verkokte Einblaskanäle, Reparatur mit Motorausbau), spröde Motorkabelbäume bis Modelljahr 1995 und hitzebedingt verschlissene Ventilführungen; mehr als etwa einen Liter Öl auf 1.000 Kilometer sollte ein 993 nicht verbrauchen. Bei beiden gilt: Kleine Inspektionen werden schnell vierstellig, und in dieser Preisklasse gehört vor den Kauf ein Wertgutachten oder eine Spezialisten-Durchsicht.

Markt, Verfügbarkeit und Versicherung

Das Angebot ist bei beiden überschaubarer als bei den wassergekühlten Nachfolgern, aber qualitativ verschieden sortiert. Beim 964 reicht das Angebot vom Wartungsstau-Risiko bis zum Sammlerstück, entsprechend wichtig ist die Historien-Prüfung. Beim 993 ist die Spreu-Weizen-Quote besser, dafür sind gesuchte Konfigurationen wie Varioram-Schalter-Coupés oder gar 4S-Modelle schnell sechsstellig und verschwinden zügig. Beide gehören zu der Generation, deren Poster-Käufer jetzt auf dem Höhepunkt ihrer Kaufkraft sind, ein Mechanismus, den wir im Ratgeber Klassiker der 90er beschrieben haben.

Versicherungsseitig laufen beide als Sportwagen mit H-Kennzeichen-Vorteil: Der 964 ist komplett H-fähig, beim 993 wächst der Bestand bis 2028 vollständig ins H-Fenster. Die Prämien-Spreizung zwischen den Anbietern ist gerade bei sechsstelligen Fahrzeugwerten erheblich, einzelne Versicherer kalkulieren oberhalb von 60.000 EUR Fahrzeugwert spürbar steiler. Unser Klassik-Versicherungs-Vergleich rechnet beide Modelle anbieter-spezifisch durch, die Detail-Unterschiede der Anbieter haben wir im Versicherer-Vergleich aufgeschlüsselt.

Fazit

964 oder 993 ist die Wahl zwischen zwei Lesarten desselben Finales. Der 964 ist die Charakter-Wahl: klassische Silhouette, roheres Fahrerlebnis und im Index rund 10.000 EUR Preisvorteil in Note 2, der bei Schalter-Coupés allerdings kaum noch besteht. Der 993 ist der Blue Chip: ausgereifteste Luftkühler-Technik, das vielleicht schönste Elfer-Design und ein Titel, der ihm nicht mehr zu nehmen ist. Die klügste Entscheidung fällt wie so oft eine Ebene tiefer: Ein später, dokumentierter 964 schlägt einen frühen 993 mit Lücken in der Historie, ein Varioram-993 mit Scheckheft schlägt beide in der Alltagstauglichkeit, und ein sauberer Wartungsnachweis schlägt alles. Luftgekühlt gewinnt man mit beiden.

Empfehlung nach Einsatzzweck

Maximaler Luftkühler fürs Budget
Porsche 964 Carrera

Im Chromradar-Index liegt der 964 Carrera in jeder Zustandsnote unter dem 993 Carrera, in Note 2 um rund 10.000 EUR. Der Abstand kommt vor allem von Tiptronic-Fahrzeugen und Cabriolets, die den 964-Schnitt drücken: Wer eines davon akzeptiert, kommt beim 964 am günstigsten an einen luftgekühlten 911 mit klassischer Silhouette. Bei gesuchten Schalter-Coupés gibt es dagegen kaum noch einen Preisvorteil, laut Classic Data (April 2026) liegt der 964 Carrera 2 Coupé in Note 2 sogar über dem 993 Carrera. Dafür bekommst du dieselbe 3,6-Liter-Basis, 250 PS, 5,7 Sekunden auf 100 und den etwas leichteren Wagen. Pflicht ist ein Exemplar ohne Wartungsstau, denn viele günstige 964 wurden auf Verschleiß gefahren.

Ausgereifter Sorglos-Luftkühler für Touren und Alltag
Porsche 993 Carrera

Der 993 ist die abgeklärtere Konstruktion: Hydrostößel statt kostspieliger Ventilspiel-Einstellung, ein überarbeitetes Zweimassenschwungrad und die LSA-Mehrlenker-Hinterachse, die das Fahrverhalten spürbar beruhigt. Dazu das neue 6-Gang-Getriebe und beim Carrera mit Heckantrieb auf Wunsch die Tiptronic S. Weil der 993 nie richtig billig war, gilt sein Bestand zudem als im Schnitt besser gepflegt. Wer regelmäßig und entspannt luftgekühlt fahren will, ist hier richtig.

Wertanlage und Blue-Chip-Charakter
Porsche 993 Carrera

Der Status als letzter luftgekühlter 911 ist das stärkste Einzelargument des gesamten Vergleichs und strukturell nicht reproduzierbar. Mit dem Carrera 4S (6.948 Stück) und dem seltenen Carrera S (3.714 Stück) stehen klar definierte Premium-Varianten bereit, laut 911finder liegt der Verkaufsmedian des Carrera S bei rund 150.000 EUR und damit deutlich über dem Basismodell. Beim 964 spielen vor allem Carrera RS, Speedster und Turbo in dieser Liga, die wir separat erfassen.

Purismus und analoges Fahrerlebnis
Porsche 964 Carrera

So ausgereift der 993 ist, das rohere Erlebnis liefert der 964: etwas leichter, mit Fünfganggetriebe und der direkteren Verbindung zur klassischen Elfer-Welt der Drehstab-Ära, deren Optik er fast unverändert trägt. Auf seiner Basis startete 1990 der Porsche Carrera Cup, sein Fahrverhalten verlangt mehr Aufmerksamkeit und gibt mehr zurück. Wer den Elfer als Maschine erleben will statt als Reise-Sportwagen, nimmt einen handgeschalteten Carrera 2, zahlt dafür am Markt aber inzwischen etwa so viel wie für ein 993 Coupé.

Haeufige Fragen zum Vergleich

Was unterscheidet Porsche 964 und 993 wirklich voneinander? +
Unter dem Blech sind die beiden enger verwandt, als die unterschiedliche Optik vermuten lässt: gleicher 3,6-Liter-Luftboxer als Basis, gleiche Grundarchitektur, gleicher Radstand. Der 964 von 1989 war der große Modernisierungsschritt mit fast 85 Prozent Neuteilen, erstmals ABS, Servolenkung, Airbags, Allradantrieb und Tiptronic im 911. Optisch blieb er aber fast das alte Auto, nur die Stoßfänger verrieten ihn. Der 993 von 1993 drehte das Verhältnis um: Porsche investierte vier Jahre und 400 Millionen D-Mark, ließ praktisch nur die Dachlinie stehen und spendierte flachere Kotflügel, Ellipsoid-Scheinwerfer, die LSA-Mehrlenker-Hinterachse aus Aluminium und ein neues 6-Gang-Getriebe. Kurz gesagt: Der 964 ist klassische Optik mit modernisierter Technik, der 993 ist neues Design mit perfektionierter Technik. Beide sind luftgekühlt, und genau das macht sie heute zum abgeschlossenen Kapitel.
Ist der 993 teurer als der 964? +
Weniger, als sein Ruf vermuten lässt. Im Chromradar-Index liegt der 993 Carrera in Note 2 bei 88.000 EUR, der 964 Carrera bei 78.000 EUR. Die beiden Leitern sind aber unterschiedlich zusammengesetzt: Beim 964 sind Carrera 2 und 4, Coupé und Cabrio, Schalter und Tiptronic gemischt, beim 993 bilden Carrera und Carrera 4 Coupé die Basis. Vergleicht man gleiche Konfigurationen, liegt der 964 sogar leicht vorn: Classic Data notiert den 964 Carrera 2 Coupé in Note 2 mit 75.500 EUR, den 993 Carrera 2 mit 66.200 EUR (April 2026), und der classic.com-Benchmark für Schalter-Coupés liegt beim 964 Carrera 2 bei 112.136 US-Dollar, beim 993 Carrera bei 100.593 US-Dollar. Für den 993 sprechen der Titel als letzter luftgekühlter 911, das von vielen geschätzte Design und der im Schnitt besser gepflegte Bestand, für den 964 die klassische Silhouette und das rohere Fahrgefühl. Den Preis bestimmen bei beiden vor allem Getriebe, Karosserie und Historie.
Welche Schwachstellen teilen sich 964 und 993? +
Einige Baustellen sind Familienerbe. Beide rosten kaum aus eigener Kraft, aber an den Front- und Heckscheibenrahmen entstehen nach unsachgemäßem Scheibentausch Rostnester, die teuer werden, deshalb bei der Besichtigung die Dichtungsecken anheben. Beide haben altersschwache Haubenlifter (günstig) und anfällige Klimaanlagen (teuer, beim 993 sind 2.000 EUR schnell erreicht). Beide Motoren neigen zu Undichtigkeiten an Kurbelwellen-Dichtringen, Ventildeckeln und Ölleitungen; Ölfilm ist kein K.-o.-Kriterium, ernsthafter Ölverlust aber ein Verhandlungs- oder Rückzugsgrund. Und bei beiden gilt: Die Unterhaltskosten sind hoch, kleine Inspektionen werden schnell vierstellig, vernachlässigte Exemplare entwerten jedes Schnäppchen. In der Preisklasse ab 60.000 EUR gehört vor den Kauf eine Spezialisten-Durchsicht oder ein Wertgutachten.
Ist der 964 oder der 993 zuverlässiger? +
Der 993 hat die reifere Technik, weil Porsche gezielt 964-Schwächen abstellte: Hydrostößel ersetzen die kostspielige Ventilspiel-Einstellung, das Zweimassenschwungrad wurde überarbeitet. Beim 964 konzentrieren sich die Problemzonen auf die frühen Jahrgänge: der Verteilerriemen der Doppelzündung in einem anfangs unbelüfteten Gehäuse, das frühe Zweimassenschwungrad und Ölverlust am Zylinderkopf, weil frühe Motoren ohne Kopfdichtung montiert wurden. Dazu kommen teure Steuergeräte für ABS und Allrad-Kraftverteilung sowie das aufwendig zu wartende Allradsystem des Carrera 4. Das heißt nicht, dass der 964 unzuverlässig ist. Es heißt nur, dass die Historie beim 964 noch mehr über den Kaufpreis entscheidet als beim 993, dessen Bestand im Schnitt besser gepflegt wurde. Wer auf Nummer sicher gehen will, sucht einen späten 964 mit dokumentierten Technik-Updates oder einen 993 mit lückenlosem Scheckheft; beim 993 gibt es bei US-Fahrzeugen ab Modelljahr 1996 zusätzlich das Thema verkokter Sekundärluftkanäle.
Haben 964 und 993 ein H-Kennzeichen? +
Der 964 ist hier komplett durch: Die Baujahre 1989 bis 1994 haben die 30-Jahres-Grenze nach Paragraf 23 StVZO alle überschritten, jeder originale 964 kann das H-Kennzeichen mit pauschaler Kfz-Steuer und Zugang zu günstigen Klassik-Tarifen führen. Beim 993 läuft das Fenster gerade: Die ersten Fahrzeuge von 1993/94 sind seit 2023/24 H-fähig, die letzten von 1998 folgen 2028, dann ist auch diese Baureihe vollständig Oldtimer. Anders als bei unserem Vergleich 996 vs 997 ist das H-Kennzeichen hier also kein Zukunfts-Katalysator mehr, sondern weitgehend eingepreist. Praktisch relevant bleibt es trotzdem: Versicherer wie OCC oder die Württembergische honorieren den H-Status mit spürbaren Nachlässen, und die pauschale Steuer von 191,73 EUR schlägt die Hubraum-Besteuerung eines 3,6-Liters deutlich. Voraussetzung ist wie immer ein weitgehend originaler Zustand, den ein Gutachten nach Paragraf 23 StVZO bestätigt.
Welche Varianten von 964 und 993 haben das größte Sammler-Potenzial? +
Beim 964 liegen der Carrera RS (laut Elferspot 2.282 Stück plus 290 RS N/GT), der Speedster (laut Porsche 930 Stück) und das Jubiläumsmodell 30 Jahre 911 (911 Exemplare) klar über den Standard-Carrera, dazu kommen die Turbolook-Modelle (WTL). Unter den Serien-Carrera erzielen Schalter-Coupés die höchsten Preise, Tiptronic-Fahrzeuge und Cabriolets liegen darunter. Beim 993 ist die Hierarchie klar: Über dem Carrera stehen der Carrera 4S (6.948 Stück) und der noch seltenere heckgetriebene Carrera S (3.714 Stück), dessen Verkaufsmedian laut 911finder bei rund 150.000 EUR liegt. Carrera RS und Turbo beider Generationen sowie der 964 Speedster spielen in eigenen Preisligen und sind in unseren Marktwert-Profilen separat erfasst. Für alle gilt: Bei sechsstelligen Varianten-Aufschlägen lohnt die Echtheitsprüfung, WTL-Nachbauten und RS-Repliken sind real existierende Risiken.
Schalter oder Tiptronic: was ist beim 964 und 993 die richtige Wahl? +
Der 964 brachte 1990 nach der halbautomatischen Sportomatic wieder ein Automatikgetriebe in den 911, die 4-Gang-Tiptronic, der 993 verfeinerte sie ab Modelljahr 1995 zur Tiptronic S mit Schalttasten am Lenkrad. Beide gelten als grundsätzlich robust, die Wandlerautomatik kostet aber spürbar Temperament. Wertseitig ist die Sache eindeutig: Der classic.com-Benchmark liegt beim 964 Carrera 2 Coupé mit Handschaltung bei 112.136 US-Dollar, mit Tiptronic bei 84.854 US-Dollar, beim 993 Carrera Coupé bei 100.593 gegen 69.145 US-Dollar. Beim 993 ist das neue 6-Gang-Getriebe ohnehin die gesuchte Wahl. Eine Kuriosität am Rande: Bei beiden Baureihen gab es Allrad und Tiptronic nie zusammen, wer automatisch schalten wollte, musste den Carrera mit Heckantrieb nehmen. Faustregel: Sammler und sportliche Fahrer zahlen den Schalter-Aufpreis, Genussfahrer finden in gepflegten Tiptronic-Exemplaren die günstigsten Einstiege in beide Baureihen.

Quellen

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